{"id":32633,"date":"2022-02-24T16:07:28","date_gmt":"2022-02-24T15:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/russia-and-ukraine-chronicle-of-an-undeclared-war\/"},"modified":"2022-02-24T16:18:55","modified_gmt":"2022-02-24T15:18:55","slug":"russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff\/","title":{"rendered":"Russland und die Ukraine: Chronik bis zum Angriff"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ffffff;\">Russland greift die Ukraine an, dabei geht es im Kern darum, dass Moskau die Unabh\u00e4ngigkeit Kiews nicht akzeptiert. Ein \u00dcberblick.<\/span><\/p>\n<h1>Russland und die Ukraine: Chronik bis zum Angriff<\/h1>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-32625 alignleft\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane.jpg\" alt=\"\" width=\"553\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane-31x17.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane-200x113.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane-355x200.jpg 355w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane-400x225.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane-600x338.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/war_ukrane.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><\/p>\n<p>Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen\u00a0zwischen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/spannungen-zwischen-ukraine-und-russland-steigen\/a-57087916\">Russland und der Ukraine<\/a> haben eine Vorgeschichte, die bis ins Mittelalter reicht. Die beiden L\u00e4nder haben gemeinsame Wurzeln im ostslawischen Staat Kiewer Rus, weshalb Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin heute gerne von &#8222;einem Volk&#8220; spricht. In Wirklichkeit waren die Wege beider Nationen \u00fcber Jahrhunderte getrennt, es entstanden zwei Sprachen und Kulturen &#8211; eng verwandt und doch unterschiedlich.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Russland sich politisch zu einem Reich entwickelte, schaffte es die Ukraine nicht, einen eigenen Staat aufzubauen. Im 17. Jahrhundert wurden gro\u00dfe Gebiete der heutigen Ukraine Teil des russischen Imperiums. Nach dessen Zerfall 1917 wurde die Ukraine f\u00fcr kurze Zeit unabh\u00e4ngig, bis das sowjetische Russland sie milit\u00e4risch zur\u00fcckerobert hatte.<\/p>\n<h2>1990er-Jahre: Russland l\u00e4sst die Ukraine gehen<\/h2>\n<p>Im Dezember 1991 geh\u00f6rte die Ukraine zusammen mit Russland und Belarus zu den drei Schwesterrepubliken, die die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/der-zerfall-der-udssr-war-nicht-zu-verhindern\/a-6514078\">Aufl\u00f6sung der Sowjetunion<\/a>\u00a0besiegelten. Moskau wollte seinen Einfluss behalten und sah unter anderem die Gr\u00fcndung der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS) als ein Instrument daf\u00fcr. Der Kreml glaubte auch, das Nachbarland durch billige Gaslieferungen an sich binden zu k\u00f6nnen. Es kam anders. W\u00e4hrend Russland und Belarus eine enge Allianz bildeten, schaute die Ukraine immer \u00f6fter nach Westen.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff\/a-60199489#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" title=\"Gas-Anlage in der N\u00e4he von Kiew\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/60200827_401.jpg\" alt=\"Gas-Anlage in der N\u00e4he von Kiew\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Gasanlage in der N\u00e4he von Kiew<\/p>\n<\/div>\n<p>Das irritierte den Kreml, doch zu einem Konflikt kam es in den 1990er-Jahren nicht. Moskau wirkte entspannt, denn der Westen wollte die Ukraine nicht integrieren. Russland selbst war wirtschaftlich angeschlagen und mit den Tschetschenien-Kriegen gebunden. Im Jahr 1997 erkannte Moskau mit der Unterzeichnung des sogenannten <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kein-freundschaftsvertrag-mit-russland-ab-2019\/a-46616956\">&#8222;Gro\u00dfen Vertrags&#8220;<\/a>\u00a0die Grenzen der Ukraine an, inklusive der mehrheitlich von ethnischen Russen bewohnten Halbinsel Krim.<\/p>\n<h2>Erste Risse in postsowjetischer Freundschaft<\/h2>\n<p>Unter Putin als Pr\u00e4sident kam es zu einer ersten gro\u00dfen diplomatischen Krise zwischen Moskau und Kiew. Im Herbst 2003 fing Russland \u00fcberraschend an, in der Stra\u00dfe von Kertsch einen Damm Richtung der ukrainischen Insel Kossa Tusla zu bauen. Kiew sah darin den Versuch, die Grenze neu zu ziehen. Der Konflikt schaukelte sich hoch und wurde erst nach einem pers\u00f6nlichen Treffen der Pr\u00e4sidenten beigelegt. Der Bau wurde gestoppt, doch die deklarierte Freundschaft beider L\u00e4nder bekam Risse.<\/p>\n<p>Bei der Pr\u00e4sidentenwahl in der Ukraine 2004 unterst\u00fctzte Russland massiv den prorussischen Kandidaten Viktor Janukowitsch. Doch die &#8222;Orange Revolution&#8220; verhinderte seinen gef\u00e4lschten Sieg, es gewann der prowestliche Politiker Viktor Juschtschenko. W\u00e4hrend seiner Amtszeit drehte Russland der Ukraine zweimal den Gashahn zu, 2006 und 2009. Transitlieferungen in die EU wurden unterbrochen.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff\/a-60199489#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" title=\"Putin im Jahr 2008 auf dem NATO-Gipfel in Bukarest\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/60200803_401.jpg\" alt=\"Putin im Jahr 2008 auf dem NATO-Gipfel in Bukarest\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin im Jahr 2008 auf dem NATO-Gipfel in Bukarest<\/p>\n<\/div>\n<p>2008 versuchte der damalige US-Pr\u00e4sident George Bush, die Ukraine und Georgien in die NATO zu bringen und in ein formelles Vorbereitungsprogramm aufzunehmen. Putin protestierte. Moskau machte damals deutlich, dass es die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine nicht v\u00f6llig akzeptiert. Deutschland und Frankreich verhinderten Bushs Vorhaben. Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest wurde der Ukraine und Georgien eine Mitgliedschaft zwar in Aussicht gestellt, doch ohne Datum.<\/p>\n<p>Weil es mit der NATO nicht schnell klappte, versuchte die Ukraine die Westanbindung \u00fcber ein Assoziierungsabkommen mit der EU voranzutreiben. Im Sommer 2013, wenige Monate vor Unterzeichnung, \u00fcbte Moskau massiven wirtschaftlichen Druck auf Kiew aus und behinderte ukrainische Importe. Vor diesem Hintergrund legte die Regierung des damaligen Pr\u00e4sidenten Janukowitsch, der 2010 die Wahl gewonnen hatte, das fertig ausgehandelte Abkommen auf Eis. Janukowitsch hatte damit oppositionelle Proteste ausgel\u00f6st, die im Februar 2014 zu seiner Flucht nach Russland f\u00fchrten.<\/p>\n<h2>Die Krim-Annexion als Z\u00e4sur<\/h2>\n<p>Der Kreml nutzte das Machtvakuum in Kiew aus, um im M\u00e4rz 2014 die Krim zu annektieren. Es war eine Z\u00e4sur, der Beginn eines unerkl\u00e4rten Krieges. Gleichzeitig begannen russische paramilit\u00e4rische Kr\u00e4fte, im ostukrainischen Kohlerevier Donbass f\u00fcr einen Aufstand zu mobilisieren. Es wurden &#8222;Volksrepubliken&#8220; in Donezk und Luhansk ausgerufen &#8211;\u00a0mit Russen an der Spitze. Die Regierung in Kiew wartete bis nach der Pr\u00e4sidentenwahl im Mai 2014, bevor sie eine gro\u00dfe milit\u00e4rische Offensive startete, die sie &#8222;Antiterroreinsatz&#8220; nannte.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff\/a-60199489#\" rel=\"nofollow\"> <img decoding=\"async\" title=\"Feier zum siebten Jahrestag der Krim-Annexion im M\u00e4rz 2021 in Moskau\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/56925400_401.jpg\" alt=\"Feier zum siebten Jahrestag der Krim-Annexion im M\u00e4rz 2021 in Moskau\" width=\"700\" height=\"394\" \/> <\/a>Feier zum siebten Jahrestag der Krim-Annexion im M\u00e4rz 2021 in Moskau<\/p>\n<\/div>\n<p>Im Juni 2014 trafen sich der frisch gew\u00e4hlte ukrainische Pr\u00e4sident Petro Poroschenko und Putin zum ersten Mal unter deutscher und franz\u00f6sischer Vermittlung bei den Feierlichkeiten anl\u00e4sslich des 70. Jahrestags des D-Days in der Normandie. Das sogenannte Normandie-Format war geboren.<\/p>\n<p>Damals konnte die ukrainische Armee die Separatisten zur\u00fcckdr\u00e4ngen, doch Ende August griff Russland nach Kiews Darstellung massiv milit\u00e4risch ein. Moskau bestreitet das. Ukrainische Verb\u00e4nde bei Ilowajsk, einem St\u00e4dtchen \u00f6stlich von Donezk, erlitten eine Niederlage. Es war ein Wendepunkt. Der Krieg auf breiter Front endete im September mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands in Minsk.<\/p>\n<h2>Stellungskrieg im Donbass<strong>\u00a0\u00a0 <\/strong><\/h2>\n<p>Danach begann ein Stellungskrieg, Anfang 2015 gingen Separatisten erneut in die Offensive und wieder kam laut Kiew die russische Armee ohne Abzeichen zum Einsatz. Auch das dementiert Moskau. Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte erlitten eine zweite Niederlage, diesmal bei der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe, die sie fluchtartig aufgeben mussten. Damals wurde unter westlicher Vermittlung Minsk-2 vereinbart, ein Abkommen, das nach den j\u00fcngsten Entwicklungen f\u00fcr immer unerf\u00fcllt bleiben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Source: <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland-und-die-ukraine-chronik-bis-zum-angriff\/a-60199489\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">dw.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russland greift die Ukraine an, dabei geht es im Kern darum, dass Moskau die Unabh\u00e4ngigkeit Kiews nicht akzeptiert. Ein \u00dcberblick. Russland und die Ukraine: Chronik bis zum Angriff Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen\u00a0zwischen Russland und der Ukraine haben eine Vorgeschichte, die bis ins Mittelalter reicht. Die beiden L\u00e4nder haben gemeinsame Wurzeln im ostslawischen Staat Kiewer Rus, weshalb Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin heute gerne von &#8222;einem Volk&#8220; spricht. 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