Pluralismus stärken, Werte vermitteln, Dialog und Verständigung fördern

Gruppenfoto beim IGFM-Seminar in Kiew: Jugendliche Multiplikatoren aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine, Russland und Weißrussland trafen vom 22. bis zum 26. September 2015 Bürgerrechtler und Oppositionelle aus diesen Ländern und diskutierten Wege über gemeinsame Menschenrechtsinitiativen über die Ländergrenzen hinweg.

Unter dem Haushaltstitel „Motivierung und Solidarisierung der Jugend aller Zielländer der Östlichen Partnerschaft zur gesellschaftlichen Partizipation unter besonderer Berücksichtigung der Menschenrechte“ fand vom 22. bis zum 26. September 2015 das erste von drei fünftägigen Seminaren in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt. Je drei Jugendliche, die in Jugendorganisationen bereits als Multiplikatoren tätig sind, aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine, Russland und Weißrussland treffen Bürgerrechtler und Oppositionelle aus diesen Ländern und diskutieren Wege über gemeinsame Menschenrechtsinitiativen über die Ländergrenzen hinweg. Das nächste Seminar in Moskau wird ein Lackmustest, wie Russland mit kritischen Jugendlichen aus russlandkritischen Ländern umgeht. Das dritte Seminar findet in Frankfurt am Sitz der IGFM statt. Am Tag der Menschenrechte, am 10. Dezember 2015, schließt das Experiment mit einer Pressekonferenz ab. 

Es ist gar nicht solange her, dass sich West- und Osteuropa aufeinanderzubewegten und die Politiker in Westeuropa sich gerne mit denen im Osten Hände schüttelnd ablichten ließen. Die Klammer aller Republiken der ehemaligen Sowjetunion – die gemeinsame russische Sprache – musste mehr und mehr den Landessprachen weichen, die Jahrzehnte privat oder im Verborgenen gepflegt wurden. Wo der Anteil der russischsprachigen Bevölkerung einen hohen Prozentsatz hatte, kam es zu Konflikten, und in einigen dieser neuen Staaten ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Die Ukraine ist an den Rand des Zerfalls geführt worden, Moldau steht an einem Scheideweg. Georgien wird ganz offensichtlich sukzessive durch Grenzverschiebungen seines Staatsgebiets beraubt. Alle aus der Sowjetunion hervorgegangenen Staaten, die näher an Westeuropa heranrücken wollen, sind damit konfrontiert, dass das hochgepriesene Recht der Völker auf Selbstbestimmung politische Grenzen hat und Russland sie wie Satelliten zu steuern beabsichtigt. Wer aber genauer hinschaut, der sieht, wie der Sprachenkonflikt zur Sprachlosigkeit untereinander geführt hat.

Die IGFM hatte im Zuge von Glasnost und Perestroika 1985 bis 1988 Arbeitsgruppen in mehreren Städte der Sowjetunion aufgebaut. Ihre Leiter gehörten der Helsinki-Bewegung an. Sie verstanden sich über die russische Sprache, ansonsten vertraten sie durchaus regionale Interessen. Als 1991 die Sowjetunion unterging, entstanden im gleichen Jahr IGFM-Ländersektionen in Litauen und Lettland, in Aserbaidschan, Usbekistan und Georgien, 1993 folgten Russland und die Ukraine, 1994 Weißrussland und Armenien, 1995 Moldau. Bei den jährlichen Treffen des Internationalen Rates der IGFM war Russisch neben dem Deutschen die führende Konferenzsprache. Doch seit mehreren Jahren stellen wir fest, dass die neuen jüngeren Leiter aus den Sektionen entweder nicht mehr Russisch sprechen wollen oder sogar Russisch nicht mehr beherrschen. Ein deutliches Signal, dass sich die Jugend in diesen Ländern nicht mehr richtig versteht, ja sogar aus dem Weg geht. Das Misstrauen der Politiker schlägt sich in der Distanz der Jugendlichen benachbarter Länder wider. Sie sprechen nicht miteinander, sie verlieren sich aus den Augen. Die Weltsprache Englisch hat den Platz des Russischen in diesem Großraum jedoch noch nicht einnehmen können.

Vor fünf Jahren haben sich die genannten Sektionen unter Führung der deutschen Sektion im Eurasia-Komitee gefunden. Der Auftrag lautet, die Sprachlosigkeit zu überwinden und den Dialog zwischen den Mitgliedern der Sektionen zu fördern. Das Interesse am gemeinsamen Einsatz für die Menschenrechte ist gewachsen: Mitglieder in Usbekistan setzen sich für politische Gefangene und Bürgerrechtler in Weißrussland ein und selbst Mitglieder in Aserbaidschan und Armenien überwinden die politische Feindschaft ihrer Regierungen.

Für den 23. September 2015 hatten wir zu einer ungewöhnlichen und — wir hoffen — zukunftsweisenden Konferenz nach Kiew eingeladen: Je drei Jugendliche, die in Jugendorganisationen bereits als Multiplikatoren tätig sind, aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine, Russland und Weißrussland treffen Bürgerrechtler und Oppositionelle aus diesen Ländern und diskutieren Wege über gemeinsame Menschenrechtsinitiativen über die Ländergrenzen hinweg. Alle Jugendlichen werden, dank der großzügigen Spende einer luxemburgischen Bank mit einem Laptop ausgestattet, damit sie vor Ort in der fünftägigen Veranstaltung eine gemeinsame Plattform entwickeln, auf der sie auch in der Zukunft sich miteinander austauschen.

Die Folgekonferenz wird in Moskau stattfinden. Das dritte Seminar findet in Frankfurt am Sitz der IGFM statt. Am Tag der Menschenrechte, am 10. Dezember, schließt das Experiment mit einer Pressekonferenz ab. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt durch Fördermittel.

Neue Facebook-Plattform in russischer Sprache

Die Jugendlichen haben in Facebook eine Diskussions-Plattform eingerichtet und ihr den Namen „МОПЧ МИР МОЛОДЫХ“ gegeben, was übersetzt so viel bedeutet wie IGFM-Frieden/Welt – Jugend. Die Plattform ist noch ganz frisch und zeigt viele Fotos aus dem Starterseminar in Kiew.

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