{"id":11886,"date":"2017-09-05T22:33:41","date_gmt":"2017-09-05T20:33:41","guid":{"rendered":"http:\/\/humanrights-online.org\/?p=11886"},"modified":"2021-11-26T10:48:46","modified_gmt":"2021-11-26T09:48:46","slug":"in-odessa-ist-alles-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/humanrights-online.org\/de\/in-odessa-ist-alles-moeglich\/","title":{"rendered":"IN ODESSA IST ALLES M\u00d6GLICH"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-background-position:left top;--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-padding-top:20px;--awb-padding-bottom:20px;--awb-border-sizes-top:0px;--awb-border-sizes-bottom:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_4_5 4_5 fusion-four-fifth fusion-column-first\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:79.2%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><h1>IN ODESSA IST ALLES M\u00d6GLICH<\/h1>\n<h2><span style=\"color: #3366ff;\">Sommer 2017 \u2013 Ein Bericht<\/span><\/h2>\n<h2>Eine Reflexion \u00fcber die j\u00fcngste Geschichte in (der) Ukraine von Dr. phil. Carmen Krusch-Gr\u00fcn<\/h2>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-2\"><p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11870\" src=\"http:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003.jpg\" alt=\"image003\" width=\"1484\" height=\"1218\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-31x25.jpg 31w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-200x164.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-244x200.jpg 244w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-400x328.jpg 400w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-600x492.jpg 600w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-768x630.jpg 768w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-800x657.jpg 800w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-1024x840.jpg 1024w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003-1200x985.jpg 1200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image003.jpg 1484w\" sizes=\"(max-width: 1484px) 100vw, 1484px\" \/><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-3\"><p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWo geht\u2019s denn hin?\u201c<\/strong> So die typische deutsche Frage vor den gro\u00dfen Sommerferien. Und hier beginnt schon der erste Unterschied zwischen West- und Osteuropa. Denn in Deutschland folgt zumeist auf die Antwort\u00a0 \u201eNach Odessa\u201c, die von unsicherem Blick begleitete Frage \u201eWo ist das denn?\u201c Bei der Antwort \u201eIn der Ukraine, am Schwarzen Meer\u201c werden die Blicke noch unsicherer, denn damit wollen sich in den Gehirnwindungen keine Urlaubsparadiese verbinden lassen, im Gegenteil, da war doch was in der Ukraine und irgendwie war es nichts Gutes. Solche Gespr\u00e4chsabfolgen sind im Osten Europas wohl kaum zu finden.\u00a0 Hier kennt jeder Odessa, wei\u00df jeder, dass es am Schwarzen Meer liegt und dass es wundersch\u00f6ne weite Sandstr\u00e4nde zu bieten hat. Als die Riviera des Ostens gilt. Und man wei\u00df genau, dass viele Zehntausende von Ukrainern und Wei\u00dfrussen dort derzeit ihren Urlaub verbringen, aber auch, dass im Osten des Landes seit 3 Jahren Krieg herrscht. Und viel mehr noch, die meisten sind sehr gut informiert \u00fcber die Entstehung, den Verlauf und aktuellen Stand des Krieges und der gesamten Landessituation. Denn die Situation in der Ukraine interessiert sie wirklich. Die dritte Folgefrage allerdings ist typisch f\u00fcr Ost- und West: \u201eAh Sie kommen von daher?\u201c Und das ist die Stelle, an der ich mir \u00fcberlege, ich h\u00e4tte vielleicht doch einfach gleich zu Beginn \u201enach Mallorca\u201c antworten sollen, dann h\u00e4tte ich dem Frager und mir jetzt einiges erspart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn nein, ich komme nicht von da, ich habe auch keinerlei Verwandte von da und ich komme auch nicht aus Ostdeutschland, sondern bin geb\u00fcrtige Bayrin, aufgewachsen in Hessen, in einem winzigen Dorf 50 km nord\u00f6stlich von Frankfurt.\u00a0 Ein Gebiet, das mein hiesiger Dorfnachbar und hochzuf\u00e4lligerweise der 1988 gewesene Erste Sekret\u00e4r der deutschen Botschaft in Moskau schon damals als \u201eHessisch Sibirien\u201c bezeichnete. Insofern gibt es einen, wenn auch nicht ethnischen, Zusammenhang.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-element fusion-image-align-center in-legacy-container\" style=\"text-align:center;--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><div class=\"imageframe-align-center\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image006.jpg\" alt class=\"img-responsive\"\/><\/span><\/div><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-4\"><p style=\"text-align: center;\">Die wei\u00dfen Sandstr\u00e4nde Odessa sind im Sommer voller Urlauber<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-5\"><p style=\"text-align: justify;\">Warum ich als \u00e4ltere alleinstehende Mutter mit meiner Tochter und deren Freundin\u00a0 in Odessa Urlaub mache, das bedarf dann doch schon einer weiteren Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz gefasst, bin ich Politikwissenschaftlerin, die sich in ihrem Studium auf die Sowjetunion spezialisiert und daher noch gegen Ende der Sowjetzeiten fast ein Jahr in Moskau gelebt hat.\u00a0 Dort viele gute Freunde gewonnen, von denen mich welche in ihre Datscha nach Odessa eingeladen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch w\u00e4hrend in Deutschland das Gespr\u00e4ch damit meist in einem erneuten unsicheren \u201eAh so, das ist ja interessant\u201c endet, beginnt es im Osten an dieser Stelle erst richtig. Denn die Menschen hier haben ein inneres Bed\u00fcrfnis dar\u00fcber zu reden, \u00fcber ihre Geschichte im Wandel der ehemaligen Sowjetunion. <strong>Gerade in der Ukraine, in der die Wunden der j\u00fcngsten Geschichte noch immer offen liegen<\/strong>. Und da ich durch meine Freunde seit 30 Jahren mit diesen Menschen verbunden bin, geht es mir \u00e4hnlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb jetzt meine l\u00e4ngere Fassung, doch immerhin mit dem beschwerlichen Versuch 30 dienstliche und private Jahre in meinen Urlaubsbericht zu packen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit meiner R\u00fcckkehr damals 1989 aus Moskau, also seit nunmehr knapp 30 Jahren, arbeite ich bei der <strong>Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte\/IGFM<\/strong>, arbeite mit eigenst\u00e4ndigen IGFM\/Sektionen aus fast allen Nachfolgestaaten dieses Gebiets, das fast ein F\u00fcnftel der gesamten Erdoberfl\u00e4che umfasst, zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals, nach dem Zerfall des Sowjetsystems, herrschte eine Art Freudentaumel unter den Abermillionen von \u201esanften\u201c Revolution\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir Deutschen k\u00f6nnen das eigentlich am Besten verstehen oder wem sind nicht die Tr\u00e4nen gekullert bei all den Bildern, die uns 1989 mit der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland\u00a0 geliefert wurden? Und obwohl es schon fast 3 Jahrzehnte her ist, wer, der das damals bewusst miterlebt hat, k\u00f6nnte sich heute nicht daran mehr erinnern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wer h\u00e4tte auch vergessen, wie schwierig das Aufr\u00e4umen nach der gro\u00dfen Party war? Und wenn man jetzt die Aufr\u00e4umbedingungen von Ost- und Westdeutschland, denen des gr\u00f6\u00dften Landes der Welt gegen\u00fcberstellt, ein Gebiet \u00fcber 200 mal so gro\u00df wie die damalige DDR, neugeboren, ohne die zuverl\u00e4ssige Hilfe eines gro\u00dfen Bruders oder einer gro\u00dfen Schwester, dann vielleicht erh\u00e4lt man <strong>eine winzige Vorstellung von dem Durcheinander<\/strong>, das heute dort herrscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir also mein diesj\u00e4hriges Urlaubsland, <strong>die Ukraine<\/strong>, als Beispiel. Das zweitgr\u00f6\u00dfte Land in Europa, in fast direkter Nachbarschaft zu uns. Gleich hinter Polen. Eine, wahrscheinlich eher zwei Tagesfahrten mit dem Auto. Die Ukrainer in dieser N\u00e4he zu Europa haben damals gehofft, von uns mit offenen Armen empfangen zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anstatt dessen wurden sie zum <strong>Spielball geopolitischer Machtinteressen<\/strong>. Denn mit dem Zerfall der Sowjetunion, des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West, l\u00f6sten sich nicht gleichzeitig die \u00fcber 70 Jahre etablierten \u00f6konomischen und milit\u00e4rischen B\u00fcndnisse oder sozialen Beziehungsgeflechte. Auch hatte der Eiserne Vorhang nicht nur den Osten vom Westen weggesperrt, sondern nat\u00fcrlich auch den Westen vom Osten. Jeder Deutsche kann wohl irgendwie problemlos 5 US-Staaten aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln. Kann 5 US Pr\u00e4sidenten beim Namen oder St\u00e4dte nennen. Eine der leichtesten \u00dcbungen f\u00fcr uns. Wie s\u00e4he das Ergebnis aus, bei der gleichen Frage zu der ehemaligen Sowjetunion, unserem riesigen Nachbarn auf demselben Kontinent? Welches Land w\u00fcrde nach der Nennung von Russland folgen, welcher Pr\u00e4sident nach Putin, welche Stadt nach Moskau?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sprachlich, wer k\u00f6nnte auch nur einen dieser 300 Millionen Menschen in dessen Muttersprache begr\u00fc\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ukraine wurde also nicht umgehend von Westeuropa mit offenen Armen empfangen. Russland, selbst nach dem Zerfall der Sowjetunion, ohne deren 14 Nachfolgestaaten, noch immer das gr\u00f6\u00dfte Land der Welt, <strong>erwartete Loyalit\u00e4t und Solidarit\u00e4t von \u201eseinem strategisch wichtigen Au\u00dfenposten\u201c<\/strong> an der westlichen Front. Und der Westen wollte Russland vorerst besser nicht damit kompromittieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Die Ukraine konnte sich abstrampeln wie sie wollte, <strong>das Europa-Leckerli wurde ihr vorerst an den Schwanz gebunden<\/strong>. Und was hat es in dieser Narrenposition in den letzen drei Jahrzehnten alles mitmachen m\u00fcssen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie fast alle Nachfolgestaaten wurde es beraubt von seinen eigenen Landsleuten, die sich in dem planlosen \u00dcbergang von Staatseigentum in Privateigentum in unvorstellbaren Ausma\u00dfen bereichert hatten. <strong>Den Oligarchen. Millionenschwer haben sie ihre Spinnennetze gebaut und tragende Positionen erkauft<\/strong>, die sie nicht zum Nutzen f\u00fcr Land und Bev\u00f6lkerung einsetzten, sondern nur um weitere Millionen in ihre Taschen zu wirtschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Handvoll ukrainischer Pr\u00e4sidenten, die sie zwar gew\u00e4hlt hatten, die sich aber immer wieder nur als Marionetten des Oligarchennetzes herausstellten und die es nicht im Ansatz geschafft haben, in der \u201eKornkammer Europas\u201c Brot f\u00fcr ihr Volk zu backen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Osten des Landes, der nicht nur geographisch direkt mit Russland verbunden ist, sondern auch historisch, \u00f6konomisch und ethnisch, blieb <strong>diese vielschichtige N\u00e4he<\/strong> weiter bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Westen, der geographisch, so versteht sich, Europa zugewandten Seite des Landes, war die Suche nach einer neuen Identit\u00e4t gr\u00f6\u00dfer. Und man fand die <strong>N\u00e4he auf dem Scho\u00df der Mutter Ukraine<\/strong>. Russland wurde hier mehr und mehr als direkter Nachfolger der Sowjetmacht, als bedrohlicher Okkupator empfunden. Zumal dieses kleine Gebiet, im Gegensatz zu dem Rest der damaligen Sowjetunion, erst nach dem Zweiten Weltkrieg, also erst eine Generation sp\u00e4ter, durch den Hitler-Stalin-Pakt, unter erbitterter Gegenwehr der dortigen ukrainischen Freiheitsk\u00e4mpfer, von den Sowjets eingenommen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrenddessen ein Russland, das unter fast zwei Putin-Jahrzehnten sich mehr und mehr selbst als <strong>Nachfolger der Sowjetgro\u00dfmacht<\/strong> identifiziert, das unter ihm wieder be\u00e4ngstigende autokratische Strukturen festigt. Wie kein anderer nutzt er gebildet, intelligent und geschickt die Historie, Gr\u00f6\u00dfe, den Ressourcenreichtum des Riesenreiches, den Stolz, das Werteverst\u00e4ndnis und die Vaterlandsliebe des russischen Volkes, um seine Autokratie zu festigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch dann, kaum mehr zu glauben, nach fast 30 Jahren, sollte es nun doch endlich soweit sein. Das Tor nach Europa tats\u00e4chlich ge\u00f6ffnet werden. Ein viele Jahre gezogenes tausend Seiten umfassendes Assoziierungsabkommen mit der Ukraine war unterschriftenreif. Und ganz abgesehen davon, dass es wirtschaftlich gesehen wirklich mehr als problematisch f\u00fcr die Ukraine war, war die relativ pl\u00f6tzliche Unterschriftsverweigerung des damaligen und daraufhin gest\u00fcrzten ukrainischen Pr\u00e4sidenten Viktor Janukowitsch, dann einfach <strong>vor dem Volk nicht mehr tragbar<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ukrainische Volk ging auf die Stra\u00dfe, Zentrum des monatelangen Protests wurde der Hauptplatz der Kiewer Hauptstadt, der \u201eMaidan\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf diesem Maidan entz\u00fcndeten sich nun die Bipole eines Jahrhunderts<\/strong>. Der Maidan stand in Flammen und der dicke schwarze Rauch \u00fcberdeckte die Kiewer Rus. Obgleich noch im Oktober des darauffolgenden Jahres Pr\u00e4sidentschaftswahlen angestanden h\u00e4tten, gab es jetzt keine Geduld, kein Warten mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die DDR-Deutschen, die damals einfach \u00fcber den Zaun der deutschen Botschaft in Prag kletterten, alleine das Wissen im Gep\u00e4ck, dass sie nicht mehr zur\u00fcck wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kamen Abertausende auf den Maidan, alleine mit dem Wissen, dass sie diese postsowjetische Last nicht mehr tragen wollten. Keine Oligarchen mehr, keinen Janukowitsch mehr, keinen Putin mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie w\u00fcrde sich das entwickeln, wie w\u00fcrde es enden, wie w\u00fcrde es weitergehen? Bilder aus dem Sommer 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens traten vor Augen. W\u00fcrde auf sie geschossen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt konnte jetzt nicht mehr wegschauen, die Menge und Entschlossenheit der protestierenden Menschen machte deutlich, dass die Ukraine an einem entscheidenden historischen Wendepunkt angelangt war. Und viel mehr noch, sie war eine menschliche Verk\u00f6rperung der Kulmination des in\u00a0 postsowjetischen Jahren zur\u00fcckgedr\u00e4ngten kalten Krieges zwischen Ost und West. <strong>Immanent forderte sie hier und jetzt die westliche Welt auf,\u00a0 ohne weiteres Wenn und Aber, Position zu beziehen<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und endlich reagierte der Westen auch, stellte sich ohne Wenn und Aber auf die Seite der \u201eMaidaner\u201c.\u00a0 Aber auch Abermillionen Menschen im Osten, die K\u00e4mpfer und Kinder der damaligen sanften Revolution, verfolgten die Entwicklung auf dem Maidan mit gebannter Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch konnte man die \u201eMaidaner\u201c nicht einfach in einen Sonderzug nach Westen setzen, so wie die DDR-Deutschen damals von Prag aus. Oder f\u00fcr sie die Z\u00e4une aufmachen wie in Ungarn. Auf der anderen Seite konnte man in der Zeit des 21. Jhds., des nicht mehr offiziellen Kalten Krieges, auch nicht so einfach eine milit\u00e4rische Niederschlagung \u00e0 la Prager Fr\u00fchling oder Ungarischem Volksaufstand wiederholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine schnelle L\u00f6sung war nicht in Sicht und es verging <strong>Zeit, sehr viel Zeit, in der hinter dem Vorhang vielerlei Machtinteressen eifrig\u00a0 ihre F\u00e4den spannen und zogen<\/strong>. Zeit, in der sich Politiker, Wissenschaftler, Freunde und gar Verwandte\u00a0 teils auf Stasi Niveau in Freund-Feind Ebenen bewegten. Leiseste Zweifel oder Kritik am Maidan, wurde in der westlichen Welt gleichgesetzt mit prorussisch, b\u00f6se, feindlich und wahrscheinlich gar von Putin pers\u00f6nlich bezahlt. Im Osten wurde man ohne Zweifel oder Kritik an der Maidan-Bewegung zum ignoranten Sympathisanten f\u00fcr Faschisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <strong>Rolle von ultranationalistischen, faschistoiden Gruppierungen<\/strong> w\u00e4hrend des Maidan und anschlie\u00dfenden B\u00fcrgerkrieges in der Ukraine, wurde im Westen entweder gar nicht gesehen oder marginalisiert. Und im Grunde hat sich dies f\u00fcr die Ukraine auch heute so verifiziert. Die extremistischen, gewaltbereiten Gruppen wurden in der Hitze des Maidans als Frontk\u00e4mpfer laufen gelassen, gerieten teilweise au\u00dfer Kontrolle, konnten aber in der ukrainischen Gesamtbev\u00f6lkerung keinen Fu\u00df fassen und sind heute wieder am Rande der Gesellschaft angelangt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Osten wurde ihre Rolle hoch gespielt. Hier nur ein Beispiel von vielen: Die Person Oleg Tjagnibok, Parteif\u00fchrer von \u201eSwoboda\u201c mit der die Partei \u201eUdar\u201c von Vitali Klitschko und die \u201eVaterlandspartei\u201c von Julia Timoschenko schon im Dezember den \u201eMaidan-Rat\u201c, ein B\u00fcndnis gegen die Regierung Janukowitschs, geschlossen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein pr\u00e4gnantes Zitat aus einer seiner Reden (hier aus 2004): &#8222;Ihr seid ukrainische Nationalisten, ukrainische Patrioten! Ihr m\u00fcsst die Helden werden, die heute die Erde unter unseren F\u00fc\u00dfen verteidigen! Sie h\u00e4ngten sich Gewehre um den Hals und gingen in die W\u00e4lder. Sie k\u00e4mpften gegen Russen, gegen die Deutschen, gegen Judenschweine und sonstiges Gesindel, welches uns den ukrainischen Staat wegnehmen wollte! Man muss endlich die Ukraine den Ukrainern geben!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie\u201c, damit sind die o.g. ukrainischen Freiheitsk\u00e4mpfer des Zweiten Weltkrieges, unter deren (international aufgrund von Antisemitismus und Gewaltverherrlichung umstrittenen) Anf\u00fchrer, Stepan Bandera, gemeint. Tjagnibok war ein permanenter Akteur auf der gro\u00dfen Maidan-B\u00fchne, ein Mitstreiter Vitali Klitschkos und so kamen viele westliche Politiker bei ihren Unterst\u00fctzungsbesuchen der Maidaner in Kiew auch dazu, Herrn Tjagnibok freundlich die Hand zu sch\u00fctteln, sehr wahrscheinlich ohne zu wissen, was dieser Mann so alles von sich gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche <strong>unsensiblen Missverst\u00e4ndnisse<\/strong> konnte es im Osten nicht geben, denn hier kannte und verstand man seine rassistischen Reden schon lange. Und nicht nur Russen, die er stetig mit solchen Beleidigungen und Drohungen versah, sondern auch Ukrainer im Osten und S\u00fcdosten wie auch viele Menschen in der Zentralukraine, die noch ein Jahr zuvor mehrheitlich die Partei des Regierungspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt hatten, stie\u00dfen solche radikalen T\u00f6ne ab. Man f\u00fchlte sich gar pers\u00f6nlich betroffen, abgelehnt und ausgesto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Putin hatte hier leichtes Spiel diese <strong>antirussischen Ausw\u00fcchse<\/strong> wie auch europ\u00e4ische Unsensibilit\u00e4ten seinem Volk in konzentrierter Form ins Gesicht zu schleudern. Es gab genug Futter. Auch im Westen bekannte, hohe ukrainische Politiker und Sympathietr\u00e4ger wie Julia Timoschenko oder Arsenij Jazenjuk waren nicht zimperlich mit \u00c4u\u00dferungen, die sich gegen die Russen allgemein und die russischst\u00e4mmige Bev\u00f6lkerung in der Ukraine wendeten.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-image-element in-legacy-container\" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-2 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image008.jpg\" alt class=\"img-responsive\"\/><\/span><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-6\"><p>Heute: Ein \u00fcberdimensionales Wandbild auf dem Maidan mit der Aufschrift \u201cFreedom is our religion\u201d (Freiheit ist unsere Religion)<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-2 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth fusion-column-first\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-7\"><p style=\"text-align: justify;\">So zogen sich die Tage auf dem Maidan zu nervenzerreibenden, wogenden, zerst\u00f6rerischen, elf ewigen Wochen bis dann am 18. Februar 2014 doch die Sch\u00fcsse fielen und achtzig Menschen auf <strong>dem Opfertisch der Freiheit ihr Blut lie\u00dfen<\/strong>. Mit ihrem Blut wurde Pr\u00e4sident Janukowitsch zu Fall gebracht, er fl\u00fcchtete noch am selben Abend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihrem Blut begann <strong>weiteres Blut<\/strong> zu flie\u00dfen, kleinere und gr\u00f6\u00dfere Kampfhandlungen im ganzen Land, die sich mit intriganter russischer Unterst\u00fctzung im Osten des Landes, direkt an der Grenze zu Russland, um die Gro\u00dfst\u00e4dte Lugansk und Donezk, manifestierten und die bis heute t\u00e4glich neue Opfer fordern.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-3 fusion_builder_column_4_5 4_5 fusion-four-fifth fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-8\"><p style=\"text-align: justify;\">Zwar floss kein Blut bei der russischen Besetzung der Krim, doch so russisch wie die Krim sein mag, sie sich im Eilverfahren wieder einzuverleiben, war wie einem schwerkranken Patienten heimlich den Arm zu amputieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unz\u00e4hlige menschliche Gr\u00e4ueltaten<\/strong> wie Splitterbomben, Inbrandsetzungen, Erschie\u00dfungen, Entf\u00fchrungen, Folter, folgten und das nicht alleine auf der Seite der ostukrainischen K\u00e4mpfer und der russischen Freisch\u00e4rler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in den zahlreichen von Oligarchen unterhaltenen westukrainischen \u201ePrivatregimenten\u201c, war man nicht zimperlich. Ber\u00fcchtigt daf\u00fcr das offen neonazistische Asow-Batallion, dessen Mitbegr\u00fcnder und Vorsitzender der \u201eRadikalen Partei\u201c, Oleh Laschko, sich sogar beim Foltern eines selbsternannten Feindes filmen lie\u00df und der heute mit \u00fcber 7 % der W\u00e4hlerstimmen, Abgeordneter des ukrainischen Parlamentes ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genannt werden muss auch das Horror-Szenario vom 2. Mai 2014 in Odessa, wo ein Gewerkschaftsgeb\u00e4ude, in das sich pro-russische Demonstranten fl\u00fcchteten, in Flammen gesetzt wurde, in dessen Folge 50 Menschen zu Tode kamen, darunter 32 bei lebendigem Leibe verbrannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragw\u00fcrdige Gesetzesregelungen werden innerhalb der \u201eAnti-Terror-Operation\u201c wie der Krieg von der Ukraine offiziell bezeichnet wird, als Notwendigkeit zur Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, deklariert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kriegsdienstverweigerer d\u00fcrfen jetzt inhaftiert oder auf Deserteure im Kampfeinsatz geschossen werden. Russische Medien, Filme oder K\u00fcnstler wurden verboten. Die \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Webseite \u201eMirotworez\u201c (Friedensstifter) mit pers\u00f6nlichen Daten und Bildern von um die 30 000 Personen, die vom Betreiber als \u201eFeinde\u201c eingestuft werden. Darunter Tausende Journalisten und zahlreiche K\u00fcnstler. Dies hat nicht selten schlimme Folgen, so wurden schon mindestens 2 der Aufgelisteten am helllichten Tage auf offener Stra\u00dfe erschossen und auf der Webseite als \u201eliquidiert\u201c gekennzeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00f6stlichen Kriegsgebiet, das mit der gr\u00f6\u00dferen Umgebung ca. 10 % der Ukraine umfasst, <strong>sind seither zehntausend Menschenleben erloschen<\/strong>. 50 000 wurden verwundet und zwei Millionen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Ein gro\u00dfer Teil dort ist zerbombt, zerst\u00f6rt, mittellos, traumatisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt also keine \u201esanfte Revolution\u201c, sondern eine \u201e<strong>Revolution der W\u00fcrde<\/strong>\u201c, wie sie in (der) Ukraine und im Westen bezeichnet wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>War es das wert<\/strong>, sich vom russischen Joch zu befreien und die Schranken nach Europa zu \u00f6ffnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mit all diesen Erinnerungen im Gep\u00e4ck stehe ich in Odessa am Flughafen<\/strong>. Das letzte Mal, dass ich in Odessa war, liegt fast 30 Jahre zur\u00fcck. Damals in der Sowjetunion war mir als Ausl\u00e4nderin aus dem Westen eigentlich nicht erlaubt, Moskau zu verlassen. Doch bereiste ich mit meinen Freunden aus dem russischen Underground, der damaligen K\u00fcnstler-Szene, einige verbotene St\u00e4dte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So auch Odessa. Und auch dort lernte ich Freunde aus der K\u00fcnstler-Szene kennen, junge, tabubrechende Revoluzzer, die ihre eigene Kultur und Zivilcourage gegen\u00fcber dem restriktiven Sowjetsystem entwickelten. So etwas wie <strong>flower-power auf sowjetisch<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesmal stand nicht, wie fr\u00fcher \u00fcblich, die ganze Gruppe wartend am Bahnhof, sondern wurde ich mit einem neuen Jeep direkt am Flughafen abgeholt.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-4 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth fusion-column-first\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-9\"><p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11869\" src=\"http:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image012.jpg\" alt=\"image012\" width=\"347\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image012-28x27.jpg 28w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image012-200x192.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image012-208x200.jpg 208w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image012.jpg 302w\" sizes=\"(max-width: 347px) 100vw, 347px\" \/><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-10\"><p style=\"text-align: center;\">Anstecker \u201eIn Odessa kann man alles machen\u201c<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-5 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-11\"><p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Hallo und Willkommen in Odessa, in Odessa ist jetzt alles m\u00f6glich!<\/strong>\u201c, begr\u00fc\u00dft mich Niko freudestrahlend. Meine Freunde waren in Moskau gut etabliert gewesen, haben sich dennoch, w\u00e4hrend der Auseinandersetzungen in ihrem Heimatland, dazu entschlossen, <strong>Moskau den R\u00fccken zu kehren<\/strong> und sich auf die Seite der Ukraine zu stellen. Sind vor zwei Jahren ganz bewusst nach Odessa gezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar war ich in den letzten Jahren viele Male in der Ukraine, selbst einige Male auf dem Maidan, aber immer dienstlich. Jetzt w\u00fcrde ich eine Woche mit meinen Freunden an Strand, Sonne, Meer und Lagerfeuer verbringen<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-6 fusion_builder_column_4_5 4_5 fusion-four-fifth fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-12\"><p style=\"text-align: justify;\"><strong>W\u00fcrde vielleicht eine Antwort darauf bekommen, ob es das wert war<\/strong>. Niko, mein guter Freund und Seelenverwandter, hat das wohl gesp\u00fcrt und mich deshalb genau mit diesen Worten begr\u00fc\u00dft. Auch w\u00e4hrend der ganzen Woche blieb dies sein Leitspruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und gleich auf der Fahrt zur Datscha erkl\u00e4rt er mir, dass die gesamte Polizei ausgewechselt und er noch kein einziges Mal angehalten und abgezockt wurde. Dass ich einfach herfliegen konnte, ohne Visum und dass unsere Kinder sich jetzt alle auf Englisch unterhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wiederholt, was er mit vor einiger Zeit bei einem Treffen in Frankfurt erz\u00e4hlt hatte, dass er zu Anfang auch gedacht hatte, dass in der Ukraine die Faschisten auf dem Vormarsch seien. Als er dann aber seine Mutter in Odessa besuchte und auf den Stra\u00dfen die Demonstrationen sah, stellte er fest, dass die proukrainischen Demonstranten aus hunderten bunter, freundlicher Menschen, vielen Eltern mit Kindern, bestanden. W\u00e4hrend die Prorussischen sich aus dunklen M\u00e4nnergesichtern zusammensetzen, die seinen Kindern Angst einfl\u00f6ssten.\u00a0 Da habe er verstanden, dass <strong>das russische System ihn wieder betrogen hatte, <\/strong>wie damals das sowjetische.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals hatte er mir eine kleine Geschichte aus seiner Kindheit erz\u00e4hlt, die ich nie vergessen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Schule stand der Besuch von amerikanischen Sch\u00fclern an. Es wurde gro\u00df angek\u00fcndigt, wochenlang drehte sich alles nur um die Vorbereitungen, wurde alles\u00a0 auf Hochglanz gebracht. Alle waren aufgeregt und sie wurden st\u00e4ndig ermahnt, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Dann sei dieser Tag der Tage tats\u00e4chlich gekommen. Sie sa\u00dfen alle da, geschniegelt und gestriegelt in ihren Uniformen, mit ihren roten Halst\u00fcchern, in fast milit\u00e4rischer Manier. Und dann seien diese amerikanischen Kinder gekommen: Locker, l\u00e4ssig, kaugummikauend, ohne gro\u00dfes Interesse, ohne Disziplin. Frei. Und er sei sich <strong>in diesem Moment so dumm und albern vorgekommen<\/strong>, habe sich so unpassend und eingezw\u00e4ngt gef\u00fchlt, in seiner geschniegelten Uniform, die amerikanischen Kinder in ihrer freien Art beneidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diese Freiheit weht jetzt f\u00fcr ihn in der Ukraine<\/strong>, in Odessa. Und dieser <strong>Wind weht in die richtige Richtung, -nach Europa<\/strong>. Auch wenn Poroschenko kein guter Pr\u00e4sident sei, so k\u00f6nne er sich in der Ukraine nicht so festsetzen, sich keinen <strong>g\u00fcldenen unantastbaren Erbthron wie Putin<\/strong> in Russland aufbauen. Er werde schnell verschwinden und der n\u00e4chste werde kommen. Und bald w\u00fcrde dann auch ein guter Pr\u00e4sident folgen. Wichtig sei, dass die <strong>Schneise nach Europa ge\u00f6ffnet<\/strong> ist, alles andere ergebe sich automatisch. Wichtig sei, dass die Richtung jetzt stimme, vieles schon auf den Weg gebracht sei.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-7 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth fusion-column-first\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-13\"><p style=\"text-align: justify;\">Moskau werde immer d\u00fcsterer, \u00fcberall begegne man Putin Bildern, B\u00fcsten, Shirts, Tassen, Uhren und was auch immer. Selbst in einfachen L\u00e4den hinge sein Bild an der Wand. Er k\u00f6nne das nicht mehr sehen, sein halbes Leben habe er sich das <strong>mit Lenin antun<\/strong> m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die nationale Propaganda in Russland k\u00f6nne er nicht mehr ertragen, zumal er jetzt am eigenen Leib erlebe, wie gezielt sie gegen die Ukraine gerichtet ist. Russische Buchl\u00e4den seien voll mit B\u00fcchern \u00fcber die \u201ewahre Geschichte\u201c der Ukraine. Ein neues Buch trage sogar den Titel \u201e<strong>Die Ukraine- das ist Russland<\/strong>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entt\u00e4uscht sei er von einigen russischen K\u00fcnstlern aus dem <strong>damaligen Underground<\/strong>, Menschen, die damals viel riskiert hatten f\u00fcr die Freiheit und heute, nachdem sie Karriere gemacht haben, die <strong>Freiheit<\/strong> f\u00fcr sie nicht mehr an oberster Stelle st\u00fcnde<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-8 fusion_builder_column_2_5 2_5 fusion-two-fifth\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:37.6%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-14\"><p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11875\" src=\"http:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image015.jpg\" alt=\"image015\" width=\"349\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image015-26x27.jpg 26w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image015-194x200.jpg 194w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image015-200x206.jpg 200w, https:\/\/humanrights-online.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/image015.jpg 305w\" sizes=\"(max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-15\"><p style=\"text-align: center;\">Buch in russischem Buchladen: \u201e Die Ukraine, das ist Russland\u201c<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-9 fusion_builder_column_4_5 4_5 fusion-four-fifth fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-16\"><p style=\"text-align: justify;\">Umso mehr habe er es geachtet, dass Makarewitsch von Maschina Wremeni bewusst ein Konzert in Odessa gegeben und sich klar gegen die Annektion der Krim ausgesprochen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann ihn gut verstehen, schlie\u00dflich ist er seit 30 Jahren einer meiner besten Freunde, <strong>kann nachempfinden<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dennoch<\/strong> muss ich jeden Tag w\u00e4hrend ich am hei\u00dfen Sandstrand am Schwarzen Meer liege, daran denken, dass im selben Land ein paar Hundert Kilometer weiter \u201eoben\u201c\u00a0 Millionen von Ukrainern traumatisiert vor dem Nichts stehen und unendlich leiden. Alleine eine Million alter Menschen und sicher auch ebenso viele Kinder und Jugendliche. Menschen, die dort geboren, aufgewachsen und beheimatet sind. Hatten sie im pl\u00f6tzlichen Eifer des Gefechts wirklich eine Wahl?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00fcsse nicht alles Menschenm\u00f6gliche getan werden, um diesen Krieg endlich zu beenden<\/strong>, w\u00e4re das nicht das eigentliche Ziel eines Menschen, f\u00fcr den die Freiheit an oberster Stelle steht, frage ich Niko. So viele Unschuldige, so viele Kinder, so viele Tote, so viel Zerst\u00f6rung im eigenen Land?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wirkliches Mitleid mit den Kriegsopfern in Donezk, Lugansk und Umgebung, h\u00e4lt Niko von sich fern. Er hat sich entschieden f\u00fcr die Freiheit, hat nach 30 Jahren mit Frau und Kindern Russland den R\u00fccken gekehrt, das war keine einfache, aber eine konsequente Entscheidung. Damit habe er seinen Teil dazu beigetragen. Die Menschen im Osten h\u00e4tten sich dagegen entschieden, f\u00fcr Russland. Russland habe den Krieg begonnen und wenn Putin seine Unterst\u00fctzung stoppen w\u00fcrde, sei der Krieg damit auch sofort beendet. Das liege <strong><em>allein in Putins Hand<\/em><\/strong>.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":119,"featured_media":11870,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"IN ODESSA IST ALLES M\u00d6GLICH - Menschenrechte Osteuropa - News &amp; Konflikte","description":"IN ODESSA IST ALLES M\u00d6GLICH Sommer 2017 \u2013 Ein Bericht Eine Reflexion \u00fcber die j\u00fcngste Geschichte in (der) Ukraine von Dr. phil. 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