ICCJ-Jahreskonferenz in Hannover: Besuch in Bergen-Belsen und Workshop zum christlich-jüdischen Dialog

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Kniend vor dem Denkmal zum Gedenken an die in Bergen-Belsen ermordeten Juden © BQ/Schirrmacher

Im Rahmen der Jahreskonferenz des Internationalen Rates der Christen und Juden (ICCJ) besuchte Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (ISHR), gemeinsam mit Vertretern jüdischer, christlicher und muslimischer Glaubensgemeinschaften die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Dort würdigte er die Opfer des Holocaust und bekräftigte die fortbestehende Verantwortung, entschlossen gegen alle Formen von Antisemitismus, religiösem Hass und Feindseligkeit gegenüber der Menschheit vorzugehen.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen erinnert an eines der ersten nationalsozialistischen Arbeitslager, das erst später zu einem Konzentrationslager wurde. Mehr als 70.000 Menschen verloren dort ihr Leben, die meisten von ihnen in den letzten Monaten des Krieges, als Bergen-Belsen KZ-Häftlinge von der Ostfront aufnahm, die mit Evakuierungszügen und auf Gewaltmärschen ins Herz des Deutschen Reichs transportiert worden waren und dort an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung starben. Die britische Armee zerstörte das Lager nach seiner Befreiung vollständig, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern. Zu den bekanntesten Opfern zählen Anne Frank und ihre Schwester Margot. Schirrmacher hielt sowohl am Gedenkstein für die Schwestern Frank als auch am jüdischen Mahnmal inne, um ein stilles Gebet zu sprechen.

 

Das Grab von Margot und Anne Frank © BQ/Schirrmacher

Der ICCJ ist die weltweit führende Dachorganisation für den christlich-jüdischen Dialog. Seit Jahrzehnten setzen sich ihre Mitgliedsorganisationen aus zahlreichen Ländern für die Aufarbeitung der Geschichte, den Kampf gegen Antisemitismus und das gegenseitige Verständnis zwischen Juden und Christen ein. Gastgeber der diesjährigen Jahreskonferenz war der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (DKR), der als deutsches Mitglied des ICCJ die Konferenz gemeinsam mit regionalen Partnern in Hannover organisierte. Der DKR vertritt mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Deutschland und engagiert sich seit Jahrzehnten für den christlich-jüdischen Dialog und den Kampf gegen Antisemitismus. Das ICCJ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als internationale Antwort auf christliches Antijudentum und den Antisemitismus der Nazis gegründet.

Im Rahmen der Konferenz leitete Schirrmacher gemeinsam mit dem ICCJ-Präsidenten, Rabbiner Dr. David Fox Sandmel, einen Workshop zur Geschichte des jüdischen und christlichen Zionismus. Sandmel war zuvor Präsident des Internationalen Jüdischen Komitees für interreligiöse Konsultationen (IJCIC) gewesen, dem internationalen Vertretungsgremium des organisierten Judentums im Dialog mit den Kirchen.

 

Workshop von Rabbi Dr. Sandmel – im Bild – und Thomas Schirrmacher am ICCJ© BQ/Schirrmacher

Der Workshop befasste sich mit den Ursprüngen sowie den historischen, theologischen und politischen Entwicklungen des jüdischen und christlichen Zionismus und hob dabei die überraschende Vielfalt ihrer jeweiligen Ausprägungen hervor. Beide Traditionen wurden vergleichend dargestellt, wobei ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorgehoben wurden.

Schirrmacher arbeitet seit vielen Jahren mit dem IJCIC und dessen Präsidenten zusammen. Während Sandmels Amtszeit beim IJCIC gehörten gemeinsame internationale Dialogveranstaltungen fest zum Programm. Zu den Höhepunkten zählten eine historische gemeinsame Konferenz des IJCIC und der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) in Jerusalem sowie ein gemeinsamer Empfang, der vom Präsidenten des Staates Israel ausgerichtet wurde. Vor diesem Hintergrund war der ICCJ-Workshop Teil einer langjährigen Zusammenarbeit im christlich-jüdischen Dialog.

 

Jews, Christians and Muslims of ICCJ commemorating the victism of KZ Bergen-Belsen together © BQ/Schirrmacher

Die Konferenz verband den akademischen und theologischen Austausch mit einer gemeinsamen Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust und machte damit deutlich, dass der christlich-jüdische Dialog untrennbar mit der historischen Verantwortung im Hinblick auf den Antisemitismus verbunden ist.

Die Teilnahme an der ICCJ-Jahreskonferenz unterstrich zudem Schirrmachers langjähriges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog sowie die Arbeit des ISHR gegen Antisemitismus und für die Religionsfreiheit weltweit.

 

 

 Das Denkmal in Bergen-Belsen © BQ/Schirrmacher

Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma in Bergen-Belsen © BQ/Schirrmacher