{"id":40945,"date":"2024-10-03T22:54:41","date_gmt":"2024-10-03T20:54:41","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/?p=40945"},"modified":"2024-10-03T23:07:54","modified_gmt":"2024-10-03T21:07:54","slug":"100-jahre-iwan-agrusow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/100-jahre-iwan-agrusow\/","title":{"rendered":"100 Jahre Iwan Agrusow"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_50015\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-50015\" class=\"img-responsive wp-image-50015\" title=\"Agrusow-1920\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-1920.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"460\" \/><p id=\"caption-attachment-50015\" class=\"wp-caption-text\">Zum 100. Geburtstag des Gr\u00fcnders der IGFM, Iwan Iwanowitsch Agrusow, ver\u00f6ffentlicht die IGFM eine Kurz-Biographie in Erinnerung an den dem\u00fctigen Macher, der sein Leben in den Dienst der Menschenrechte stellte.<\/p><\/div>\n<h3 data-fontsize=\"21.72\" data-lineheight=\"28.2333px\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\" data-fontsize=\"21.72\" data-lineheight=\"28.2333px\">Der dem\u00fctige Macher<\/h3>\n<h1 style=\"text-align: center;\" data-fontsize=\"30.77\" data-lineheight=\"46.15px\">Iwan Iwanowitsch Agrusow<\/h1>\n<p>Iwan Iwanowitsch Agrusow \u2020, der Gr\u00fcnder und langj\u00e4hrige Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte (IGFM), war ein dem\u00fctiger Mensch, der seine Person nie in den Mittelpunkt, sondern immer in den Dienst f\u00fcr die Menschenrechte, stellte. Er war bereit, f\u00fcr die Sache, an die er glaubte, mit seinem Leben einzustehen. Menschen wie ihn, die auch in Extremsituationen stets zu ihrer \u00dcberzeugung standen, gab und gibt es nicht viele. Als 17-J\u00e4hriger wurde er in der N\u00e4he seines Heimatortes Petschory an der estnisch-russischen Grenze von der deutschen Wehrmacht als Zwangsarbeiter im Bau-Bataillon \u201eTod\u201c rekrutiert, das dort f\u00fcr Anpassung der Bahnschienen zust\u00e4ndig war. Sp\u00e4ter wurde er nach dem R\u00fcckzug der Deutschen in der bayrischen Gemeinde Sengenthal (bei Neumarkt) als Zwangsarbeiter in einer Zementfabrik eingesetzt, wo er das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte. Schnell fand er dort Arbeit als Haumeister in einem Schulgeb\u00e4ude, das als Lager f\u00fcr sowjetische verwundete Milit\u00e4rs diente. Bei der pl\u00f6tzlichen Verlagerung dieser Insassen in ein sowjetisches Milit\u00e4rlager nach Prag durch die Amerikaner wurde nicht lange gefackelt, und so geriet Agrusow in die H\u00e4nde der Sowjets.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Amerikaner haben uns ausgeladen, \u201aBye Bye\u2018 gesagt und sind abgefahren. Sie haben \u201aWinke, winke\u2018 gemacht, uns alles Gute gew\u00fcnscht und sind einfach abgefahren, ohne sich dabei etwas zu denken. Das werde ich nie vergessen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In Prag gab es das erste Wiedersehen mit Vertretern der Heimat. Ein Oberst mit blankgeputzten Stiefeln, so erinnerte sich Agrusow, erkl\u00e4rte den nichtmilit\u00e4rischen Neuank\u00f6mmlingen gleich, was sie zu erwarten hatten. N\u00e4mlich keine gem\u00fctliche Wohnung. Vielmehr betrachte man sie als Vaterlandsverr\u00e4ter und als solche hatten sie bestenfalls mit dem Gulag zu rechnen. Dann mussten sich alle ausziehen, die Haare wurden geschoren, und nackt in einer Reihe stehend wurden ihre Daten aufgenommen. Indem Agrusow seinen Koffer mit seinem ganzen Hab und Gut an einen tschechoslowakischen W\u00e4rter vergab, gelang ihm \u00fcber diesen die Flucht aus dem sowjetischen Lager in Prag. Von dort aus schlich er sich bei Dunkelheit durch die W\u00e4lder bis in eines der ersten Fl\u00fcchtlingslager der damaligen United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) f\u00fcr Zwangsarbeiter aus dem Osten in der N\u00e4he von Pilsen. So gelang ihm sozusagen die \u201eR\u00fcckflucht\u201c nach Deutschland, und schon hier entwickelte Agrusow durch eine pr\u00e4gende Begegnung w\u00e4hrend der Zugfahrt die Idee der Gr\u00fcndung eines Menschenrechtsvereins. Es war ein j\u00fcdischer Gulagh\u00e4ftling auf der Reise nach Israel, dessen Erz\u00e4hlungen bei Agrusow zu einer einschneidenden Erkenntnis f\u00fchrten: Immer, wenn es aus dem Ausland Aufmerksamkeit f\u00fcr sein Schicksal gegeben hatte, so der ehemalige H\u00e4ftling, habe dies zu einer Verbesserung seiner Behandlung im Lager gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Effekt sei unmittelbar zu sp\u00fcren gewesen, beispielsweise durch den Erhalt einer vollen Essensration. Das Leid dieses und der unz\u00e4hligen anderen Opfer Stalins im Gulagsystem war Agrusow gut bekannt. Und nur durch die Brille dieses Leids, dieses Schmerzes und des tiefen Mitgef\u00fchls als Antwort darauf, l\u00e4sst sich der Mensch Agrusow und sein lebenslanges Engagement richtig verstehen. Seine geliebte Mutter und seine engste Familie hatte er zeitlebens nie wiedergesehen. Wie sehr er sein Heimatland liebte, zeigte sich im Laufe seines Lebens im Zwangsexil in der Fremde. In den deutschen Ankunftslagern f\u00fcr Zwangsarbeiter aus dem Osten warb die gr\u00f6\u00dfte und lange Zeit bedeutendste russische Exilorganisation NTS um neue Mitglieder und Unterst\u00fctzer im Kampf gegen das Stalinregime. Der junge Agrusow schloss sich ihr an. Nach einer Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker in Arolsen bei Kassel war er lange Zeit in der aufkl\u00e4renden Radio\u00fcbertragung von Nachrichten in den Osten t\u00e4tig. Dies war zu Beginn ein sehr abenteuerliches Unterfangen, und w\u00e4hrend er mit einem kleinen Team in einem Waldst\u00fcck einen Baum hochkletterte, um dort eine Antenne zu positionieren, wurde dieses sich darbietende merkw\u00fcrdige Schauspiel von einer britischen Milit\u00e4reinheit in G\u00f6ttingen gestoppt. Alle wurden als verd\u00e4chtige Sowjetspione verhaftet. Nach einw\u00f6chiger Haft und \u00dcberpr\u00fcfung durch die Briten wurden alle wieder auf freien Fu\u00df gesetzt. Agrusow hatte sich w\u00e4hrenddessen mit einem britischen Polizisten angefreundet und dessen Hund \u00fcbernommen. Doch mit der Zeit hielt Agrusow die Methoden und die Philosophie der NTS f\u00fcr von der Realit\u00e4t \u00fcberholt und beendete seine Mitgliedschaft. Mit der Entstehung der Konferenz f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"img-responsive wp-image-50002 lazyloaded\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" data-src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319.jpg\" data-srcset=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319-200x133.jpg 200w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319-400x266.jpg 400w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319-600x399.jpg 600w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319-800x532.jpg 800w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Agrusow-Iwan-I.-IGFM-1319.jpg 1024w\" data-sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Immer ein herzliches L\u00e4cheln parat, Iwan Agrusow bei der IGFM-Jahrestagung 2006<\/p>\n<p>wandte er sich an bekannte V\u00f6lkerrechtler und Juristen, die zu Menschenrechten im Ost-West-Konflikt arbeiteten und fragte sie, ob sie Interesse an der Gr\u00fcndung eines Menschenrechtsvereins h\u00e4tten. \u201eIch dachte, die besten Menschen hierf\u00fcr seien die Juristen, weil sie die Gesetze kennen und wissen, wie man das formuliert, wenn die Gesetze und Rechte verletzt werden. Aber das hatte sich als Trugschluss herausgestellt. Die Leute konnten zwar entsprechend formulieren, sich aber nicht einsetzen f\u00fcr die Rechte.\u201c\u00a0 So entschloss er sich im Jahr 1972 auf seine private Initiative hin und ohne professionelle Unterst\u00fctzung zur Gr\u00fcndung der damaligen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte6. Die notwendige Anzahl an Unterschriften f\u00fcr eine Vereinsgr\u00fcndung trug er aus seinem Bekanntenkreis zusammen. Damit war der erste Schritt gemacht: die Gr\u00fcndung eines Vereins. Gr\u00f6\u00dfte Bedeutung hatte f\u00fcr Agrusow stets das kleine W\u00f6rtchen \u201ef\u00fcr\u201c im Vereinsnamen. Denn es ging ihm in seiner Arbeit immer um den Einsatz f\u00fcr die Menschenrechte, der \u00fcber den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen hinausgeht. Sich f\u00fcr Menschenrechte einzusetzen, sei ein ganz anderer und ungleich schwierigerer Grundansatz. Denn er mache es erforderlich, etwas Positives zu tun, mehr zu tun, als nur die \u201eB\u00f6sen\u201c zu benennen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Menschenrechte zu arbeiten, bedeute, etwas f\u00fcr die Opfer der B\u00f6sen oder des Boshaften zu tun. Diese Grundorientierung zog sich wie ein roter Faden durch Agrusows Engagement. Reiner Protest und alleinige Kritik stie\u00dfen bei Agrusow auf taube Ohren, daf\u00fcr fehlte ihm die Zeit. Kam Kritik allerdings von jemandem, der gleichzeitig einen realistischen und besseren Alternativplan vorlegen konnte, so besch\u00e4ftigte er sich damit. Im n\u00e4chsten Schritt mussten Mitarbeiter f\u00fcr die neu gegr\u00fcndete Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte gefunden werden, denn alleine war der Aufbau einer professionellen und wirkungskr\u00e4ftigen Menschenrechtsarbeit nicht zu bew\u00e4ltigen. Dabei hatte Agrusow klare Vorstellungen, was potenzielle Mitarbeiter mitbringen mussten: Seiner Erfahrung nach (beispielsweise mit den Juristen), kam es weniger auf Ausbildung und fachliche Qualifikation an. Viel wichtiger war, dass die Menschen bereit waren, ihre Zeit f\u00fcr die Sache der Menschenrechte zur Verf\u00fcgung zu stellen, ohne daf\u00fcr in erster Linie auf die Verg\u00fctung zu schauen. Einstellung und Herzenshaltung waren Agrusow wichtiger als formelle Qualifikation und theoretisches Wissen. In der Zeit der beginnenden friedlichen Koexistenz \u2013 und gerade in einem geteilten Deutschland \u2013 fanden sich aber schnell zahlreiche Menschen, die diesem Profil entsprachen und zur Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte hinzustie\u00dfen. F\u00fcr die Arbeit der IGFM war Agrusow nicht nur der gegenseitige Respekt in der Mitarbeiterschaft wichtig.<\/p>\n<p>Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung war f\u00fcr ihn auch der Respekt vor jedem, der sich an die IGFM wandte. Keine Anfrage durfte unbeantwortet bleiben. Jeder, der sich in irgendeiner Form einmal eingebracht oder den Verein finanziell unterst\u00fctzt hatte, sollte von der Organisation Antwort erhalten. Dazu geh\u00f6rte beispielweise auch, immer die F\u00f6rderer genau zu informieren, was mit ihrer Unterst\u00fctzung geleistet wurde und aufzuzeigen, dass ihre Hilfe wirklich etwas bewirkte. Ein wichtiger Teil des Berufsbilds in der IGFM war nach Agrusow der eines \u201eprofessionellen Bettlers\u201c \u2013 da war der direkte und aufrichtige Kontakt zu Menschen, die zur ideellen und finanziellen Unterst\u00fctzung der Arbeit bereit waren, entscheidend wichtig. Lange und gr\u00fcndliche Schulungen f\u00fcr die gemeinsame Arbeit, gab es f\u00fcr die Mitstreiter der ersten Stunde nicht. Alle befanden sich pl\u00f6tzlich inmitten des Geschehens und wurden ins kalte Wasser geworfen. Nun galt \u201eLearning by doing\u201c, um all das gemeinsam auf die Beine zu stellen, was eine echte B\u00fcrgerrechtsbewegung eben ausmachte: Demonstrationen, Unterschriftensammlungen und \u00f6ffentlichkeitswirksame \u00dcbergaben der Listen, Informationsst\u00e4nde, Hungersstreiks, Festketten an Z\u00e4unen, Erstellung von Berichten, Dokumentationen und sonstigen Publikationen, Organisation von Runden Tischen und anderen Veranstaltungsformaten, Pressekonferenzen, Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen und den zust\u00e4ndigen staatlichen Organisationen, Fundraising, Erstellung und Kategorisierung von F\u00e4llen, Fallbetreuung und humanit\u00e4re und soziale Unterst\u00fctzung f\u00fcr Opfer und Angeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>Und auch im Verein selbst gab es alle H\u00e4nde voll zu tun: Arbeitsgruppen wurden gegr\u00fcndet, betreut und weiterentwickelt, Mitglieder wurden geworben, betreut und untereinander vernetzt, Jahreshauptversammlungen wurden vorbereitet und durchgef\u00fchrt. Agrusow sorgte stets pers\u00f6nlich daf\u00fcr, dass bei all dem kein wildes Durcheinander entstand. Zwar war er der Chef, doch war er es nicht alleine, der alle Projekte entwickelte und nur zur Ausf\u00fchrung \u201enach unten\u201c gab. In der IGFM wurde jeder, der sich in einem der vielen T\u00e4tigkeitsfelder einbringen wollte, herzlich willkommen gehei\u00dfen und warmherzig aufgenommen: Sei es jemand, der Hilfstransporte nach Rum\u00e4nien schickte oder jemand, der eine Ausstellung \u00fcber Kinderrechte ins Leben rief; jemand, der sich mit Buchhaltung auskannte oder jemand, der wissenschaftlich arbeitete und Dokumentationen erstellte; jemand, der Spezialist f\u00fcr Informations- und Kommunikationstechnologie war oder jemand, der sich auf hoher politischer B\u00fchne auskannte und dort f\u00fcr den Austausch von Meinungen sorgte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-fusion400\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Jhv2004_416.jpg\" width=\"744\" height=\"1120\" \/><\/p>\n<p>Iwan Agrusow am Rednerpult w\u00e4hrend der IGFM-Jahrestagung 2004<\/p>\n<p>Wichtig war stets, dass ein Beitrag zur Erreichung der gemeinsamen Zielsetzung geleistet wurde. War dies der Fall, konnten alle, die sich f\u00fcr die Menschenrechte einbrachten, Teil der IGFM-Familie werden. Mit der Zeit wurde ein umfangreiches Fachwissen in der IGFM aufgebaut und der feste Mitarbeiterkern lernte, wie man erfolgversprechende Projekte entwickelte, budgetierte, finanzierte, durchf\u00fchrte und nachhaltig wirksam machte. Alle damals entstandenen Arbeitsfelder gibt es auch heute noch. Und der Geist ist der gleiche geblieben: Auch heute noch ist\u00a0 jeder in der IGFM willkommen, der sich f\u00fcr die Menschenrechte einbringen will und bereit ist, Zeit f\u00fcr Opfer von Menschenrechtsverletzungen aufzuwenden, ohne dabei in erster Linie das eigene Einkommen im Blick zu haben.<\/p>\n<p>Die von Agrusow etablierte Kultur der leidenschaftlichen Arbeit f\u00fcr die gemeinsame Sache hatte \u00fcber seinen Tod hinaus Bestand. Sein Vorbild und seine Prinzipien waren es, die die Internationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte zu dem machten, was sie heute ist. Die besondere Mischung aus Demut und aktiver Zielorientiertheit war eine der interessantesten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale von Iwan Agrusow. Seine Demut war nicht von jener Art, die sich mit dem Schicksal in einem gottgegebenen Universum einfach abfand. Vielmehr hatte er sich sein ganzes Leben lang im positiven Sinne einer gottgegebenen Lebensaufgabe als aktiver und gestaltender Teil des Geschehens in der Welt verstanden. Und je \u00e4lter er wurde, desto mehr orientierte sich Agrusow an der Bibel und wurde im Alter schlie\u00dflich zu einem tiefgl\u00e4ubigen Menschen. Es galt f\u00fcr ihn, sich \u00fcberall dort einzubringen, wo es einem eben m\u00f6glich war. Schon vor Gr\u00fcndung der IGFM war er von Mahatma Gandhi fasziniert gewesen. Die Art, wie Gandhi sich in aller Demut und mit den wenigen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Indiens einsetzte, war f\u00fcr ihn vorbildlich. Ebenso Mutter Theresa, die ihr Leben den Stra\u00dfenkindern in Indien verschrieben hatte, oder Nelson Mandela, der ein Leben lang f\u00fcr die Beendigung des Apartheitsregimes in S\u00fcdafrika k\u00e4mpfte. Sie alle folgten ihrer inneren Bestimmung.<\/p>\n<div class=\"fusion-text fusion-text-7\">\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone \" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JHV_2008_IGFM_1051.jpg\" width=\"501\" height=\"752\" \/><img decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05b-sw-h-600x913.jpg\" width=\"494\" height=\"752\" \/><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"awb-gallery-wrapper awb-gallery-wrapper-1 button-span-no\">\n<div class=\"fusion-gallery fusion-gallery-container fusion-grid-3 fusion-columns-total-3 fusion-gallery-layout-grid fusion-gallery-1 has-aspect-ratio\">\n<div class=\"fusion-grid-column fusion-gallery-column fusion-gallery-column-3 hover-type-none\">\n<div class=\"fusion-gallery-image\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-grid-column fusion-gallery-column fusion-gallery-column-3 hover-type-none\">\n<div class=\"fusion-gallery-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-03-Bundesverdienstkreuz-08.11.1982.jpg\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-grid-column fusion-gallery-column fusion-gallery-column-3 hover-type-none\">\n<div class=\"fusion-gallery-image\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Agrusows Bestimmung war der Einsatz f\u00fcr die Menschenrechte in seinem Heimatland. Er sah sich als Mittler, den Opfern der Stalindiktatur eine Stimme im Westen zu geben. Agrusow strahlte dieses besondere Charisma aus, das jedoch alleine noch keinen erfolgreichen Menschenrechtsaktivisten ausmacht. Weitere Eigenschaften sind erforderlich, die Iwan Agrusow ebenfalls wie kein Zweiter verk\u00f6rperte: Er war zielorientiert, intelligent, ideenreich und kreativ. In allem, was er tat, war er \u00e4u\u00dferst selten Privatperson. Die Arbeit f\u00fcr die Menschenrechte war sein Leben. Einen Arbeitstag, wie ihn unsere Gesellschaft heute kennt, gab es f\u00fcr ihn nie. Er war smart in zweierlei Hinsicht: Nicht nur w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt war er clever in seinem Denken und Handeln. Er verk\u00f6rperte auch die Erfolgsprinzipien des modernen Projektmanagements \u2013 und das lange bevor daf\u00fcr die heutigen Begriffe entwickelt worden waren. Stets hatte er ein klares gro\u00dfes Ziel vor Augen und war kreativ in der Definition von Unterzielen. Alles, was er tat, musste zu jeder Zeit spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert \u2013 eben \u201eSMART\u201c \u2013 sein. F\u00fcr seine Arbeit nutzte er die ganze Bandbreite der Aktions- und Kommunikationsm\u00f6glichkeiten der B\u00fcrgerrechtsbewegung. Immer mit dem Ziel vor Augen, den Stimmen der Opfer im Westen Geh\u00f6r zu verschaffen und den Opfern hinter dem Eisernen Vorhang zu helfen.<\/p>\n<p>Durch seinen Einsatz gegen das Stalinregime und sp\u00e4ter f\u00fcr die Menschenrechte, wurde er \u00fcber viele Jahre hinweg von KGB und Stasi regelrecht gejagt. Kein anderer wie er und die IGFM wurden damals von diesen beiden Geheimdiensten so verfolgt. Ganz gezielt wurden alle m\u00f6glichen zerst\u00f6rerischen Ger\u00fcchte in die Welt gesetzt und politische Intrigen gesponnen. Es gab mehrere Attentatsversuche auf ihn. Von der damaligen Linken wurden diese Schmutzkampagnen ungepr\u00fcft \u00fcbernommen und Agrusow als Faschist, Antisemit, hochbezahlter CIA- oder Secret-Service- Agent verhetzt. Man mag meinen, dass dies f\u00fcr einen sensiblen Mann wie ihn sehr schmerzlich war. Doch Agrusow ertrug es einfach, er war immer zielorientiert und fokussiert. Er hatte stets genug Arbeit, die er nicht liegen lassen konnte und wollte. In seinem Arbeitsplan gab es keinen Raum, um sich fortlaufend gegen den Wust von Verleumdungen und Angriffen zu wehren und sich zu rechtfertigen. R\u00fcckblickend war es \u00fcberlebenswichtig f\u00fcr den Fortbestand der IGFM, dass sich Agrusow nicht beirren lie\u00df. F\u00fcr ihn hatte die saubere, ehrliche und sachliche Arbeit immer Priorit\u00e4t und ging immer weiter. Viele der beschwerlichen und herausfordernden Dinge nahm er letztlich mit einer guten Portion Humor. In seinem kleinen kargen Zimmer im Altersheim in Frankfurt-Hausen, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, machte er gerne den Witz, dass er hier noch immer nach den CIA-Millionen suchte, die man ihm immer wieder angedichtet hatte.<\/p>\n<div class=\"fusion-text fusion-text-8\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\"><\/div>\n<div class=\"fusion-image-element \">\n<div class=\"awb-image-frame awb-image-frame-4 imageframe-liftup awb-bottomshadow\">\n<div id=\"attachment_50009\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-50009\" class=\"img-responsive lazyloaded wp-image-50009\" title=\"IGFM-Agrusow,Iwan-05a-Prof.Woslenskij,Michail(politiloge)\" src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge.jpg\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 570px\" srcset=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge-200x137.jpg 200w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge-400x274.jpg 400w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge.jpg 570w\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"390\" data-src=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge.jpg\" data-srcset=\"https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge-200x137.jpg 200w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge-400x274.jpg 400w, https:\/\/www.igfm.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IGFM-AgrusowIwan-05a-Prof.WoslenskijMichailpolitiloge.jpg 570w\" data-sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 570px\" \/><p id=\"caption-attachment-50009\" class=\"wp-caption-text\">Iwan Agrusow gemeinsam mit dem Politologen Prof. Michail Woslenskij<\/p><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Viele Menschen haben versucht, sehr viel in die Person Iwan Agrusow und seine Arbeit hineinzuinterpretieren. Das hatte ihn selbst immer sehr verwundert. Denn er war nie der philosophische Vordenker, der gro\u00dfe Antikommunist oder der politische Stratege, den Andere meinten, in ihm zu sehen. Er war ein Humanist und ein \u201eMacher\u201c, ein Mann der Tat. Seine Welt war die Welt der praktischen Aktionen, bei denen er sich mit Gleichgesinnten an Z\u00e4une kettete oder f\u00fcr russische Dissidenten in den Hungerstreik trat. Hochm\u00fctige Menschen, die sich damit r\u00fchmen, dass sie sich f\u00fcr die Menschenrechte einsetzen, waren f\u00fcr ihn immer ein Widerspruch. So etwas konnte er nicht ausstehen.<\/p>\n<p>Die W\u00fcrde des Menschen und ein respektvoller Umgang miteinander, selbst mit Straft\u00e4tern, waren f\u00fcr ihn von gro\u00dfer Bedeutung. Er war stets um eine sachliche und ehrliche Darstellung von Menschenrechtsverletzungen ohne emotionale Ausbr\u00fcche gegen die Straft\u00e4ter, f\u00fcr deren gerechte Strafe Gerichte zust\u00e4ndig seien, bem\u00fcht. F\u00fcr die damalige gro\u00dfe linke Jugendbewegung hatte Agrusow nur zum Teil Verst\u00e4ndnis. Er sprach ihren Anh\u00e4ngern nicht ab, dass sie im Grunde etwas Gutes wollten und die Welt mit guten Absichten ver\u00e4ndern wollten. Dass Jugendliche mit einem guten Herz das sogar tun sollten, h\u00e4tte er unterschrieben. Dennoch konnte er nicht verstehen, warum bei diesem Engagement so viel Hetze betrieben und mit so viel Schmutz und Unsachlichkeit gearbeitet wurde. Und das, wo doch die Fakten klar auf der Hand lagen. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass seine Haltung an dieser Stelle stark von dem eigenen Erleben von Verleumdung und Angriffen auf seine Person gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p>Wenn sich Erfolge f\u00fcr die Menschenrechte einstellten, waren das nat\u00fcrlich freudige Momente im Leben von Iwan Agrusow. Aber auch Begegnungen mit Dissidenten aus der Heimat waren f\u00fcr ihn Momente des Gl\u00fccks. Und besonders befl\u00fcgelnd war es, als sich mit Perestroika und Glasnost endlich hoffnungsvolle Perspektiven in der alten Heimat auftaten. 1991, als Agrusow 67 Jahre alt war, erschien auf der ersten Seite einer gro\u00dfen russischen Zeitung unter der \u00dcberschrift \u201eWillkommen, die Herren Antikommunisten\u201c eine lange Liste von \u201eKGB-Feinden erster Kategorie\u201c in alphabetischer Order, verbunden mit der expliziten Einladung, nach Russland zu reisen und dort herzlich willkommen zu sein. Ganz oben stand sein Name. Da hat er geweint. Er z\u00f6gerte nicht lange und hatte die Gelegenheit umgehend wahrgenommen, nach nunmehr 50 Jahren des Zwangsexils wieder heimatlichen Boden zu betreten. Auch diesen Moment wird er nie vergessen, so Agrusow in seinen Erinnerungen. Gemeinsam mit seiner Frau Franziska unternahm er zwei Reisen entlang der Wolga und besuchte noch einige Male seinen Heimatort Petschory an der estnischen Grenze. Hier konnte er sogar den Sohn seines \u00e4lteren Bruders Ilja noch kennenlernen. Mit leuchtenden Augen berichtete er von diesen besonderen Erlebnissen.<\/p>\n<p>Obwohl er zeitlebens Russland innig verbunden war, konnte er sich der Anerkennung der Fakten \u2013 zusammengetragen von der ebenfalls unvergesslichen IGFM-Mitarbeiterin Wanda Wahnsiedler \u2013 \u00fcber die ersten neuen russischen V\u00f6lkerrechts- und Kriegsverbrechen nach 1991, nicht verwehren. Und so wurde die IGFM mit Wanda Wahnsiedler zum gro\u00dfen und international beachteten Berichterstatter der Menschenrechtsverletzungen in den beiden Tschetschenienkriegen. Trotz aller schrecklicher Geschehnisse hielt Agrusow die grunds\u00e4tzlich positive Entwicklung in seinem Heimatland noch lange Zeit f\u00fcr unumkehrbar. Eine demokratische Zukunft sei allerdings nur auf Basis einer breit angelegten und gr\u00fcndlich durchgef\u00fchrten Aufkl\u00e4rung und Bew\u00e4ltigung der stalinistischen Vergangenheit m\u00f6glich. Den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, fast genau zehn Jahre nach seinem Tod, h\u00e4tte er vor diesem Hintergrund emotional nicht verkraftet. Pers\u00f6nlich erlebte er noch die Gr\u00fcndungen der russischen und der ukrainischen Sektionen der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte. Er nahm an deren Gr\u00fcndungsversammlungen teil, war Zeuge von weiteren Sektions- und Arbeitsgruppengr\u00fcndungen in allen L\u00e4ndern der ehemaligen Sowjetunion und war au\u00dferordentlich gl\u00fccklich dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Die IGFM-Familie im Osten in den internationalen Verbund zur F\u00f6rderung der Menschenrechte einladen zu k\u00f6nnen, war eine gro\u00dfe, sp\u00e4te Freude f\u00fcr ihn. Dennoch h\u00e4tte er im Traum nie daran gedacht, sich zur Ruhe zu setzen. Die Arbeit ging ihm nie aus. Selbst als er in hohem Alter nicht mehr ins B\u00fcro kommen konnte, entwickelte er gemeinsam mit der russisch-orthodoxen Kirche in Frankfurt noch Projekte, um Tuberkulosekranken in russischen Haftanstalten zu helfen. Trotz all seiner Gesch\u00e4ftigkeit hatte Agrusow zeitlebens seine Frau Franziska und seine Familie sehr geliebt. Der relativ fr\u00fche Tod seiner Frau war ein schwerer Schlag f\u00fcr ihn, von dem er sich nie wirklich erholte. Am Ende seines Lebens bereute er nur eines: Seiner Familie nicht die Zeit gegeben zu haben, die sie verdiente. Ihm tat es sehr weh, dass er deshalb zu seinen beiden S\u00f6hnen und deren Familien im sp\u00e4teren Leben kein intaktes Verh\u00e4ltnis mehr hatte. Seine Erkenntnis im Alter: Die Familie d\u00fcrfe man nicht vernachl\u00e4ssigen. Sie sei das Wichtigste, das im Leben bliebe.<\/p>\n<div class=\"fusion-text fusion-text-10\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-image-element \">\n<div class=\"awb-image-frame awb-image-frame-5 imageframe-liftup awb-bottomshadow\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-bottomshadow imageframe-5\"><img decoding=\"async\" class=\"img-responsive wp-image-50004 lazyloaded\" title=\"Agrusow, Iwan I. 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Er sah sich als Mittler, den Opfern der Stalindiktatur eine Stimme im Westen zu geben.<\/p>\n<p>Iwan Agrusow war nicht der Mensch, der sich aktiv auf die Suche nach Freiwilligen und Mitarbeitern gemacht h\u00e4tte, um diese f\u00fcr die Menschenrechtsarbeit anzuwerben. Daf\u00fcr hatte er keine Zeit und das sah er auch nicht als seine Aufgabe. Er musste es auch nicht, denn es gab immer Menschen, die etwas f\u00fcr die Menschenrechte tun wollten, die auf eigene Initiative zu ihm kamen. Es war sein Charisma, das die Menschen anzog und faszinierte. Er vermittelte stets eine wohltuende Sicherheit, dass das, was man tun wollte, um zu helfen, richtig war.<\/p>\n<p>Wo n\u00f6tig, gab er Hilfestellung und praktische Anweisungen. Er tat all das, was man heutzutage als gutes Projektmanagement bezeichnen w\u00fcrde. Dabei achtete er immer auch aufs Detail, sei es bei der richtigen Wortwahl in Schreiben an die deutschen Spender (und das obwohl Deutsch nicht seine Muttersprache war), sei es bei der Zusammenstellung von Dokumentationen f\u00fcr die KSZE oder die UN. Er liebte, lebte und atmete das Engagement f\u00fcr die Menschenrechte in all seinen vielf\u00e4ltigen Formen. So musste zwar eine gewisse Eigenmotivation und Eigeninitiative vorausgehen, um Iwan Agrusow kennenzulernen. Aber war man einmal in seiner N\u00e4he, so beeindruckte er die Menschen, inspirierte und pr\u00e4gte sie ma\u00dfgeblich zum Positiven.<\/p>\n<p><em>Text: Carmen Krusch-Gr\u00fcn und Matthias B\u00f6hning<\/em><\/p>\n<p>In dankbarer Erinnerung.<\/p>\n<p>Der Vorstand der IGFM<\/p>\n<p>Frankfurt am Main, 2. Oktober 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der dem\u00fctige Macher Iwan Iwanowitsch Agrusow Iwan Iwanowitsch Agrusow \u2020, der Gr\u00fcnder und langj\u00e4hrige Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte (IGFM), war ein dem\u00fctiger Mensch, der seine Person nie in den Mittelpunkt, sondern immer in den Dienst f\u00fcr die Menschenrechte, stellte. Er war bereit, f\u00fcr die Sache, an die er glaubte, mit seinem Leben einzustehen. Menschen wie ihn, die auch in Extremsituationen stets zu ihrer \u00dcberzeugung standen, gab und gibt es nicht viele. Als 17-J\u00e4hriger wurde er in der N\u00e4he seines Heimatortes <a href=\"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/100-jahre-iwan-agrusow\/\"> [&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":113,"featured_media":40946,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"100 Jahre Iwan Agrusow - Menschenrechte Osteuropa - News &amp; Konflikte","description":"Zum 100. 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