Seminar in Balti. Falschmeldungen in Massenmedien. Teil 2

Am 24. August veranstaltete die moldauische Abteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGMR) im Rahmen des internationalen Projekts “Massenmedien, Meinungsbildung, Menschenrechte” folgendes Schulungsseminar in Balti.

 

Bild 1. Anfang des Seminars in Balti.

 

In ihrem Bericht hat die Referentin Natalia Smurgun ein Beispiel für eine der ungeheuerlichsten Tatsachen der Falschmeldungen in der Republik Moldau im Jahr 2018 aufgezeigt.

Am 5. September 2018 erscheinen im moldauischen Medienraum Informationen über die Ergebnisse einer aufsehenerregenden Ermittlung hinsichtlich der nicht angemeldeten luxuriösen ausländischen Immobilien des moldauischen Oligarchen Vladimir Plahotniuc, der die gesamte exekutive, legislative und gerichtliche Gewalt in der Republik Moldau unterworfen hat.

 

 

Bild 2. Aufsehenerregende Ermittlung des Portals rise.md über die ausländischen Immobilien des moldauischen Oligarchen.

 

Diese Informationen hätten eine große gesellschaftliche Resonanz hervorgerufen, wenn sie am nächsten Tag, dem 6. September, nicht von einem anderen, nicht weniger berühmten Ereignis „übergedeckt“ worden wären. 7 türkische Staatsbürger – die Lehrer des türkischen Lyzeums in Chisinau – wurden aus der Republik Moldau im Schnellverfahren ausgewiesen. Einige von ihnen hatten zuvor in der Republik Moldau um politisches Asyl gebeten. Die moldauische Seite wies diese Personen auf Antrag der türkischen Behörden aus, die behaupteten, sie seien mit dem berühmten Prediger Gülen verbunden und an terroristischen Aktivitäten beteiligt. Heute ist bekannt, dass bereits drei der von der Republik Moldau vertriebenen türkischen Staatsbürger in ihrem Heimatland lange Haftstrafen erhalten haben.

 

Gleichzeitig mit diesen Nachrichten erscheinen auf Nachrichtenportalen falsche Informationen darüber, dass die moldauische Botschaft in Berlin, Deutschland wegen der terroristischen Drohungen seitens der islamischen Terroristen evakuiert wird

 

 

 Bild 3. Artikel in der Presse über die Evakuierung der Mitarbeiter der moldauischen Botschaft in Berlin.

 

 

Eine Woche nach diesen Pressemitteilungen erklärte die deutsche Botschaft in Chisinau, dass alle Informationen über Sicherheitsbedrohungen für die Mitarbeiter der moldauischen Botschaft nicht zutreffend seien.

 

Bild 4. Screenshot der Meldung der deutschen Botschaft.

 

 

Am Ende des Berichts fand eine Diskussion zum Thema Falschmeldungen statt, an der sich die Journalisten aus Balti, Vertreter der Zivilgesellschaft und lokaler Kommunalbehörde aktiv beteiligten. Es wurde festgestellt, dass das Phänomen der gefälschten Nachrichten (fake-news) den wirtschaftlichen, politischen und sogar psychologischen Bereich des Lebens in unserem Land betrifft.

Bild 5. Die Seminarteilnehmer hören aufmerksam dem Bericht des Referenten zu.

 

So äußerte eine der Seminarteilnehmer, Rodica Deleu, Direktor des Fernsehens in Balti, die Meinung, dass das behandelte Thema sehr umfangreich und wert sei, einen Spezialkurs an Universitäten in journalistischen Abteilungen zu werden. Und es wäre auch nützlich, wenn solche Lektionen im Rahmen des Fachs „staatsbürgerliche Erziehung“ für Schüler der 11-12. Klassen abgehalten würden.

Der Chefredakteur der Balti Zeitung „SP“, Veaceslav Perunov, merkte an, dass man nicht sagen könne, dass Moldawien das Phänomen der falschen Nachrichten nicht bekämpfe. Er erzählte über das spezielle moldauische Portal www.stopfals.md, das ständig eine objektive Analyse der Nachrichten des moldauischen Medienraums durchführt.

 

 

 

Bild 6. Spezielles Portal stopfals.md, das der Bekämpfung der Falschmeldungen (fakes) in der Republik Moldau gewidmet ist.

 

Leider ist die Hitrate dieser Seite gering. Es ist für Menschen viel einfacher, auffällige dicke Schlagzeilen wahrzunehmen, als sich auf Analysen einzulassen und den Grad der Wahrhaftigkeit der Informationen herauszufinden. Und wenn Sie sich die Besucherstatistik ansehen, dann haben die Websites, die es sich erlauben, voreingenommene, zweifelhafte Inhalte zu veröffentlichen, viel höhere Anzeigeraten.

Er schlug auch vor, dass auf gesetzlicher Ebene etwas getan werden müsse. Zum Beispiel verbreitet eine Seite gefälschte Nachrichten, aber herauszufinden, wem diese Seite rechtmäßig gehört, ist manchmal sehr schwierig oder sogar unmöglich. Er nannte ein Beispiel für eine Webseite, auf der falsche Informationen verbreitet wurden, und die Behörden, die sich durch das Gesetz zum Schutz von Informationen und privaten Daten rechtfertigten, wollten keine Informationen über den Eigentümer dieser Ressource preisgeben.

Olga Dascal, die Lehrerin an der Pädagogischen Universität, merkte an, dass die gebildeten Jugendliche in der Lage sind, die dargestellten Informationen zu filtern. Wenn jedoch Informationen auf vielen Informationsressourcen gleichzeitig bereitgestellt werden, kann es sehr schwierig sein, festzustellen, ob sie zuverlässig sind oder ob es sich um Propaganda handelt. Sie brachte auch die Auffassung zum Ausdruck, dass es nützlich sein würde, solche Seminare für junge Menschen in Schulen und Universitäten so oft wie möglich durchzuführen. Sie müssen lernen, die Anzeichen falscher Nachrichten anhand konkreter Beispiele zu erkennen. Junge Menschen sind verloren, wenn sie in diesen Ozean der Informationen geraten, den das Internet, eine Vielzahl von Medien und zahlreiche Fernsehkanäle ihnen bieten. Junge Menschen lassen sich von den Informationen einnebeln, die nur glaubwürdig aussehen. Und oft stellt sich heraus, dass es niemanden gibt, der sie in die richtige Richtung lenkt.

Die Schullehrerin Maria Danilova befürwortete, dass den Schülern in der Oberstufe die Grundlagen des Wissens vermittelt werden sollten, die es ihnen ermöglichen, zu verstehen, welche Nachrichten wahr sind und welche alle Eigenschaften der Falschmeldung aufweisen.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass das angesprochene Thema für die Republik Moldau von großer Relevanz ist und die Auswahl der Seminarunterlagen nützlich ist. Und es wäre schön, wenn solche Veranstaltungen so oft wie möglich stattfinden würden. Der Prozess der Bildung einer gesunden Zivilgesellschaft sollte fortgesetzt werden. Die Seminarteilnehmer sagten, dass sie die erhaltenen Informationen an ihre Umgebung, bei der Arbeit und zu Hause weitergeben würden. Sie werden auch aufmerksamer auf die von den Massenmedien bereitgestellten Informationen eingehen und andere Menschen das belehren.

 

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