{"id":26268,"date":"2020-11-04T16:34:26","date_gmt":"2020-11-04T15:34:26","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/the-soviet-union-the-fall-of-the-berlin-wall-and-the-belarusian-democratic-movement\/"},"modified":"2023-05-15T15:12:18","modified_gmt":"2023-05-15T13:12:18","slug":"die-sowjetunion-der-fall-der-berliner-mauer-und-die-belarussische-demokratiebewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/die-sowjetunion-der-fall-der-berliner-mauer-und-die-belarussische-demokratiebewegung\/","title":{"rendered":"Die Sowjetunion, der Fall der Berliner Mauer und die belarussische Demokratiebewegung\u2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two fusion-border-below-title\">\n<p data-fontsize=\"32\" data-lineheight=\"38.4px\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>31 Jahre nach dem deutschen Mauerfall. Belarus ist das Volk! \u201eHerr\u00a0 Aleksander Lukaschenko \u2013 Sie sind eindeutig zu sp\u00e4t! \u201c<\/strong><strong>Gerade die Deutschen sollten sich an diesem ihrem ganz besonderen Feiertag, des Tages, an dem diese unmenschliche Mauer gefallen ist, an diesen bewegenden historischen Moment der Ewigkeit erinnern und jetzt dem belarussischen Volk zur Seite stehen.<\/strong><\/span><\/p>\n<h2 data-fontsize=\"32\" data-lineheight=\"38.4px\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-26249\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-1024x251.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-31x8.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-200x49.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-400x98.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-405x99.jpg 405w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-600x147.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-768x188.jpg 768w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-800x196.jpg 800w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-1024x251.jpg 1024w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-1200x294.jpg 1200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header-1536x376.jpg 1536w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Belarus-Header.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-text fusion-text-1\">\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Die Sowjetunion, der Fall der Berliner Mauer und die belarussische Demokratiebewegung\u2026 <\/strong><\/h1>\n<p><strong>31 Jahre nach dem deutschen Mauerfall ist Belarus das Volk und Aleksander Lukaschenko kommt zu sp\u00e4t. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gerade wir Deutschen sollten uns an diesem besonderen Feiertag, des Tages, an dem diese unmenschliche Mauer gefallen ist, an diesen bewegenden historischen Moment der Ewigkeit erinnern und jetzt dem belarussischen Volk zur Seite stehen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Mauerfall als Westdeutsche in Moskau<\/strong><\/p>\n<p>31 Jahre liegt er jetzt zur\u00fcck, der Berliner Mauerfall. Und wie sich wohl die ganze Welt erinnern kann, was sie getan hat, an dem Tag als Kennedy erschossen wurde, so erinnert sich wohl jeder \u00e4ltere Deutsche noch genau, was er am 9. Oktober 1989, am Tag des Mauerfalls, gemacht hat. Abermillionen von beeindruckenden, spannenden und unvergesslichen Erinnerungen.<\/p>\n<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 hundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-overflow:visible;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last fusion-column-no-min-height\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\">\n<div id=\"attachment_26257\" style=\"width: 379px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-26257\" class=\" wp-image-26257\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-31x25.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-177x142.jpg 177w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-200x162.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-246x200.jpg 246w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-400x325.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-600x487.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-768x623.jpg 768w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1-800x649.jpg 800w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><p id=\"caption-attachment-26257\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Haus der Geschichte, Bonn<\/p><\/div>\n<p>Ich war eine westdeutsche, recht naive, junge Studentin der Poltischen Wissenschaften aus Frankfurt am Main, die sich in Zeiten der Perestroika, in Zeiten von Michail Gorbatschow, in Zeiten des \u201ewind of change\u201c auf die damalige Sowjetunion spezialisierte.<\/p>\n<p>Ein junger Mensch, der nicht begreifen konnte, wie seine Gro\u00dfeltern nichts unternommen hatten gegen Hitler und der darauf hoffte, dass sich hinter dem Eisernen Vorhang so manches Weltengeheimnis l\u00fcftete. Ein junger Mensch, der von g\u00e4nzlich Null somit auch die russische Sprache erlernen musste.<\/p>\n<p>Und als Westmensch damals in die Sowjetunion zu gelangen, um die Russische Sprache richtig zu lernen, das war alles andere als einfach. Viele H\u00fcrden mussten genommen, unz\u00e4hlige Bestimmungen erf\u00fcllt werden. Nur sehr wenige Westdeutsche nahmen all das auf sich und bezahlten auch noch Geld daf\u00fcr. F\u00fcr eine Unterkunft in einem russischen Wohnheim, dessen Anblick meinen Eltern (bei ihrem Besuch innerhalb einer kontrollierten Moskau-Reisegruppe) Tr\u00e4nen in die Augen trieb.<\/p>\n<p>Hier schlief ich also in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989, als es an den T\u00fcren trommelte und im Flur Leute laut trippelte. \u201eDie Mauer ist gefallen!\u201c, \u201eDie Mauer ist gefallen\u201c. H\u00f6rte ich richtig? Pl\u00f6tzlich wurde die T\u00fcr aufgerissen: \u201eDie Mauer ist gefallen!\u201c posaunte jemand in unsere F\u00fcnfbetteneinheit hinein. Unsere Gruppe von \u00fcber 20 Russischstudenten aus der gesamten \u201eBRD\u201c rannte pl\u00f6tzlich wie ein aufgestochener Ameisenhaufen hin und her. Die \u201eBerliner\u201c unter uns hatten es durch ein Telefonat irgendwie herausbekommen und damals in der Zeit vor dem Internet, versuchten wir nun allesamt etwas aus dem einen und einzigen klobigen Fernsehapparat herauszuquetschen- und ja, selbst im noch sowjetischen Moskau, sah man in den Nachrichten einige kurze Bilder. Siegreich die Arme hochrei\u00dfende Menschen und sich lachend und weinend in die Arme fallende Menschen AUF der Berliner Mauer. So war es wahr. Die Mauer war gefallen. Es war unfassbar, auch wir fielen uns in die Arme, weinten, lachten, weinten. An Schlaf war nicht mehr zu denken.<\/p>\n<p>Die Berliner konnten es in Moskau nicht mehr aushalten und obwohl im Grunde verboten, brachten sie es doch irgendwie fertig \u201ezwischendurch\u201c nach Berlin zu fliegen. Als sie zur\u00fcckkamen brachten sie einen \u201eStern\u201c mit Fotos der Wiedervereinigung mit, die Bl\u00e4tter dieser Ausgabe bedeckten bis zum Ende unseres Studienaufenthaltes die W\u00e4nde des Flurs unserer Etage.<\/p>\n<p>Ja, ich werde diesen Moment nie vergessen, dieses \u00fcberw\u00e4ltigende Gef\u00fchl. Stolz, dass all diese Menschen ihre Angst \u00fcberwunden hatten, dass sie nicht aufgegeben hatten, immer wieder friedlich auf die Stra\u00dfe gegangen waren und den abstrakten Begriff Volk mit ihren Gesichtern millionenfach dargestellt und \u00a0\u201ebe-greif-bar\u201c gemacht hatten: \u201eWir sind das Volk!\u201c<\/p>\n<p><strong>Der entscheidende Moment \u2013 Wir sind das Volk<\/strong><\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich, es gibt immer viele Faktoren, die f\u00fcr einen solch historischen Moment von Bedeutung sind.<\/p>\n<p>So hier der sowjetische Systemzerfall, die wirtschaftliche Diskrepanz zwischen Ost und West, die Einheit des deutschen Volkes, undichte Stellen im Eisernen Vorhang, die einerseits zum Vorschein brachten, dass im Westen nicht alle kriminelle Drogenabh\u00e4ngige waren und andererseits, dass in der DDR weitaus mehr Gr\u00e4ueltaten seitens des Staates ver\u00fcbt wurden als man sich vorstellen konnte. (Und die IGFM ist stolz daraauf hierbei einen wichtigen und unikalen Beitrag geleistet zu haben).Ganz sicher war es auch die Pers\u00f6nlichkeit Gorbatschows, seine gute Beziehung zu Kohl und und und, &#8211; die \u00c4lteren unter uns haben es alle hautnah miterleben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Beste Voraussetzungen f\u00fcr Systemwechsel<\/strong><\/p>\n<p>Und auch ist selbstverst\u00e4ndlich dabei nicht alles eitel Sonnenschein, ist ein Systemwechsel immer mit Tausenden von kleinen und gro\u00dfen Problemen verbunden, selbst wenn man daf\u00fcr so au\u00dferordentlich gute Bedingungen hatte wie wir in Deutschland.<\/p>\n<p>Doch der wirklich entscheidende Moment war meines Erachtens der Punkt, wo der Einzelne gef\u00fchlt hat, dass nicht nur er und ein kleiner Kreis von Freunden und Bekannten unter dem unnat\u00fcrlichen politischen System litt, sondern offensichtlich die breite Mehrheit. Der Moment, wo der Einzelne sieht, auch die anderen wollen und k\u00f6nnen nicht mehr. Der Moment, an dem der Einzelne sich auf der Stra\u00dfe mit Tausenden und Abertausenden von Anderen wiederfindet, sich gegenseitig den R\u00fccken und das R\u00fcckgrat st\u00e4rkt. Der Moment, wo man es f\u00fchlen kann, das \u201eWir sind das Volk!\u201c<\/p>\n<p><strong>Parallelen zu Belarus \u2013 Entscheidende Momente<\/strong><\/p>\n<p>Und der Moment, vor dem Michail Gorbatschow damals die DDR Spitze warnte: \u201eWer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben!\u201c<\/p>\n<p>Ja, das ist das nat\u00fcrliche Leben. Genau das geschieht nun gute (und schlechte) 30 Jahre sp\u00e4ter in Belarus. Ich denke, dass alle \u00e4lteren Deutschen ganz von selbst durch die Bilder aus Belarus an \u201eunsere\u201c Bilder aus der DDR erinnert werden. Hunderttausende friedliche, \u201eeinfache B\u00fcrger\u201c, junge Menschen, Frauen, Familien, die ihre erste Angst \u00fcberwunden haben, die jetzt wissen, dass sie nicht alleine sind und auch keine kleine Gruppe. Sie alle wollen einfach nicht mehr mit ihrem Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich, es gibt immer viele Faktoren, die f\u00fcr einen solch historischen Moment von Bedeutung sind.<\/p>\n<p><strong>Litauen, ein kleiner, aber feiner Partner; Corona und dreiste Spr\u00fcche Lukaschenkos<\/strong><\/p>\n<p>So hatte der Eiserne Vorhang, hinter dem der belarussische Pr\u00e4sident Lukaschenko im wahrsten Sinne gro\u00df geworden war, eine gro\u00dfe Undichtigkeit hin zum kleinen couragierten europ\u00e4ischen Litauen, das sich zu einer Art Oase f\u00fcr belarussische Freidenker entwickelt hat. Diese gro\u00dfe Pforte brachte zum Vorschein, das einerseits im Westen kein verruchtes Chaos herrscht und andererseits, dass Belarus sich immer noch fest in sowjetischen Strukturen befand.<\/p>\n<p>Auch Corona d\u00fcrfte eine Rolle gespielt haben. Der belarussische Pr\u00e4sident, der mit seinen dreisten Spr\u00fcchen weltweit Furore machte (\u201eBesser Diktator als schwul\u201c), trotzte der Pandemie mit dem Spruch \u201eBesser, aufrecht sterben, als am Boden kriechen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ein Wahlkampfkandidat nach dem anderen: \u201eGehe direkt ins Gef\u00e4ngnis- Karte\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Dass im belarussischen Wahlkampf mit Beginn des Jahres nach und nach alle Pr\u00e4sidentschaftskandidaten (au\u00dfer Lukaschenko) als \u201eKriminelle enttarnt\u201c und verfolgt wurden, d\u00fcrfte selbst bei gehorsamsten Sowjetnostalgikern gewisse Zweifel ausgel\u00f6st haben. So wurden der kritische Videoblogger Sergej Tichanowskij Ende Mai, im Juni der Bankmanager Viktor Babarika, mitsamt seinem Sohn inhaftiert und Ende Juli begab sich Valerij Zepkala mit den beiden S\u00f6hnen auf die Flucht au\u00dfer Landes.<\/p>\n<p><strong>Chapeau! Das weibliche Dreiergespann der belarussischen Opposition<\/strong><\/p>\n<p>Ganz sicher von Bedeutung waren im Folgenden die Pers\u00f6nlichkeiten dreier junger Frauen. N\u00e4mlich der Ehefrau des Bloggers, Swetlana Tichanowskaja, des Diplomaten,\u00a0 Veronika Zepkalo und der guten Bekannten des Bankiers, Maria Kalesnikowa. Alle drei keine erfahrenen Politikerinnen, Tichanowskaja 38 Jahre alt, Fremdsprachensekret\u00e4rin f\u00fcr eine NGO, sp\u00e4ter Hausfrau und Mutter. \u00a0Zepkalo, studierte \u00d6konomin, die \u201eFrau des Botschafters\u201c, ebenfalls Mutter sowie Kalesnikowa, gleicher Jahrgang wie Tichanowskaja, studierte und professionelle Musikerin. Ihr gutes Deutsch stammt sicher auch aus ihrem Studienaufenthalt an der Stuttgarter Hochschule f\u00fcr Musik. Tichanowskaja hatte sich nach der Inhaftierung ihres Mannes noch selbst als Pr\u00e4sidentschaftskandidatin registrieren k\u00f6nnen und die beiden anderen haben sie nach Inhaftierung und Flucht von Babarika und Zepkalo in ihrem Wahlkampf unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong>Aus der Not geboren &#8211; nat\u00fcrlich, couragiert und echt<\/strong><\/p>\n<p>So wurde das weibliche Dreiergespann des Pr\u00e4sidentenwahlkampfs diesen Sommer in Belarus im wahrsten Sinne aus der Not heraus geboren. Doch offensichtlich war es genau das, was ihren Erfolg mitbegr\u00fcndete, denn die Drei machten in ihren Wahlkampfreden keinen Hehl daraus: Sie sprachen \u00fcber ihre Ehem\u00e4nner, Familien und Freunde, die hinter Gittern steckten oder auf der Flucht mit den eigenen Kindern waren, sie waren keine alten politischen Hasen, sie waren nat\u00fcrlich, couragiert und echt. Und das kam an bei der Bev\u00f6lkerung. Insbesondere Swetlana Tichanowskaja merkte man an, dass sie ein St\u00fcck \u00fcberw\u00e4ltigt war von alldem, was da pl\u00f6tzlich auf sie zugekommen war. Menschen, soweit das Auge reicht, str\u00f6mten zu ihren Wahlveranstaltungen. Wer k\u00e4me in dieser Situation auf dem Podium nicht erst einmal ins Schlucken? Sie kam es, doch auch hier sagte sie dann so etwas wie, Entschuldigung, aber ich muss erst einmal tief Luft holen und man sp\u00fcrte, selbst durch die Video\u00fcbertragungen hindurch, wie gut alle das nachvollziehen konnten und sie genau f\u00fcr diese Echtheit, f\u00fcr ihre Courage, f\u00fcr den \u201eeinfachen Menschen\u201c, der hier von ihnen stand, liebten.<\/p>\n<p><strong>Leute von heute<\/strong><\/p>\n<div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last fusion-column-no-min-height\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\">\n<div id=\"attachment_26247\" style=\"width: 453px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-26247\" class=\" wp-image-26247\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2.png\" alt=\"\" width=\"443\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2-31x19.png 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2-200x123.png 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2-326x200.png 326w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2-400x246.png 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2-600x368.png 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2.png 746w\" sizes=\"(max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/><p id=\"caption-attachment-26247\" class=\"wp-caption-text\">Vlnr.: Maria Kolesnikowa mit Herz, Swetlana Tichanowskaja mit Faust und Veronika Zepkalo mit dem Victory Zeichen, \u00a9 Werbung f\u00fcr Gro\u00dfveranstaltung\u00a0 in der Hauptstadt Minsk am 30 Juli 2020.<\/p><\/div>\n<p>Ganz so \u201eeinfach\u201c waren sie selbstverst\u00e4ndlich nicht, alle Drei waren Menschen \u201evon heute\u201c, gebildet, auslandserfahren, breit vernetzt. Ihr Auftreten, ihre Wahlspots und Symbolik waren modern und professionell, zugleich f\u00fcr die Massen einfach zug\u00e4ngig und einfach replizierbar. So hie\u00df es auch immer eindringlich an die Menge: Leute wir leben im Jahr 2020, nutzt die modernen Techniken, um andere zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Die Wahlergebnisse \u2013 zu hoch gepokert<\/strong><\/p>\n<p>Vor nunmehr genau zwei Monaten wurde dann am Wahlabend des 9. August wie immer der haushohe Sieg sowie der geringe (wenngleich f\u00fcr belarussische Verh\u00e4ltnisse sehr hohe) Stimmanteil Tichanowkajas bekannt gegeben (80:10 %). W\u00e4hrend in Deutschland solche Wahlergebnisse auf Bundesebene nur noch aus Zeiten \u201evor dem Mauerfall\u201c in der DDR bekannt sind (w\u00e4hlen gehen = falten gehen), erzielte Lukaschenko bis heute in allen Pr\u00e4sidentenwahlen (6) seiner mittlerweile 26j\u00e4hrigen Amtszeit immer um die 80 %. Der genaue Durchschnitt dieser 6 Wahlergebnisse ist zumindest 80,31.<\/p>\n<p>Es ist gut m\u00f6glich, dass die Belarussen ein Endergebnis von 51 % f\u00fcr Lukaschenko hingenommen h\u00e4tten, aber 80:10, das war f\u00fcr Hunderttausende glatter Wahlbetrug und es kam in ganz Belarus sofort zu emp\u00f6rten Protestdemonstrationen.<\/p>\n<p>Was dann geschah wissen wir aus den schockierenden Bildern der Nachrichten und diejenigen unter uns, die auch nur irgendwelche entfernte Kontakte mit Belarus hatten, bekamen die Schockaufnahmen direkt auf ihr Handy.<\/p>\n<p><strong>Unmenschliche Polizeigewalt &#8211; Maamaaa Hilfe!- Pr\u00e4sident schultert Kalaschnikow<\/strong><\/p>\n<p>Ein friedlicher Demonstrant gehetzt von einer kleinen Polizeitruppe, gefangen und so lange auf ihn eingepr\u00fcgelt, bis er sich nicht mehr bewegte, begleitet von den panischen, herzzerrei\u00dfenden Hilferufen eines Kindes: \u201eMama, schau, was machen die da, Mama, Maaamaaa\u2026\u201c. Das war meine erste Whatsapp-Nachricht dazu, gesendet von einem moldauischen Kollegen. Viele Dutzende folgten \u00fcber s\u00e4mtliche Kan\u00e4le.<\/p>\n<p>Tausende von Demonstranten wurden ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, viele Entlassene wiesen deutliche Spuren von Gewalt auf und berichteten von Folter. W\u00e4hrenddessen warf sich der 66j\u00e4hrige Landespr\u00e4sident in Milit\u00e4runiform, schulterte die Kalaschnikow und bedankte sich \u00f6ffentlich bei der Polizei f\u00fcr ihre gute Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Todesopfer Gennadij Schutow, IGFM unterst\u00fctzt seine Familie<\/strong><\/p>\n<p>Mehrere Menschen sind in diesen Rangeleien zu Tode gekommen, ein Mann, Gennadij Schutow, wurde in Brest \u201eversehentlich\u201c von der Polizei erschossen (Die IGFM berichtet und versucht seine Familie zu unterst\u00fctzen. Er hinterl\u00e4sst 5 Kinder).<\/p>\n<p><strong>Zu viel des Schlechten<\/strong><\/p>\n<p>Swetlana Tichanowskaja wurde ganz offensichtlich so schwer zugesetzt, dass sie mit ihren beiden Kindern nach Litauen fl\u00fcchtete, wo sie von der Regierung offiziell unter Schutz genommen wurde. Ihr Mann ist noch immer in Belarus im Gef\u00e4ngnis. Veronika Zepkalo ist ihrem Mann und ihren Kindern ins Exil gefolgt. Geblieben war noch Maria Kolesnikowa, die Musikerin, die in Stuttgart studiert hat, die immer wieder anspornte: \u201eWir d\u00fcrfen keine Angst haben, wir m\u00fcssen standhaft bleiben, wir m\u00fcssen hier und jetzt f\u00fcr unser Heimatland k\u00e4mpfen\u2026\u201c. Doch auch ihr wurde dann am 7. September wohl wie so vielen ein Sack \u00fcber den Kopf gest\u00fclpt und weg, au\u00dfer Landes mit ihr&#8230; Jedoch hatte sie sich in dem Augenblick, in dem sie dann ihren Pass offiziell zerrissen hat, f\u00fcr das Gef\u00e4ngnis in der Heimat und gegen das freie Exil im Ausland entschieden. Das soll ihr erst einmal jemand nachmachen.<\/p>\n<p>Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass, wenn dies ein Regiebuch f\u00fcr einen Krimi oder Thriller w\u00e4re, es die Zuschauer sicher f\u00fcr viel zu \u00fcbertrieben hielten? Es sei denn, man datierte die Handlung in die Zeit vor dem Fall der Mauer zur\u00fcck. Aber nein, all das und viel mehr ist heute so geschehen und hier bei uns in Europa, denn das belarussische Brest (780 km) ist weniger als die H\u00e4lfte weit von Berlin entfernt als das franz\u00f6sische Brest (1600 km).<\/p>\n<p><em>Der historische Wendepunkt in Belarus ist wie begr\u00fcndet nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, die Menschen in Belarus haben erlebt und gesehen wer und wie viele sie sind, auch die ganze Welt war Zeuge.<\/em><\/p>\n<p><strong>Es wird nicht einfach<\/strong><\/p>\n<p>Und wieder ist selbstverst\u00e4ndlich dabei nicht alles eitel Sonnenschein, ist ein Systemwechsel immer mit Tausenden von kleinen und gro\u00dfen Problemen verbunden, gerade hier, wo die Bedingungen viel schlechter sind als damals f\u00fcr Deutschland.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt, dass es auch eine bedeutende stillschweigende Anzahl von belarussischen B\u00fcrgern gibt, die gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen angstvoll und skeptisch gegen\u00fcberstehen. In meinen letzten Reisen nach Belarus noch vor vier Jahren, schien mir das gar noch das Gros der Bev\u00f6lkerung. Belarus war praktisch eine Art Oase f\u00fcr Sowjetmelancholiker. Auch die vielen jungen Studenten, die ich kennengelernt habe, waren alle ausgesprochen sch\u00fcchtern in politischer Hinsicht. Wenngleich Korruption eine gro\u00dfe Rolle spielt in Belarus, so hatte Lukaschenko nie eine vergleichbare Privatisierung betrieben wie alle anderen postsowjetischen Staaten, hier muss man aus den Fehlern der anderen lernen. Ganz schwierig wird die Beziehung zum Putinschen Russland sein, doch hier liegen gro\u00dfe Chancen auch f\u00fcr eine zunehmende politische Befreiung des russischen Volkes. Und nicht zuletzt klar ist auch, dass mit dem Sturz, der Abdankung oder dem per Wahlen entschiedenen Ende Lukaschenkos, erst der m\u00fchsame Systemwechsel beginnt, bei dem die Belarussen sehr genau aufpassen m\u00fcssen, dass sie nicht \u00fcbers Ohr gehauen werden.<\/p>\n<p><strong>Zeit f\u00fcr das belarussische Volk, zu sp\u00e4t f\u00fcr Lukaschenko<\/strong><\/p>\n<p>Und gerade die Deutschen sollten sich an diesem ihrem ganz besonderen Feiertag, des Tages, an dem diese unmenschliche Mauer gefallen ist, an diesen bewegenden historischen Moment der Ewigkeit erinnern und dem belarussischen Volk zur Seite stehen. Der belarussische Pr\u00e4sident Aleksander Lukaschenko hatte die letzten 26 Jahre Zeit, um mit seiner Bev\u00f6lkerung zu wachsen, dass er sich ihr mit Milit\u00e4rkleidung und Kalaschnikow entgegenstellt, zeigt deutlich, dass er jede Chance dazu verpasst hat und es zu sp\u00e4t f\u00fcr ihn ist.<\/p>\n<p>Dr. phil. Carmen Krusch-Gr\u00fcn<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><a href=\"https:\/\/humanrights-online.org\/detention-and-tortures-in-belarus-victims-of-political-persecution-need-help\/\">Mehr Nachrichten aus Belarus<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31 Jahre nach dem deutschen Mauerfall. Belarus ist das Volk! \u201eHerr\u00a0 Aleksander Lukaschenko \u2013 Sie sind eindeutig zu sp\u00e4t! \u201cGerade die Deutschen sollten sich an diesem ihrem ganz besonderen Feiertag, des Tages, an dem diese unmenschliche Mauer gefallen ist, an diesen bewegenden historischen Moment der Ewigkeit erinnern und jetzt dem belarussischen Volk zur Seite stehen. Die Sowjetunion, der Fall der Berliner Mauer und die belarussische Demokratiebewegung\u2026 31 Jahre nach dem deutschen Mauerfall ist Belarus das Volk und Aleksander Lukaschenko kommt zu sp\u00e4t. <a href=\"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/die-sowjetunion-der-fall-der-berliner-mauer-und-die-belarussische-demokratiebewegung\/\"> [&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":120,"featured_media":26247,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die Sowjetunion, der Fall der Berliner Mauer und die belarussische Demokratiebewegung\u2026 - Menschenrechte Osteuropa - News &amp; Konflikte","description":"31 Jahre nach dem deutschen Mauerfall. 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