Trauma-Maschinerie des Krieges in der Ukraine

Es scheint Fakt zu sein, dass auf beiden Seiten Kinder und Jugendliche in die Traumamaschinerie des Krieges eingespannt werden. Da im Osten die Kriegsfront vor der Haustür liegt, werden die Jugendlichen hier im wahrsten Sinne des Wortes direkt damit kon „front“iert. Auch russische junge Soldaten. In dem Krieg, der sogenannten „Anti-Terror- Operation“ seit April 2014,  konnten  sich von Beginn an  tiefe menschliche Abgründe ungezügelt entfalten. Regeln eines Krieges wie im Genfer Abkommen festgehalten, wurden nicht ausreichend vermittelt, eingehalten und kontrolliert. Und das nicht nur alleine auf Seiten der „Separatisten“ und russischen Einheiten.
Eine halbe Million Flüchtlinge, Zehntausend Tote, 30 000 Verwundete, darunter eine große Zahl von Zivilisten, Splitterbomben, Hungertod, Folter, Entführungen, -ja und auch Kindersoldaten.
Der Hass hat sich auf beiden Seiten dick und fett gefressen an diesem Krieg und einst beste Freunde oder sogar Bruder und Schwester in zwei schier unüberbrückbare Lager getrieben. Die am Boden liegende Ukraine mit Füßen getreten.
Ein Land, fast doppelt so groß wie Deutschland, mit ungeheuren Potentialen und Ressourcen, mit wundervollen Menschen, im Europa des 21. Jahrhunderts.
Die Bevölkerung ist der Macht der Stärkeren, Mächtigeren und Gnadenlosen ausgeliefert. Es regiert die Sprache der Gewalt. Und auch hier nicht nur alleine auf Seiten der „Separatisten“.
Nein, auch aus den Kreisen der Neuen Regierung, -ein Tjagnibok, der zum Kampf gegen die jüdisch-russische Mafia aufrief, eine Timoschenko, die am liebsten eine Atombombe auf die gesamte Ostukraine werfen und Putin selbst in den Kopf schießen mochte, ein Jasenjuk, der denen im Osten Feuer unter die Füßen legen wollte und viele Weitere mit ähnlichen Gelüsten. Abgeordnete, die ihre Privatarmeen unterhalten und in Uniform vom Kriegsschauplatz zum Parlament wechseln, bis hin zu einem Oleg Ljaschko, der vor laufender Kamera Vaterlandsverräter misshandelt.

‚Kein Krieg‘. Bild: Санкт-Петербург: несанкционированная антивоенная акция у Казанского собора via Voice of America.

Auf beiden Seiten (sowie auch in Russland) erfordert es großen Mut und Zivilcourage gegen diesen Krieg zu demonstrieren. Solche Vaterlandsverräter können auf beiden Seiten desselben Vaterlands schnell hinter Gittern landen, im Kriegsgebiet selbst kann sie schnell eine tödliche Kugel treffen. Hierfür hat sich die ukrainische Regierung sogar eine rechtliche Grundlage geschaffen, bei den Separatisten fehlt jegliche Regel.
Das Trauma der Ukraine entlädt sich in Wut, Hass und Gewaltakzeptanz gegenüber der anderen Seite, nicht nur Ost gegen West im eigenen Land, sondern „all inclusive“.
Minsk I und II haben den Krieg eindämmen können. Immense Finanzspritzen und demokratische Förderprogramme versuchen die Ukraine wieder auf die Beine zu stellen.
Die Spielregeln dabei sind klar: Gegenseitige Achtung, Meinungs-, Pressefreiheit, Versammlungsrecht, Gewaltfreiheit, freie und unabhängige Wahlen, Minderheitenschutz oder im Kriegsfall die Verhältnismäßigkeit von Gewalteinsatz.
Für eine Befriedung des gesamten Landes ist es unabdingbar, dass diese Grundregeln von allen Beteiligten geachtet und eingehalten werden.
Ist es jetzt zu spät dafür? Ja, -es ist eine Million und Zehntausend zu spät, aber noch knapp 43 Millionen vor 12.