{"id":23358,"date":"2020-04-09T22:55:48","date_gmt":"2020-04-09T20:55:48","guid":{"rendered":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/?p=23358"},"modified":"2021-11-26T10:44:07","modified_gmt":"2021-11-26T09:44:07","slug":"covid-19-die-welt-und-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/covid-19-die-welt-und-menschenrechte\/","title":{"rendered":"Covid-19, die Welt und Menschenrechte"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Covid-19, die Welt und Menschenrechte<\/strong><\/h1>\n<h2>Taktlose Kritik?<\/h2>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-23372 alignright\" src=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-31x23.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-200x150.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-267x200.jpg 267w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-400x300.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-600x450.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-768x576.jpg 768w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid-800x600.jpg 800w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ishr_covid.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<p>Menschenrechtler der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte\/IGFM gaben schon mit Beginn der massiven Ma\u00dfnahmen zu bedenken, dass das Mittel gegen die Pandemie sich als schlimmer erweisen k\u00f6nne, als die Pandemie selbst. Sie f\u00fchren hierf\u00fcr unter anderem weltweit resultierende humanit\u00e4re Katastrophen sowie das Potential zu staatlichem Missbrauch der Menschenrechte an.<\/p>\n<p>Auch zeige die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahmen angesichts anderer bekannter und heilbarer Infektionskrankheiten wie bspw. der Tuberkulose mit j\u00e4hrlich weit \u00fcber 1 Million Opfer, dass die Weltengemeinschaft immer noch weit entfernt ist von einer solidarischen Bew\u00e4ltigung globaler Krisen und Probleme.<\/p>\n<p>Sind solche Warnungen und Kritiken in einer Zeit, in der wir nach Italien, Spanien und Frankreich heute mit amerikanischen Bildern von mit Gabelstaplern in Leichens\u00e4cken transportierten Covid-19- Opfern konfrontiert sind, taktlos? In einem Ausnahmezustand, in dem wir auf so viel verzichten, so viel riskieren, in der wir alle kleine und gro\u00dfe Opfer bringen und uns gegenseitig zu Zuversicht und Durchhalteverm\u00f6gen animieren. In der wir so stolz sind auf die vielen Alltagshelden, die sich in den letzten Wochen bewiesen haben? Stolz auf eine nie dagewesene Solidarit\u00e4t in schwerer Stund?<\/p>\n<h2>Der Takt eines Menschenrechtlers<\/h2>\n<p>F\u00fcr einen Menschenrechtler herrscht im Grunde immer eine schwere Stund, sind Schreckensbilder von Leid und Elend, von Toten, Gefangenen, Gewaltopfern oder humanit\u00e4ren Katastrophen immer im Kopf. Der Appell nach Solidarit\u00e4t schwingt stetig in ihm mit.<\/p>\n<h2>Humanit\u00e4re Gefahren<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich denkt er bei den Nebenwirkungen des globalen Shutdowns nicht nur an den deutschen Mercedes Fahrer mit seinem Rundumairbag, sondern auch an den indischen Rikscha-Fahrer, den Tagel\u00f6hner, der von einem Tag auf den anderen Tag ohne Lohn und Brot dasteht oder den russischen Jungunternehmer, der nicht einmal im Traum auf die Idee einer staatlichen Soforthilfe k\u00e4me.<\/p>\n<p>An die Familien und deren Kinder, die nicht in einem sozialen Grundsicherungsnetz aufgefangen werden. Die damit verbunden sozialen und psychologischen Folgen. Die Gefahr, dass eine Weltwirtschaftskrise f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Weltbev\u00f6lkerung eine humanit\u00e4re Katastrophe sein kann.<\/p>\n<h2>Gef\u00e4hrdung von Grundrechten<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich sieht er das Potential, dass eine solche Krise in der Einschr\u00e4nkung von Grundrechten und \u2013freiheiten mit sich bringt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir hier in Deutschland um die Gefahr der Anwendung einer zeitlich befristeten \u201eTracking-App\u201c diskutieren, hat der ungarische Pr\u00e4sident schon ein \u201eCovid-19-Erm\u00e4chtigunggesetz\u201c in der Tasche und China l\u00e4ngst die unangreifbare \u201eBig Brother is watching you\u201c Legitimation.<\/p>\n<h2>Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeiten<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich vergleicht der Menschenrechtler die Covid-19 Pandemie unter anderem mit der weltweit t\u00f6dlichsten Infektionskrankheit, der Tuberkulose, deren Erreger ca. 2 Drittel der Weltbev\u00f6lkerung in sich tr\u00e4gt, die j\u00e4hrlich \u00fcber eine Million Opfer fordert und gegen die es im Gegensatz zu Covid-19 Heilmittel gibt. Die mit 2 Milliarden Euro j\u00e4hrlich schon l\u00e4ngst ausgerottet h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Unzureichende l\u00e4nder\u00fcbergreifende Strategien<\/h2>\n<p>Und nat\u00fcrlich sieht er, dass es keine Vorbereitung gab auf ein solches Krisenszenario, weder national, kontinental, geschweige denn global. Im Gegenteil, reflexartig hat sich die globalisierte Welt in ihre Nationalstaaten zur\u00fcckgezogen, die Schotten fast gleichsam dichtgemacht. Selbst innerhalb des 27 Jahre alten Staatengef\u00fcges der EU. Und w\u00e4hrend man t\u00e4glich das Schreckensszenario im norditalienischen Bergamo verfolgte, war es nicht so, dass man dort aus allen Himmelsrichtungen massiv zur Hilfe eilte. Das marode italienische Gesundheitswesen, das nicht zuletzt der rigiden Finanzpolitik innerhalb der EU geschuldet ist, war offensichtlich zu einem gewichtigen Teil verantwortlich f\u00fcr die hohe Zahl der Todesopfer. Und nach allem, was der S\u00fcden des Kerneuropas traumatisch erlitten hat, wird aktuell innerhalb seiner staatlichen Solidargemeinschaft vorerst um Finanzhilfen gefeilscht.<\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg hatte die Erdkugel vor genau 75 Jahren zum Stillstand gebracht und aus diesem globalen-Trauma einen Grundsatzkatalog f\u00fcr eine bessere Zukunft der Weltengemeinschaft aufgestellt: Die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte.<\/p>\n<p>Diese Erlebnisse aus diesen \u201etraumatischen globalen Stillst\u00e4nden\u201c, tragen ungeheures Leid in sich, doch genau darin birgt sich die Kraft f\u00fcr nachhaltige Verbesserungen in der Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. phil. Carmen Krusch-Gr\u00fcn<\/em><\/p>\n<p><em>Referentin Osteuropa<\/em><\/p>\n<p><em>Internationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte, Deutsche Sektion e.V.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Covid-19, die Welt und Menschenrechte Taktlose Kritik? 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Auch zeige die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahmen angesichts anderer bekannter und heilbarer Infektionskrankheiten wie bspw. der Tuberkulose mit j\u00e4hrlich weit \u00fcber 1 Million Opfer, dass die Weltengemeinschaft immer <a href=\"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/covid-19-die-welt-und-menschenrechte\/\"> [&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":113,"featured_media":23372,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Covid-19, die Welt und Menschenrechte - Menschenrechte Osteuropa - News &amp; Konflikte","description":"Covid-19, die Welt und Menschenrechte Taktlose Kritik? 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