{"id":33660,"date":"2022-04-03T12:19:55","date_gmt":"2022-04-03T10:19:55","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/integracija-ukrainskih-bezhencev-v-frg\/"},"modified":"2022-04-03T12:46:27","modified_gmt":"2022-04-03T10:46:27","slug":"ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefluechteten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefluechteten\/","title":{"rendered":"Ukraine: Schafft Deutschland die Integration von Gefl\u00fcchteten?"},"content":{"rendered":"<h1>Ukraine: Schafft Deutschland die Integration von Gefl\u00fcchteten?<\/h1>\n<div id=\"attachment_33656\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-33656\" class=\"wp-image-33656 size-full\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen-31x17.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen-200x113.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen-355x200.jpg 355w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen-400x225.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen-600x338.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bremen.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><p id=\"caption-attachment-33656\" class=\"wp-caption-text\">\u0411\u0440\u0435\u043c\u0435\u043d\u0446\u044b \u043f\u0440\u043e\u0442\u0435\u0441\u0442\u0443\u044e\u0442 \u043f\u0440\u043e\u0442\u0438\u0432 \u0432\u043e\u0439\u043d\u044b \u0432 \u0423\u043a\u0440\u0430\u0438\u043d\u0435<\/p><\/div>\n<p>Deutschland erlebt derzeit die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingsbewegung seit 2015. Experten warnen: Vor allem bei Bildung und Arbeitsmarktintegration k\u00f6nnte es Probleme geben.<\/p>\n<div class=\"col3\">\n<div class=\"picBox full\"><\/div>\n<div class=\"group\">\n<div class=\"longText\">\n<p>Ihor Bielozorov will arbeiten. Der ukrainische Zahnarzt war im Urlaub, als er vom Krieg in seiner Heimat \u00fcberrascht wurde. Um nicht ewig bei seinen Bekannten in der N\u00e4he von Osnabr\u00fcck im Nordwesten Deutschlands zu Gast zu sein, sucht er schnell ein eigenes Einkommen. Doch so einfach ist das nicht.<\/p>\n<p>Am Mittwoch besprach sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, wie Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine in den deutschen Arbeitsmarkt finden k\u00f6nnen. Die Zeichen daf\u00fcr stehen eigentlich gut, denn das Bildungsniveau in der Ukraine gilt als hoch im internationalen Vergleich.<\/p>\n<div class=\"picBox full rechts \">\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Infografik Fl\u00fcchtlingsbewegungen Ukraine (Stand: 29.03.22) DE\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61204085_7.png\" alt=\"Infografik Fl\u00fcchtlingsbewegungen Ukraine (Stand: 29.03.22) DE\" width=\"-1\" height=\"-1\" \/>Vor allem \u00fcber Polen sind viele Fl\u00fcchtlinge weiter nach Deutschland gezogen<\/p>\n<\/div>\n<p>Etwa 280.000 Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine wurden seit Kriegsbeginn in Deutschland registriert. <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/asyl-welche-regeln-und-leistungen-gelten-f\u00fcr-ukraine-fl\u00fcchtlinge\/a-60961795\">Entsprechend einer neuen EU-Richtlinie<\/a>\u00a0d\u00fcrfen sie sofort in Deutschland arbeiten.<\/p>\n<h2>Integration scheitert an Anerkennung von Abschl\u00fcssen<\/h2>\n<p>Es ist vor allem das deutsche Anerkennungsverfahren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Berufsabschl\u00fcsse, das Ihor Bielozorov bisher von einer Arbeit in seinem erlernten Beruf\u00a0abh\u00e4lt. Ein bis zwei Jahre, berichten ihm Bekannte, wird es dauern, bis er in Deutschland offiziell als Zahnarzt arbeiten kann. Bis dahin muss er neben einer Sprach- auch eine Fachpr\u00fcfung ablegen -\u00ad\u2013 obwohl Bielozorov in der Ukraine bereits zwei Jahre als Zahnarzt gearbeitet hat.<\/p>\n<p>&#8222;Die Anerkennungsverfahren sind teuer, langwierig und komplex&#8220;, sagt Martina M\u00fcller-Wacker im DW-Gespr\u00e4ch. Die Expertin f\u00fcr Berufsintegration fordert daher, dass der Bund die Verfahren kostenlos anbietet und mit einem Stipendium die h\u00e4ufig n\u00f6tigen Weiterbildungsma\u00dfnahmen f\u00f6rdert. Denn oft versuchen\u00a0Migrantinnen und Migranten wegen der hohen H\u00fcrden erst gar nicht, die Anerkennung zu bekommen, und bleiben in schlechter bezahlten Jobs.<\/p>\n<div class=\"picBox full rechts \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefl%C3%BCchteten\/a-61308731#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Deutschland | Ankunft ukrainischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/60987433_401.jpg\" alt=\"Deutschland | Ankunft ukrainischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Helfer nehmen Fl\u00fcchtende aus der Ukraine in Berlin in Empfang<\/p>\n<\/div>\n<p>Zum Verh\u00e4ngnis wird vor allem die Komplexit\u00e4t der Verfahren. Laut M\u00fcller-Wacker sind etwa 1500 unterschiedliche Stellen in Deutschland f\u00fcr Berufsanerkennung zust\u00e4ndig, Bundes- und Landesrecht unterscheidet sich mitunter, und <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gefl\u00fcchtete-b\u00fcrokratie-am-rande-des-machbaren\/a-61237728\">Beh\u00f6rden sind \u00fcberfordert<\/a>. Es gibt Berufe, f\u00fcr die eine Anerkennung notwendig ist, und welche, die keine offizielle Zulassung\u00a0brauchen. Das Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung empfiehlt Betroffenen <a class=\"icon external\" href=\"https:\/\/www.anerkennung-in-deutschland.de\/html\/de\/index.php#\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">eine Brosch\u00fcre, die auch in ukrainischer Sprache<\/a> vorliegt.<\/p>\n<p>Wer im Ausland einen Beruf erlernt hat, muss zur Anerkennung oft ordnerweise Unterlagen einreichen:\u00a0Zeugnisse, Studienlisten und Gutachten. M\u00fcller-Wacker schl\u00e4gt daher vor, auf Bundesebene zu deckeln, welche Unterlagen gefordert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Gespr\u00e4ch von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil\u00a0mit Spitzenvertretern von Arbeitgeber, Wirtschafts- und Sozialverb\u00e4nden sowie Gewerkschaften\u00a0nannte der SPD-Politiker die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Abschl\u00fcsse eine &#8222;Herkulesaufgabe&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"picBox full rechts \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefl%C3%BCchteten\/a-61308731#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\" Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Soziales I Hubertus Heil\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61253838_401.jpg\" alt=\" Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Soziales I Hubertus Heil\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Arbeitsminister Hubertus Heil setzt sich f\u00fcr die Anerkennung von Berufsabschl\u00fcssen ein<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Vereinfachung des Arbeitsmarktzugangs f\u00fcr Ausl\u00e4nder ist im <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/spd-gr\u00fcne-und-fdp-unterzeichnen-koalitionsvertrag\/a-60038833\">Ampel-Koalitionsvertrag<\/a> vorgesehen. Nach dem Termin am Mittwoch verwies Heil auf weitere Treffen,\u00a0gab aber keine konkreten Entscheidungen\u00a0bekannt.<\/p>\n<p>In den vergangenen zwei Jahren hat das bundesweite Programm &#8222;Integration durch Qualifizierung&#8220; (IQ)\u00a0fast 5000 Ukrainer bei Anerkennungsverfahren beraten; am h\u00e4ufigsten Lehrerinnen. F\u00fcr sie sind die H\u00fcrden jedoch besonders hoch. Denn Bayern l\u00e4sst Lehrerinnen aus Nicht-EU-Staaten gar nicht zu, in den meisten Bundesl\u00e4ndern m\u00fcssen die P\u00e4dagogen ein Referendariat nachholen und h\u00e4ufig nebenbei ein zweites Fach studieren. Aber Expertin M\u00fcller-Wacker hat einen Rat: &#8222;In Hamburg k\u00f6nnen Lehrerinnen auch nur mit einem vertieften Fach in den Schuldienst.&#8220;<\/p>\n<h2>Schulen und Kitas schon jetzt am Limit<\/h2>\n<p>\u00dcberhaupt, der Bildungsbereich. Gut die <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/unterricht-f\u00fcr-ukrainische-fl\u00fcchtlingskinder\/a-61137177\">H\u00e4lfte der Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine<\/a> sind Kinder. Aber: &#8222;Fast in allen Bundesl\u00e4ndern fehlen Lehrerinnen und Geb\u00e4ude&#8220;, sagt Juliane Karakayali von der Evangelischen Hochschule Berlin.<\/p>\n<p>Karakayali ist skeptisch, ob die Integration in den\u00a0Schulen gelingen wird. Schulen und Kitas seien schlecht vorbereitet.<\/p>\n<div class=\"col3 right\">\n<div class=\"standaloneWrap\">\n<div class=\"imgTeaserL video\" data-media-id=\"61266125\">\n<div class=\"mediaItem\" data-media-id=\"61266125\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"col3 right\">\n<div class=\"standaloneWrap\">\n<div class=\"imgTeaserL video\" data-media-id=\"61266125\">\n<div class=\"mediaItem\" data-media-id=\"61266125\">\n<div class=\"teaserContentWrap information\">\n<h2>Psychologische Hilfe f\u00fcr Ukraine-Fl\u00fcchtlinge<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wichtig ist der Professorin f\u00fcr Soziologie, gefl\u00fcchtete Kinder nicht separiert zu unterrichten. Denn so fehle den Kindern der Anschluss, um Deutsch zu lernen. Die Gefahr sei, dass Kinder es dann langfristig schwerer am Arbeitsmarkt haben.<\/p>\n<p>Der rechtliche Anspruch auf Schulbesuch ist in den Bundesl\u00e4ndern unterschiedlich geregelt. Laut Karakayali haben Kinder in Berlin bereits ab dem Tag ihrer Ankunft das Recht auf einen Schulplatz; in Nordrhein-Westfalen und Bayern h\u00e4nge das vom Aufenthaltsstatus ab und k\u00f6nne auch bis zu sechs Monate dauern. Entscheidend f\u00fcr die Zukunft Gefl\u00fcchteter aus der Ukraine ist also, wo genau in Deutschland sie landen.<\/p>\n<h2>Hingehen, wo es Jobs gibt<\/h2>\n<p>Ihor Bielozorov will mit seiner Freundin Oksana dahin in Deutschland ziehen, wo er leicht Arbeit findet. Die Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine, die keine Ersparnisse und keine Kontakte haben, k\u00f6nnen sich ihren Wohnort jedoch nicht aussuchen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainische-fl\u00fcchtlinge-sollen-auf-bundesl\u00e4nder-verteilt-werden\/a-61097179\">Ihre Verteilung<\/a>\u00a0erfolgt deutschlandweit durch den sogenannten K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel. Demnach m\u00fcssen die bev\u00f6lkerungsreichen Bundesl\u00e4nder die meisten Menschen aufnehmen.<\/p>\n<div class=\"picBox full rechts \">\n<p><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefl%C3%BCchteten\/a-61308731#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Deutschland I Ukraine-Konflikt - Fl\u00fcchtlinge I Schule\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61270944_401.jpg\" alt=\"Deutschland I Ukraine-Konflikt - Fl\u00fcchtlinge I Schule\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>In K\u00f6ln nehmen Sch\u00fcler aus der Ukraine schon am Unterricht teil<\/p>\n<\/div>\n<p>Die L\u00e4nder wiederum verteilen intern in der Regel in solche\u00a0Kommunen, die Platz haben. Herbert Br\u00fccker vom Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) warnt daher, dass Gefl\u00fcchtete h\u00e4ufig in strukturschwache Regionen gebracht werden. Dort stehen zwar oft Wohnungen leer, aber es gibt keine Jobs. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat laut IAB gezeigt, dass Gefl\u00fcchtete, die ihren Wohnort selbst w\u00e4hlen konnten, eher Arbeit finden.<\/p>\n<h2>Die Privaten sind\u00a0flexibler<\/h2>\n<p>Unterdessen schie\u00dfen private Initiativen aus dem Boden, um Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine in Arbeit zu bringen. Internet-Portale wie <a class=\"icon external\" href=\"https:\/\/www.uatalents.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">UATalents<\/a>\u00a0oder <a class=\"icon external\" href=\"https:\/\/imagine-ukraine.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Imagine Ukraine<\/a>\u00a0sind Jobb\u00f6rsen f\u00fcr alle Berufszweige; die Deutsche Bahn schaltet eine Telefon-Hotline in russischer und ukrainischer Sprache zur Jobvermittlung.<\/p>\n<p>Bei allem Aufwand um die Integration bleibt offen, ob die Menschen aus der Ukraine hierbleiben werden, ob sich also die langwierige Anerkennung von Abschl\u00fcssen und die M\u00fchen lohnen. F\u00fcr Ihor Bielozorov jedoch stellt sich die Frage nicht:\u00a0&#8222;Wir werden bleiben. Unsere Wohnung wurde zerst\u00f6rt, da m\u00fcssen wir sowieso von Null anfangen&#8220;, sagt der Zahnarzt aus Kiew.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Source: <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-schafft-deutschland-die-integration-von-gefl%C3%BCchteten\/a-61308731\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">dw.com<\/a><\/p>\n<div class=\"articleWidget\">\n<div id=\"promio-pym-container\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine: Schafft Deutschland die Integration von Gefl\u00fcchteten? Deutschland erlebt derzeit die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingsbewegung seit 2015. Experten warnen: Vor allem bei Bildung und Arbeitsmarktintegration k\u00f6nnte es Probleme geben. Ihor Bielozorov will arbeiten. Der ukrainische Zahnarzt war im Urlaub, als er vom Krieg in seiner Heimat \u00fcberrascht wurde. Um nicht ewig bei seinen Bekannten in der N\u00e4he von Osnabr\u00fcck im Nordwesten Deutschlands zu Gast zu sein, sucht er schnell ein eigenes Einkommen. 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