Neue Möglichkeiten in der Arbeit von Menschenrechtsaktivisten

Vor Kurzem habe ich darüber nachgedacht, was mir im vergangenen Jahr wichtig gewesen ist. Welche Erfahrung habe ich gemacht? Was hat mein Leben beeinflusst?

Unter den vielen Ereignissen, dem sehr schwierigen letzten Jahr, war für mich das Bedeutendste die Teilnahme an dem gemeinsamen Projekt Humanrights Online.
Dieses Projekt hat mir die Möglichkeit gegeben, mich an dem Aufbau und der Bearbeitung der neuen www.humanrights-online.org zu beteiligen.

Es war außerordentlich interessant und nützlich Schritt für Schritt mit gemeinsamen Kräften die Effizienz der Website zu verbessern, neue Ansätze für Posts auf der Webseite zu entwickeln, das Design der verschiedenen Ländersektionen auf der Webseite zu entwerfen und zu ändern.

Ich erhielt die Möglichkeit als Trainer zu arbeiten und 10 junge Menschenrechtsaktivisten aus verschiedenen Regionen der Republik Moldau in der Arbeit auf unserer Website zu unterrichten. Gemeinsam haben wir Workshops durchgeführt, in den jeder Teilnehmer die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten erhielt, um als Blogger zu arbeiten.

20160903_110757Foto 1. Einer der Arbeitsmomente des Workshops in Chisinau

Wir diskutierten, wie man ein Interview zum Thema Menschenrechte macht, wie man qualitativ hochwertige Videos aufnimmt und sie auf der Webseite veröffentlicht.

In den Workshops sprachen die Jugendlichen viel über ihre Probleme, Probleme mit Verletzungen ihrer Rechte und Freiheiten in ihren Regionen.

20160923_131414Foto 2.  Jugendliche aus Transnistrien sagen ihre Meinung

So diskutierten die jungen Menschenrechtsaktivisten aus Moldau die sie berührenden Probleme der Beziehung zwischen der Republik Moldau und Transnistrien, Aspekte der Auswirkungen des transnistrischen Konflikts auf ihr Leben, den Mangel an Verständnis zwischen Staat und Bürgern.

20160923_142140Foto 3. Meinungsaustausch. Die Arbeit geht auch in den Pausen weiter.

Die Arbeit der Menschenrechtsaktivisten ging auch nach den Workshops weiter. Wir haben mit ihnen die Themen für ihre Video-Interviews besprochen und daran gearbeitet die Materialien auf die Webseite zu setzen.

Sergej Iubabenko, Projektkoordinator in der Republik Moldau, war ständig in Kontakt mit unseren Workshopteilnehmern. Alle stießen auf ein sehr großes Problem. Wenn sie die Menschen über die Verletzung der Menschenrechte in der Republik Moldau interviewen und sie dabei mit einer Kamera oder einem Handy filmen wollten, waren die Menschen verängstigt und baten sie dies nicht zu tun, da sie Angst hatten, dass die Regierung sie dafür in der Zukunft verfolgen könnte. Leider gibt es in der moldauischen Realität viele Beispiele für fingierte Strafverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten. So war jedes einzelne Video-Interview zum Thema Menschenrechte das Resultat großer Bemühungen, von Gesprächen mit den Menschen darüber, dass die Webseite keine moldauische ist, dass auf ihr Materialien aus verschiedenen Ländern eingestellt werden und dass, wenn wir Veränderungen in unserem Land möchten, es notwendig ist, die internationale Gemeinschaft über die realen Zustände im Land zu informieren. Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die Befragten zu beruhigen und somit 53 Video- Interviews aufzunehmen.

Ein Teilnehmer, Dimitrij Grebenko, interviewte 8 Jugendliche zu der Frage welche Menschenrechte in Moldau verbessert werden könnten. An den Aufnahmen ist besonders interessant, dass sich herausstellte, dass diese jungen Menschen gar nicht wussten, was Menschenrechte eigentlich sind.

Video 1. Menschenrechte in der Republik Moldau – eine Befragung von Jugendlichen

Aus diesen Video-Interviews geht hervor, dass die Jungendlichen nicht wissen, was Menschenrechte sind.

Daher schlug die Vorsitzende der moldauischen Sektion der IGFM, Dr. Ljubow Nemtschinowa, Dimitrij vor, ein Seminar für junge Menschen über Menschenrechte zu machen und es zu filmen.

Video 2. – Seminar über Menschenrechte in der Republik Moldau

Dieses Seminar war im Projekt nicht geplant, aber es war entscheidend für die effektive Arbeit der Menschenrechtsaktivisten und wurde deshalb gehalten.

In der Arbeit an diesem Projekt gab es einen weiteren sehr wichtigen Aspekt. Menschenrechtler aus der Republik Moldau erhielten die Gelegenheit mit Menschenrechtlern aus anderen Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland zu kooperieren. Wir zeigten die Menschenrechtslage in unseren Ländern auf, tauschten Erfahrungen miteinander, halfen uns gegenseitig.

Wir haben gesehen, dass viele der Probleme in unseren Ländern einen gemeinsamen Charakter haben und dass es auch jeweils landesspezifische Probleme gibt.
Wir erkannten, dass die Blogger aus diesen Ländern uns helfen, diese Probleme zu verstehen.

Unvergesslich und unglaublich erfahrungsreich war unser Abschlussworkshop in Deutschland, an dem 20 Aktivisten und Blogger aus 7 Ländern (Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldawien, Russland und der Ukraine) teilnahmen.

foto1.humansrights deffenderFoto 4. Menschenrechtsaktivisten aus 7 Ländern gemeinsam in Frankfurt am Main 09.12. 2016 (Anmerk. des Übersetzers mit Deutschland und den USA aus 9 Ländern)

Wie im Flug vergingen diese Tage in den Sitzungen und Gesprächen vom 7. bis 10. Dezember in Frankfurt a.M..

In dem Workshop konnten die Blogger ihre technischen Fähigkeiten in der Bearbeitung der Webseite festigen.

Die Teilnehmer konnten mit dem Entwickler der Website humanrights-online.org, Herrn Philipp Kleindienst, direkt sprechen. Es wurden eine Menge Änderungen und Vorschläge gemacht, um die Funktionalität der Website zu verbessern.

Im Verlauf der Gespräche zwischen den jungen Bloggern tauschten sie ihre Erfahrung bei der Aufnahme der Video-Interviews zum Thema Menschenrechte aus. Auch der Austausch über die Menschenrechtslage in den jeweiligen Ländern tat gut. Viele Probleme, mit denen die anderen konfrontiert wurden, erwiesen sich als länderübergreifende Probleme. So war es hochinteressant zu erfahren wie diese Probleme in den jeweiligen Ländern angegangen wurden.

IMG_20161209_114402186Foto 5. Dr. Carmen Krusch-Grün und Frau Martina Feldmayer, MdL, im Gespräch mit Menschenrechtsaktivisten aus Georgien.

Ich möchte vor allem unsere Projektkoordinatorin Dr. Carmen Krusch-Grün hervorheben. Ihre Begeisterung und Energie inspirierte alle Teilnehmer und beflügelte die Arbeit.

Unvergesslich in dem Abschlusstreffen auch die Begegnung mit der Abgeordneten des Hessischen Landtages, Frau Martina Feldmayer, deren echtes Interesse an unserem Projekt deutlich zu spüren war.

Feldmeyer-ÖP-Konferenz-1-1024x614Foto 6. Dr. Carmen Krusch-Grün und Frau Martina Feldmayer, MdL, im Gespräch mit Menschenrechtsaktivisten aus der Ukraine.

Sie sprach persönlich mit den Aktivisten und hörte aufmerksam ihren Beiträgen über die Lage in den Ländern, die sie vertreten, zu.

Sehr schön war es auch, die „Veteranen“ der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Herrn Hafen (Anmerk. des Übersetzers: über 20 Jahre geschäftsf. Vorsitzender der IGFM) und Herrn Dr. Gnauck (Anmerk. des Übersetzers, Mitbegründer der IGFM, 1972) kennenzulernen.

HAFEN3-1024x597Foto 7. Rede von Herrn Hafen

Sie haben einen großen Beitrag im Kampf für die Menschenrechte in der Sowjetunion geleistet und wir fühlen uns verpflichtet, ihre Sache im Schutz der Menschenrechte in unseren Ländern fortzusetzen. Denn in unseren jungen Demokratien stoßen wir permanent mit elementarsten Menschenrechtsverletzungen staatlicherseits zusammen.

Ich bin froh, dass ich jetzt sehr interessante und gute Freunde in Deutschland, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Russland und der Ukraine habe.

Es ist sehr wichtig zu wissen, dass man mich versteht und dass man sich für mich interessiert und dass wir mit vereinten Kräften unsere gemeinsame Arbeit fortsetzen können.

Gennadij Caunov, Chisinau, 15.01.2017