Von kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen bis hin zu Medikamenten im Wert von 200.000 Dram: So funktioniert der Mechanismus der irreführenden Werbung im Gesundheitsbereich

Free chek

Hier ist die Übersetzung des Textes ins Deutsche unter Beibehaltung der Formatierung:

Wenn eine „kostenlose Beratung“ zu einem Verkauf wird und eine „Wunderschlankheitslösung“ zu einem Gesundheitsrisiko

„Kostenloser medizinischer Check-up“, „In wenigen Tagen abnehmen“, „100 % natürliches Mittel“, „ohne Diät und körperliche Anstrengung“, „Behandlung, von der Ihnen Ärzte nichts erzählen“.

Es ist längst nicht mehr überraschend, auf solche Angebote in sozialen Netzwerken und durch Anrufe zu stoßen. Die Angebote sind unterschiedlich, aber ihr Mechanismus ist oft derselbe: das sensibelste Verlangen eines Menschen in ein Verkaufswerkzeug zu verwandeln.

Der eine möchte abnehmen, der andere ein seit Jahren plagendes gesundheitliches Problem loswerden, der dritte sich ein Kind wünschen und der vierte sich einfach schnell erholen. Und auf diesem Wunsch baut die Manipulation auf.

Alles beginnt mit „kostenlos“

In letzter Zeit kann man ähnliche Geschichten von verschiedenen Menschen hören: Sie wurden angerufen und es wurde ihnen eine kostenlose Untersuchung oder Beratung angeboten. Manchmal wird versprochen, dass sich mit Hilfe eines speziellen Geräts viele Probleme im Körper in nur wenigen Minuten identifizieren lassen.

Hier sollte das erste Signal aufleuchten.

  • Welcher Test wird durchgeführt?

  • Wer führt ihn durch?

  • Wo befindet sich die lizenzierte medizinische Einrichtung?

  • Welche Ausrüstung wird verwendet?

  • Wer interpretiert die Ergebnisse?

Wenn einer Person anstelle dieser Fragen sofort ein „Spezialkurs“, ein „natürliches Mittel“ oder ein „Wundermittel“ angeboten wird, handelt es sich bei dem kostenlosen Service möglicherweise gar nicht um eine Gesundheitsleistung, sondern um den ersten Schritt zu einem Verkauf. Der zweite Schritt besteht darin, Angst zu erzeugen.

Eines der stärksten Werkzeuge des manipulativen Verkaufs ist es, eine Person davon zu überzeugen, dass sie ein Problem hat, von dem sie zuvor nichts wusste.

  • „Ihr Körper ist vergiftet.“

  • „Ihr Stoffwechsel funktioniert nicht.“

  • „Sie haben Flüssigkeitsansammlungen.“

  • „Wenn Sie es jetzt nicht behandeln, verschlechtert sich der Zustand.“

  • „Sie brauchen diesen Kurs.“

Solche Formulierungen versetzen einen Menschen in ein Reich von Angst und Eile. Und eine ängstliche Person überprüft Informationen weniger und trifft Entscheidungen schneller.

Hier greift die klassische Formel der Manipulation: Ein Problem schaffen → Angst einjagen → die einzige „Lösung“ anbieten.

„Nur heute“, „letzte Plätze“, „Sonderpreis“

Der nächste Schritt ist Eile.

  • „Die Aktion gilt nur heute.“

  • „Nur noch 5 Packungen übrig.“

  • „Der Sonderpreis ist nur für Sie.“

  • „Wenn Sie jetzt nicht bestellen, gilt morgen derselbe Preis nicht mehr.“

Diese Technik wird als Knappheitseffekt bezeichnet. Sie zwingt Menschen dazu, eine Entscheidung nicht auf der Grundlage zu treffen, ob sie das Produkt wirklich brauchen, sondern ob sie es jetzt kaufen oder die Gelegenheit verpassen sollten.

Und genau hier kann sich eine „kostenlose Beratung“ in einen Verkauf im Wert von Hunderttausenden Dram verwandeln.

200 tausend Dram für „Behandlung“

Während dieser Recherche haben wir mit Menschen gesprochen, die an ähnlichen „kostenlosen“ Beratungen oder Umfragen teilgenommen hatten.

Einer unserer Gesprächspartner erzählte, dass er ein solches Angebot aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen im Knie und Gehbeschwerden in Anspruch genommen hatte. Ihm wurden verschiedene Medikamente angeboten, für die er nach eigenen Angaben insgesamt etwa 200.000 Dram ausgab.

Nach etwa ein bis zwei Monaten der Anwendung blieben die erwarteten Ergebnisse aus. Im Gegenteil, sein Zustand habe sich verschlechtert, sein Bein sei angeschwollen und das Gehen sei schwieriger geworden.

Die endgültige Lösung erhielt er erst nach Konsultation eines Arztes, Erhalt der notwendigen medizinischen Versorgung und einem chirurgischen Eingriff.

Diese Geschichte beweist natürlich nicht, dass das betreffende Medikament die Verschlechterung der Gesundheit verursacht hat; ein solches medizinisches Gutachten kann nur ein Fachmann abgeben. Aber die Geschichte ist aus einem anderen Grund wichtig: Die Person zahlte zuerst viel Geld, verschwendete Zeit und suchte erst danach professionelle medizinische Hilfe.

Ist ein „zu 100 Prozent natürliches“ Schlankheitsprodukt wirklich natürlich?

Noch gefährlicher ist die Situation, wenn es um Produkte geht, die zum Abnehmen verkauft werden.

Die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) gibt regelmäßig Warnungen zu Schlankheitsprodukten heraus, bei denen auf den Etiketten keine pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffe aufgeführt sind. Die FDA-Datenbank hat auch im Jahr 2026 ähnliche Fälle veröffentlicht, darunter eine Warnung vor dem Produkt „Detoxi Slim“ im Juli 2026.

In einigen Fällen haben Labortests Sibutramin und andere nicht deklarierte pharmakologische Substanzen nachgewiesen. Die FDA weist darauf hin, dass solche Produkte manchmal als „natürlich“ oder als Nahrungsergänzungsmittel dargestellt und über soziale Medien und Online-Plattformen verkauft werden.

Mit anderen Worten: Das Wort „natürlich“ ist kein Sicherheitszertifikat.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor gefälschten und minderwertigen medizinischen Produkten. Sie können den falschen Inhaltsstoff, die falsche Dosierung enthalten, den deklarierten Wirkstoff überhaupt nicht oder schädliche Substanzen enthalten. Die WHO stellt fest, dass solche Produkte oft auch online und über unautorisierte Quellen vertrieben werden.

Es gibt auch ein Kontrollsystem in Armenien

In Armenien wird Arzneimittelwerbung nicht einfach nach dem Prinzip geregelt: „Wer auch immer veröffentlichen möchte, was er will.“

Das Zentrum für Arzneimittel- und Medizintechnologie-Expertise teilt mit, dass ab dem 6. April 2025 eine neue Regelung in Kraft tritt, wonach Werbematerialien für Arzneimittel einer Vorabprüfung unterzogen werden und ihre Übereinstimmung mit den Anforderungen des Gesetzes „Über Arzneimittel“ für die Werbegenehmigung bewertet wird.

Informationen über in der Republik Armenien registrierte und nicht registrierte Arzneimittel werden ebenfalls in demselben System veröffentlicht.

Und das zuständige Fachgremium der Republik Armenien verfügt zudem über einen separaten Bereich zu gefälschten pharmazeutischen Produkten und hat eine Liste der in den Jahren 2021–2024 entdeckten gefälschten Medikamente veröffentlicht.

Diese Fakten sind wichtig, weil sie zeigen, dass das Problem nicht nur das Narrativ „die Menschen sind zu gutgläubig“ ist. Es gibt auch das Problem der Markt-, Werbe-, Produktregistrierungs- und Verbraucherschutzaufsicht.

Warum glauben wir?

Der interessanteste Teil dieser Geschichte ist jedoch nicht das Medikament selbst.

Uns wird nicht die Pille verkauft, sondern Hoffnung.

Einer Person, die abnehmen möchte, wird nicht nur ein Nahrungsergänzungsmittel verkauft, sondern ein „neuer Körper“. Einer Person, die seit Jahren ein gesundheitliches Problem hat, wird kein Produkt verkauft, sondern „die Gelegenheit, endlich geheilt zu werden“. Einer Person, die sich ein Kind wünscht, wird die „letzte Chance“ verkauft.

Und je stärker der Wunsch eines Menschen ist, desto leichter lässt sich seine Aufmerksamkeit von Fakten auf Versprechungen lenken.

Das ist der gefährlichste Teil der Manipulation.

„Lass es zu Hause sein“: Derselbe Mechanismus funktioniert auch beim normalen Einkaufen

Derselben Mechanismus lässt sich auch außerhalb des Themas Gesundheit beobachten.

In unserer kleinen, nicht repräsentativen Umfrage beschrieben die meisten der 100 Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts ungefähr dasselbe Verhalten:

„Es gab keinen Bedarf, aber ich dachte: ,Es ist fürs Haus, lass es da sein.‘ Der Preis war vernünftig.“

Mit anderen Worten: Menschen kaufen manchmal nicht das, was sie brauchen. Sie kaufen das, was die Werbung als notwendig darzustellen wusste.

Hier kommen Preisnachlässe, begrenzte Verfügbarkeit, sozialer Vergleich, die Vorstellung, dass „das schon jeder hat“ und die Angst, etwas zu verpassen, ins Spiel.

Wie man manipulative Gesundheitswerbung erkennt

Wenn Sie das nächste Mal ein Abnehm-, Heilungs- oder „Körperreinigungs“-Produkt sehen, halten Sie inne und stellen Sie sich mindestens sieben Fragen:

  1. Wer verkauft dieses Produkt?

    Gibt es eine echte Firma, Adresse, verantwortliche Person?

  2. Wer erteilt medizinische Ratschläge?

    Gibt es einen entsprechenden Spezialisten und eine lizenzierte medizinische Einrichtung?

  3. Ist das Produkt registriert?

    Finden Sie Informationen dazu in offiziellen Quellen?

  4. Was verspricht die Werbung?

    Phrasen wie „100 % Heilung“, „garancierte Ergebnisse“ und „keine Nebenwirkungen“ sind ernsthafte Warnsignale.

  5. Warum ist das Angebot dringend?

    Ist es wirklich begrenzt oder will man einfach nur, dass Sie keine Zeit zum Nachdenken haben?

  6. Gibt es unabhängige Beweise?

    In der Werbung präsentierte „Kundenberichte“ allein sind kein wissenschaftlicher Beweis.

  7. Was passiert, wenn ich jetzt nicht kaufe?

    Wenn die Antwort einfach „nichts“ lautet, können Sie innehalten und nachprüfen.

Der wichtigste Faktencheck vor dem Klick auf den „Kaufen“-Button

Der Kampf gegen Desinformation besteht nicht nur darin, politische Fakenachrichten aufzudecken.

Falsche Gesundheitswerbung kann ebenfalls eine Desinformation darstellen, wenn eine ungeprüfte oder falsche Behauptung als Fakt dargestellt wird, um einer Person ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen.

Hier beginnt der Faktencheck nicht auf dem Computerbildschirm, sondern direkt in unserem Kopf.

  • Halten Sie für einen Moment inne.

  • Glauben Sie nicht dem ersten Versprechen.

  • Überprüfen Sie die Quelle.

  • Konsultieren Sie einen Spezialisten.

Und vor allem: Verwechseln Sie keinen Wunsch mit einer bewiesenen Tatsache.

Denn manchmal sagt uns die Werbung nicht: „Sie wollen das“, sondern: „Sie sollten das wollen.“

Und zwischen diesen beiden Dingen liegt ein riesiger Unterschied.

Kaufen Sie nicht aus Angst. Lassen Sie sich nicht durch Werbung heilen. Prüfen Sie zuerst.

Das Material wurde erstellt, um Desinformation und Manipulationsmechanismen aufzudecken. Bei gesundheitlichen Problemen ist es notwendig, einen entsprechenden medizinischen Fachmann zu kontaktieren und Informationen über Medikamente oder Gesundheitsprodukte mit offiziellen Quellen abzugleichen.

Hripsime Petrasyan

Das Material wurde im Rahmen des Projekts zur Überwachung von Desinformationsströmen erstellt.

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Das Projekt wird mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt.