Kubaner als Kanonenfutter

Nicht nur Nordkoreaner und Afrikaner, auch Tausende Kubaner kämpfen für Geld auf Seiten Russlands in der Ukraine

VON MICHAEL LEH

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Die Exil-Kubanerin Carolina Barrero. Foto: Michael Leh

Auch aus Kuba hat Russland tausende Söldner für den Kampf gegen die Ukrainer angeworben. Das berichtet die kubanische Kunsthistorikerin und Menschenrechtlerin Carolina Barrero detailliert in ihrem Report „Kubaner an der Front in der Ukraine“, den die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung publiziert hat. Die 1986 in Havanna geborene Barrero war im Jahr 2021 an den Protesten gegen das totalitäre Regime Kubas als Mitglied der Künstler- und Intellektuellenbewegung „27N“ beteiligt. Wie sie gegenüber der „Tagespost“ in Berlin bei einem Pressegespräch in der Naumann-Stiftung sagte, wurde sie über zwanzig Mal verhört. Sie wurde massiv schikaniert, inhaftiert und erhielt Hausarrest. Der kubanische Staatssicherheitsdienst trieb sie dann ins Exil. Sie lebt jetzt in Madrid und gründete die Organisation „Ciudadania y Libertad“ („Staatsbürgerschaft und Freiheit“) zur Förderung der Bürgerrechte in Kuba. Im Jahr 2024 wurde sie vom Europäischen Parlament als Sacharow-Stipendiatin ausgezeichnet.

Mit 2000 Dollar Monatslohn angelockt

Laut dem Bericht Barreros hat der ukrainische Geheimdienst offiziell bestätigt, dass mindestens 1.076 kubanische Staatsbürger für Russland kämpfen, wobei 96 als tot oder vermisst gelten. Diese Zahl umfasse jedoch nur die Fälle, die durch vollständige Unterlagen wie Namen, Pässe und unterzeichnete Verträge bestätigt worden seien. Nach Schätzungen der Geheimdienste liege die tatsächliche Zahl zwischen 5000 bis zu 25.000 Kämpfern. Damit würden die Kubaner nach den Nordkoreanern das zweitgrößte Kontingent ausländischer Soldaten auf russischer Seite stellen.

Wie die in Florida erscheinende Zeitung „Miami Herald“ diesen Herbst berichtet, hat der Sprecher der Hauptdirektion für Nachrichtendienste des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Andrij Jussov, erklärt: „Unsere zuverlässigen Geheimdiensterkenntnisse deuten derzeit darauf hin, dass mindestens 20.000 Kubaner bereits die erforderlichen Dokumente ausgefüllt haben und für den Kampf für Russland rekrutiert wurden.“

 Kubaner als Kanonenfutter an der Front

Wie Carolina Barrero schreibt, hätte man 60 Prozent der Kubaner dabei mit falschen Versprechungen über Arbeitsplätze im Baugewerbe angelockt. 40 Prozent seien bewusst eingesetzte Militär- und Geheimdienstangehörige. Während Kuba in einer schweren Wirtschaftskrise steckt und viele der Rekrutierten dort in Armut lebten, bietet ihnen Russland Monatsgehälter von umgerechnet 2000 Dollar. Der kubanische Durchschnittslohn betrage dagegen umgerechnet etwa 17 Dollar. Kubaner benötigten für die Einreise nach Russland kein Visum und könnten von den großen Flughäfen Kubas aus Direktflüge nach Moskau nehmen. In Russland angekommen, müssten sie Verträge in russischer Sprache unterzeichnen, die sie kaum verstünden. Sie erhielten kaum zwei Wochen militärische Ausbildung und würden an die vordersten Fronten geschickt. Dort sei die Sterblichkeitsquote verheerend. Sie hätten an der Front nur noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 140 bis 150 Tagen.

Staatlich geförderter Menschenhandel

Die kubanische Regierung bestreite offiziell eine Mitwirkung bei der Rekrutierung eigener Landsleute für den militärischen Einsatz in Russland. Es sei jedoch nicht glaubwürdig, dass in einem Land, in dem die staatliche Kontrolle über die Bevölkerungsbewegungen streng sei und schon die Genehmigung für den Umzug von einer Provinz in eine andere monatelange Bürokratie erfordern könne, Tausende Männer im wehrfähigen Alter problemlos internationale Flüge in Anspruch nehmen könnten.

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Am kubanischen Innenministerium in Havanna prangt das stilisierte Konterfei des Stalinisten Che Guevara. Foto: Michael Leh

Auch sei unter anderem Oberst Mónica Milián Gómez, Militärattaché der kubanischen Botschaft in Moskau, als eine der Koordinatorinnen des Rekrutierungsnetzwerks identifiziert worden. Das „TIME Magazine“ habe schon in einer im September 2023 veröffentlichten Untersuchung dokumentiert, dass in Facebook-Gruppen für kubanische Auswanderer in Moskau Anzeigen für den russischen Militärdienst erschienen.

Das US-Außenministerium hat in seinem Bericht über Menschenhandel 2025 die Rekrutierung von Kubanern für den Krieg Russlands in der Ukraine offiziell als eine Form des staatlich geförderten Menschenhandels eingestuft. Barrero nennt in ihrem Bericht mehrere Kubaner namentlich und beschreibt ihr Schicksal in Russland.

Abhörstation „SIGINT“ auf Kuba

Der bisherige (jetzt abgelöste) Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, schrieb am 29. Oktober auf der Plattform X: „Heute stimmte die UNO über Kubas jährliche Resolution gegen das US-Embargo ab. Die Ukraine stimmte dieses Jahr dagegen. Unsere Gründe sind schwerwiegend: Die kubanische Regierung ist zu einem strategischen Instrument Russlands geworden und unterstützt aktiv dessen Angriffskrieg gegen eine souveräne europäische Nation.“ Tausende kubanische Soldaten würden als Teil der russischen Invasionstruppen gegen die Ukraine kämpfen und dabei Kampferfahrung sammeln. Havanna engagiere sich zunehmend in militärischen und geheimdienstlichen Aktivitäten, die die internationale Sicherheit bedrohen. Es gibt auch Medienberichte, wonach Russland seine frühere große Abhörstation „SIGINT“ („signals intelligence“) in Lourdes in der Nähe Havannas wieder in Betrieb genommen hat, und sich auch China daran beteiligt.

Dieser Beitrag von IGFM-Vorstandsmitglied Michael Leh erschien am 11. Dezember 2025 in der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost. Wir veröffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.