{"id":73036,"date":"2025-10-10T13:03:53","date_gmt":"2025-10-10T11:03:53","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/?p=73036"},"modified":"2025-11-03T09:05:59","modified_gmt":"2025-11-03T08:05:59","slug":"krim-halbinsel-der-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/krim-halbinsel-der-angst\/","title":{"rendered":"Krim, Halbinsel der Angst"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Krim.\u00a0<\/strong><strong>Halbinsel der Angst<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Russland verfolgt weiter die Krimtataren &#8211; Appaz Kurtamet ist der\u00a0 j\u00fcngste krimtatarische politische Gefangene und in Sibirien inhaftiert<\/strong><\/p>\n<p><strong>VON MICHAEL LEH<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_73037\" style=\"width: 639px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-73037\" class=\"wp-image-73037\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-scaled.jpg\" alt=\"Krim 10.10.25 leh foto 1 hr o kopie\" width=\"629\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-29x27.jpg 29w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-200x187.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-214x200.jpg 214w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-400x374.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-600x560.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-768x717.jpg 768w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-800x747.jpg 800w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-1024x956.jpg 1024w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-1200x1121.jpg 1200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-1536x1435.jpg 1536w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Krim-10.10.25-Leh-Foto-1-hr-o-Kopie-scaled.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\" \/><p id=\"caption-attachment-73037\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Pressekonferenz der Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker in Berlin (von links): Elvis Colpuh, Aishe Kurtamet und Sarah Reinke. &#8211; Foto: Michael Leh<\/p><\/div>\n<p>Die Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker (GfbV) hat in Berlin \u00fcber die anhaltende Verfolgung der Krimtataren auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim informiert. Eine Dokumentation der GfbV tr\u00e4gt die \u00dcberschrift \u201eHalbinsel der Angst\u201c. Die Ukraine- und Krimexpertin der GfbV, Sarah Reinke, wies darauf hin, dass auch der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) im Juni 2024 in einer Grundsatzentscheidung (Ukraine v. Russia, re Crimea) erkl\u00e4rt hat, dass insbesondere Krimtataren zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Sie seien ein Ziel von Einsch\u00fcchterungstaktiken, Druck, physischen Attacken, Drohungen, Durchsuchungen, Festnahmen und Bestrafungen.<\/p>\n<p><strong>Krimtataren werden in Gef\u00e4ngnisse nach Sibirien gebracht<\/strong><\/p>\n<p>Laut GfbV sind (Stand September 2025) 220 Menschen von der Krim widerrechtlich aus ethnischen, religi\u00f6sen und politischen Gr\u00fcnden inhaftiert. Mehr als die H\u00e4lfte der politischen Gefangenen seien Krimtataren. Sie w\u00fcrden oft in weit von der Krim entfernte Gegenden Russlands deportiert. Es w\u00fcrden Haftstrafen bis zu 20 Jahren und Isolationshaft verh\u00e4ngt. Auch mindestens 30 Frauen von der Krim bef\u00e4nden sich in russischen Gef\u00e4ngnissen. In den letzten Monaten habe es auch mehrere Berichte \u00fcber willk\u00fcrliches Verschwindenlassen von Krimtataren gegeben. Krimtatarische Identit\u00e4t, Sprache und Kultur w\u00fcrden systematisch unterdr\u00fcckt. Krimtataren w\u00fcrden auch als Muslime schikaniert und verfolgt.<\/p>\n<p><strong>Folter und lange Haftstrafen<\/strong><\/p>\n<p>Beim Pressegespr\u00e4ch der GfbV in Berlin waren Aishe Kurtamet, die Mutter des j\u00fcngsten krimtatarischen politischen Gefangenen Appaz Kurtamet, und der Krimtatare Elvis Colpuh zugegen. Der 29-j\u00e4hrige Colpuh ist Arzt, Musiker und Leiter des von ihm gegr\u00fcndeten krimtatarischen Kulturinstituts \u201eKerem\u201c in N\u00fcrnberg. Wie Frau Kurtamet erkl\u00e4rte, wurden ihr Sohn und sein Vater Khalil im Juli 2022 in der s\u00fcdukrainischen Stadt Cherson vom russischen Geheimdienst FSB entf\u00fchrt. \u201eIch wusste zun\u00e4chst gar nicht, wo die beiden sind\u201c, sagte sie. Erst nach drei Monaten habe sie erfahren, dass der heute 22-j\u00e4hrige Appaz zun\u00e4chst in ein Untersuchungsgef\u00e4ngnis auf der Krim gebracht worden sei. Der 58-j\u00e4hrige Vater sei zu acht Jahren, der Sohn zu zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Man habe beide gefoltert. Inzwischen sei der Sohn in einem Gef\u00e4ngnis im Bezirk Pskow in Sibirien.<\/p>\n<p><strong>\u201eIch bin stolz auf meinen Sohn\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eLaut Urteil wurde Appaz vorgeworfen, dass er seine Freunde unterst\u00fctzt h\u00e4tte, die in der ukrainischen Armee k\u00e4mpfen. Die Beschuldigungen sind fabriziert, beide sind v\u00f6llig unschuldig. Appaz hat Freunde in der ukrainischen Armee, aber das ist kein Verbrechen. Schuld an allem sind nur die russischen Besetzer.\u201c Wie die ukrainische Menschenrechtsorganisation KHPG\u00a0 mitteilte, sei es um umgerechnet zw\u00f6lf Euro gegangen, die Appaz Kurtamet an einen Freund geschickt habe, der in einem Freiwilligenbatallion \u201eKrim\u201c die Ukraine verteidigte.<\/p>\n<p>Aische Kurtamet sagte in Berlin: \u201eAppaz ist ein ukrainischer Patriot. Vor seiner Verhaftung hatte der FSB versucht, ihn anzuwerben. Sie haben ihm gesagt, es sei doch g\u00fcnstiger f\u00fcr ihn, wenn er f\u00fcr sie arbeite, sonst drohten ihm zehn bis f\u00fcnfzehn Jahre Haft.\u201c Vielen aus seinem Umfeld sei dasselbe widerfahren, man habe sie bei Anwerbeversuchen unter Druck gesetzt und ihnen Folter angedroht. Viele h\u00e4tten dann auch die Seiten gewechselt. \u201eIch bin stolz auf meinen Sohn, dass er widerstanden hat, obwohl er noch so jung ist. Er hat praktisch gesagt, ich w\u00e4hle eher das Gef\u00e4ngnis als die Mitarbeit beim FSB. So hat er seine W\u00fcrde bewahrt und war sehr mutig f\u00fcr sein junges Alter\u201c, erkl\u00e4rte Frau Kurtamet.<\/p>\n<p>Der Status als gewaltlose Gefangene f\u00fcr Appaz und Khalil Kurtamet sei bislang nicht vom Internationalen Roten Kreuz best\u00e4tigt worden, f\u00fcgte sie hinzu. \u201eDas macht es sehr schwer, sie zum Beispiel in einen Gefangenenaustausch zu bringen. Ich bitte darum, dass sich viele beim Internationalen Roten Kreuz daf\u00fcr einsetzen, dass dieser Status anerkannt wird und das Internationale Rote Kreuz so auch mit dem russischen Roten\u00a0Kreuz verhandeln kann\u201c.<\/p>\n<p><strong>Russland will die Demographie der Krim ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>Nach Angaben von Elvis Colpuh leben noch etwa 350.000 Krimtataren auf der Krim. Das sei ein Bev\u00f6lkerungsanteil von etwa zw\u00f6lf Prozent. Seit 2014 seien etwa 50.000 Krimtataren auf das ukrainische Festland geflohen. Russland kolonisiert die Halbinsel seit 2014 stark. \u201eSie haben richtige Anwerbekampagnen in ganz Russland gemacht, sogar bis Kamschatka\u201c, sagte Colpuh. H\u00e4user der Krimtataren w\u00fcrden an Zuwanderer gegeben und h\u00f6here Geh\u00e4lter versprochen. \u201eEs geht wirklich darum, die Demographie zu ver\u00e4ndern\u201c, erkl\u00e4rte Sarah Reinke.<\/p>\n<p>Colpuh wies auf das gro\u00dfe Problem der Staatsangeh\u00f6rigkeit hin. \u201eSeit zw\u00f6lf Jahren ist die Krim okkupiert und unsere jungen Leute haben keine ukrainischen P\u00e4sse\u201c. So k\u00f6nnten sie die Krim nicht verlassen &#8211; au\u00dfer vielleicht nach Zentralasien oder in die T\u00fcrkei &#8211;\u00a0 und w\u00fcrden auch noch in die russische Armee gepresst: \u201eDas ist eine gro\u00dfe Katastrophe.\u201c<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von IGFM-Vorstandsmitglied Michael Leh erschien am 2. Oktober 2025 in der katholischen Wochenzeitung \u201eDie Tagespost<\/em><em>\u201c<\/em><em>. Wir ver<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krim.\u00a0Halbinsel der Angst Russland verfolgt weiter die Krimtataren &#8211; Appaz Kurtamet ist der\u00a0 j\u00fcngste krimtatarische politische Gefangene und in Sibirien inhaftiert VON MICHAEL LEH Die Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker (GfbV) hat in Berlin \u00fcber die anhaltende Verfolgung der Krimtataren auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim informiert. Eine Dokumentation der GfbV tr\u00e4gt die \u00dcberschrift \u201eHalbinsel der Angst\u201c. 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