{"id":33379,"date":"2022-03-21T15:24:32","date_gmt":"2022-03-21T14:24:32","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/ukrainskie-bezhency-v-polshe\/"},"modified":"2022-03-21T15:39:55","modified_gmt":"2022-03-21T14:39:55","slug":"ukrainer-werden-in-polen-mit-offenen-armen-empfangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/ukrainer-werden-in-polen-mit-offenen-armen-empfangen\/","title":{"rendered":"Ukrainer werden in Polen mit offenen Armen empfangen"},"content":{"rendered":"<h1>Ukrainer werden in Polen mit offenen Armen empfangen<\/h1>\n<div id=\"attachment_33376\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-33376\" class=\"wp-image-33376 size-full\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug-31x17.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug-200x113.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug-355x200.jpg 355w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug-400x225.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug-600x338.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/poland_refug.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><p id=\"caption-attachment-33376\" class=\"wp-caption-text\">Ukrainische Fl\u00fcchtlinge am Nationalstadion in Warschau<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/unterwegs-mit-verzweifelten-ukrainer-auf-der-flucht-vor-putins-truppen\/a-61171523\">ukrainischen Fl\u00fcchtlinge<\/a>\u00a0in Polen ist dieser Tage &#8222;PESEL&#8220; das magische Wort. Es ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr die polnische Sozialversicherungsnummer. Polens Regierung hat allen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/krieg-in-der-ukraine\/t-60978725\">Kriegsfl\u00fcchtlingen<\/a>\u00a0aus dem Nachbarland <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine\/t-17292877\">Ukraine<\/a>\u00a0den Aufenthalt bis zu 180 Tagen und den Zugang zu\u00a0Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem und Sozialleistungen versprochen. Das alles macht PESEL m\u00f6glich. Die gr\u00f6\u00dfte Registrierungsstelle, an der die Geflohenen eine PESEL-Nummer beantragen k\u00f6nnen, befindet sich seit diesem Samstag (19.03.) am Nationalstadion in Warschau.<\/p>\n<div class=\"picBox medium\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Russland Ukraine Krieg | Fl\u00fcchtlinge in Polen\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61173161_404.jpg\" alt=\"Russland Ukraine Krieg | Fl\u00fcchtlinge in Polen\" width=\"340\" height=\"191\" \/> <\/a>Ukrainerin in Polen: Millionen Menschen mussten fliehen<\/p>\n<\/div>\n<p>Schon am Vorabend bildeten sich dort lange Schlangen. Am Tor zum Stadion wurden Thermoskannen mit hei\u00dfem Tee bereitgestellt. &#8222;Ich werde hier solange warten, wie es n\u00f6tig sein wird. Ich brauche die Arbeitserlaubnis, ich muss Arbeit finden, und zwar so schnell wie m\u00f6glich&#8220;, sagt die 24-j\u00e4hrige Viktoria der DW.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gegen 9 Uhr darf die IT-Spezialistin aus Kiew rein ins Stadion. In der Nacht hat sie sich in der Schlange mit ihrer Freundinnen abgewechselt und zwischendurch im Auto auf dem riesigen Parkplatz vor dem Stadion geschlafen. Die PESEL-Nummer soll sie innerhalb einiger Tage bekommen. Wer nach 7 Uhr zum Stadion kam, hatte keine Chance mehr, am selben Tag bedient zu werden. Die Volont\u00e4re hatten lila Armb\u00e4nder vorbereitet und verteilen sie an diejenigen, die am n\u00e4chsten Tag garantiert an die Reihe kommen sollen.<\/p>\n<h2>Herausforderung f\u00fcr Polens Verwaltung<\/h2>\n<p>In <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/polen\/t-17565924\">Polen<\/a>\u00a0halten sich derzeit \u00fcber zwei Millionen ukrainische <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/fl\u00fcchtling\/t-18522947\">Fl\u00fcchtlinge<\/a>\u00a0auf. Am Mittwoch und Donnerstag, den ersten Tagen der Registrierungsaktion, wurden 123.000 von ihnen registriert. Zus\u00e4tzliche\u00a0Registrierungspunkte &#8211; wie der am Nationalstadion &#8211; und Registrierungsbusse, die in die Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte fahren werden, sollen die Aktion beschleunigen. Die Stadt- und Gemeinde\u00e4mter, die normalerweise die Sozialversicherungsnummern vergeben, sind \u00fcberfordert.<\/p>\n<div class=\"picBox full\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" title=\"Alexandra Stefaniv\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61188149_401.jpg\" alt=\"Alexandra Stefaniv\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Gefl\u00fcchtete wie Alexandra Stefaniv stehen vor gro\u00dfen Herausforderungen<\/p>\n<\/div>\n<p>In der\u00a0polnischen Stadt Przemysl in der N\u00e4he zur ukrainischen Grenze arbeitet das Stadtamt auf Hochtouren, doch bei nur vier Fingerabdruckger\u00e4ten und insgesamt sieben Beamten gibt es auch hier lange Wartezeiten. Oxana Kolesnyk hat\u00a0als Bankangestellte gearbeitet. &#8222;Ich kann kein Polnisch und es wird wohl nicht m\u00f6glich sein, bei einer Bank zu arbeiten &#8211; damit rechne ich. Aber ich muss schnell irgendeine Arbeit finden, um den Unterhalt f\u00fcr mich und meinen Sohn zu garantieren&#8220;, sagt sie. Auf die Flucht hat sie ihren Pass mitgenommen, was die Formalit\u00e4ten erleichtert. Bei den Personen, die ohne ihre Identit\u00e4tsdokumente vor dem Krieg flohen, dauern die Prozeduren l\u00e4nger. Auch sie werden in Polen aufgenommen, obwohl ihre Identit\u00e4t nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcft werden kann.<\/p>\n<h2>Unsicherheit im neuen Land<\/h2>\n<div class=\"picBox medium\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Polen I Ukrainische Fl\u00fcchtlinge - hier in Krakau\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61185968_404.jpg\" alt=\"Polen I Ukrainische Fl\u00fcchtlinge - hier in Krakau\" width=\"340\" height=\"191\" \/> <\/a>Ukrainer hoffen in Polen auf Hilfe &#8211; hier in Krakau<\/p>\n<\/div>\n<p>Das vom Parlament k\u00fcrzlich beschlossene\u00a0Sondergesetz sichert Gefl\u00fcchteten den Zugang zum Arbeitsmarkt, zum Gesundheitswesen und zu Sozialleistungen, darunter zum monatlichen Kindergeld in der H\u00f6he von 110 Euro pro Kind. Die Ank\u00f6mmlinge bekommen umgerechnet 70 Euro Begr\u00fc\u00dfungsgeld, danach m\u00fcssen sie sich den Lebensunterhalt selbst organisieren. Das Sondergesetz garantiert zudem polnischen B\u00fcrgern, die die Ukrainer aufnehmen, umgerechnet 9 Euro pro Tag f\u00fcr Unkosten.<\/p>\n<p>Im Wartesaal sitzt Alexandra Stefaniv aus Lwiw, ihr polnischer Verwandter Leon Bortnik hilft ihr bei der Ausf\u00fcllung des Antrags. Der Logistik-Unternehmer aus Przemysl gibt seinen ukrainischen Verwandten Obhut in einer k\u00fcrzlich geerbten Wohnung, die bisher noch leer stand. &#8222;Pl\u00f6tzlich bekam ich einen Anruf von der Schwester meiner Mutter aus der Ukraine. Sie fragte mich, ob ich sie und ihre n\u00e4chste Familie aufnehmen werde. Darauf gibt es nur eine richtige Antwort&#8220;, sagt Bortnik der DW.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" title=\"Leon Bortnik, Logistikunternehmer aus Przemysl \" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61188131_401.jpg\" alt=\"Leon Bortnik, Logistikunternehmer aus Przemysl \" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Polen: Leon Bortnik hilft seinen ukrainischen Verwandten<\/p>\n<\/div>\n<p>Er will Alexandra bei der Arbeitssuche helfen, er kenne viele Menschen in der Region. F\u00fcr die 46-j\u00e4hrige ist ihre eigene Zukunft ein Fragezeichen. &#8222;Ich bin verwirrt, ich habe keine Ahnung, was ich in Polen machen soll. Soll ich Arbeit suchen? Aber ich hoffe doch, dass der Krieg bald vorbei sein wird und dass ich nach Hause zur\u00fcckkehren kann&#8220;, sagt sie. Ihr Mann sei in Lwiw geblieben und sie selbst habe doch nie geplant, aus der Ukraine auszuwandern.<\/p>\n<h2>Die gro\u00dfe Migrationswelle &#8211; ein neues Ph\u00e4nomen<\/h2>\n<p>Seit dem Kriegsbeginn sind 3,3 Millionen Ukrainer ausgewandert, viele davon nach Polen. Schon zuvor gab es im Land mit 38 Millionen Einwohnern \u00fcber eine Million\u00a0ukrainische Migranten, die seit der Krim-Annexion 2014 ihr Land verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>2021 gaben in einer Umfrage des Zentrums f\u00fcr Vorurteilsforschung der Universit\u00e4t Warschau 90 Prozent der Befragten an, dass sie die Ukrainer als Kollegen und Nachbarn akzeptieren. In den letzten Jahrzehnten waren Migranten in Polen ein kleiner Bruchteil der Gesellschaft. Au\u00dfer den ukrainischen Auswanderern seit 2014 gibt es keine Migrantengruppe von vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><img decoding=\"async\" title=\"Infografik Wohin die Menschen aus der Ukraine fliehen (Stand 18.03.2022 v2) DE\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61187408_7.png\" alt=\"Infografik Wohin die Menschen aus der Ukraine fliehen (Stand 18.03.2022 v2) DE\" width=\"-1\" height=\"-1\" \/>Die Fluchtbewegung aus der Ukraine (Stand 18.03.2022)<\/p>\n<\/div>\n<p>Im Vergleich zu anderen EU-L\u00e4ndern hat sich Polen gegen Migranten abgeschottet. Die jetzige Fl\u00fcchtlingswelle ist ein ganz neues Ph\u00e4nomen. Nach \u00fcber drei Wochen voller Hilfsbereitschaft, in denen die ukrainischen Kriegsfl\u00fcchtlinge mit offenen Armen aufgenommen wurden, taucht in den Medien immer h\u00e4ufiger die Frage auf, wie das ohnehin schon \u00fcberlastete Sozial- und Gesundheitssystem noch weitere Millionen Menschen bedienen kann. In manchen Elternr\u00e4ten w\u00e4chst Unmut \u00fcber die Perspektive der \u00fcberf\u00fcllten Schulklassen.<\/p>\n<h2>Polnische\u00a0Gesellschaft ist gefordert<\/h2>\n<p>Dr. Agnieszka Lada-Konefal, Vizedirektorin des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt, spricht von einer enormen Herausforderung f\u00fcr die Verwaltung und die Gesellschaft, die das Land sicherlich ver\u00e4ndern werde. &#8222;Die Polen werden lernen m\u00fcssen, mit Menschen zusammenzuleben, die etwas anders sind.<\/p>\n<div class=\"picBox medium\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Polen Fl\u00fcchtlingskinder in einer Schule in Rzeszow\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/61185447_404.jpg\" alt=\"Polen Fl\u00fcchtlingskinder in einer Schule in Rzeszow\" width=\"340\" height=\"191\" \/> <\/a>Fl\u00fcchtlingskinder in einer Schule im polnischen Rzeszow<\/p>\n<\/div>\n<p>Schon in den letzten Jahren haben viele Polen diese Erfahrung gemacht, auch\u00a0mit den Ukrainern, und diese Erfahrung war positiv&#8220;, sagt sie der DW. Das gelte auch f\u00fcr die Schulkinder, die Klassenkameraden mit anderer Sprache und Kultur, aber auch mit schwierigen Kriegserfahrungen bekommen w\u00fcrden. &#8222;Damit m\u00fcssen Kinder und Jugendliche zurechtkommen. Sie werden lernen m\u00fcssen, mit den anderen zu leben, sich zu \u00f6ffnen. Das bedeutet Entwicklung&#8220;.<\/p>\n<p>Doch Teile der Gesellschaft k\u00f6nnten sich von der gro\u00dfen Migrationswelle \u00fcberfordert f\u00fchlen. &#8222;Es ist schwer zu sagen, ob die polnische Gesellschaft, wenn die Kosten hoch sind und die Krise und der Krieg lange andauern werden, in der Lage sein wird, dies zu akzeptieren und zu lernen, damit zu leben.&#8220; Die Politologin warnt davor, dass die Migrationswelle aus der Ukraine von Populisten dazu genutzt werden kann, &#8222;Hass und Abneigung zu verbreiten&#8220;.<\/p>\n<p>Source: <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainer-in-polen-offene-arme-zugang-zu-sozialsystem\/a-61188220\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">dw.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukrainer werden in Polen mit offenen Armen empfangen F\u00fcr die ukrainischen Fl\u00fcchtlinge\u00a0in Polen ist dieser Tage &#8222;PESEL&#8220; das magische Wort. Es ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr die polnische Sozialversicherungsnummer. Polens Regierung hat allen Kriegsfl\u00fcchtlingen\u00a0aus dem Nachbarland Ukraine\u00a0den Aufenthalt bis zu 180 Tagen und den Zugang zu\u00a0Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem und Sozialleistungen versprochen. Das alles macht PESEL m\u00f6glich. Die gr\u00f6\u00dfte Registrierungsstelle, an der die Geflohenen eine PESEL-Nummer beantragen k\u00f6nnen, befindet sich seit diesem Samstag (19.03.) am Nationalstadion in Warschau. 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