Gennadij Schutow, 44 Jahre alt, war einer von Tausenden, die am 11. August 2020 in der weissrussischen Universitätsstadt Brest an der Grenze zu Polen gegen Lukaschenko demonstriert hatten.

Gennadij Schutow von Polizist erschossen
IGFM klärt auf und hilft seiner Familie

Gennadij Schutow, 44 Jahre alt, war einer von Tausenden, die am 11. August 2020 in der weissrussischen Universitätsstadt Brest an der Grenze zu Polen gegen Lukaschenko demonstriert hatten.

Nach Aussagen seiner Tochter Anastasia rief er abends an, dass er jetzt nachhause komme. Zwei Tage später berichtete eine Zeitung, dass der Vater von fünf Kindern von einem Polizisten erschossen worden sei. Laut Polizeibericht griffen Polizisten Gennadij Schutow auf. Dieser habe versucht, mit einem Metallrohr bewaffnet den Polizisten die Waffen abzunehmen. Ein Polizist habe sich bedroht gefühlt und auf seine Schulter gezielt, aber durch die Gegenwehr Schutows seinen Kopf getroffen. Eine Augenzeugin berichte te, dass sie drei Schüsse gehört habe und vom Balkon aus einen Mann in einer  Blutlache liegend gesehen habe. Sie habe deutlich gesehen, dass er in den Hinterkopf geschossen worden sei und sich ein Mann in Zivil von ihm entfernte. Die Polizisten hätten nach einem Krankenwagen gerufen, doch dann seien Leute gekommen, um den am Boden liegenden Schutow zu filmen. Der Schütze habe daraufhin eine Pistole aus seinem Hemd gezogen und sie auf die Fotografen gerichtet, um sie zu vertreiben.

“Unsere Familie wandte sich an die Polizei, das Untersuchungskomitee und den Staatsanwalt – die letzte formelle Antwort der Strafverfolgungsbehörden besagt, dass es keinen Grund gibt, ein Strafverfahren wegen des Mordes einzuleiten. Angeblich habe sich ein Soldat aus Minsk dazu bekannt. Aber man sagt uns in Belarus nicht mehr die Wahrheit“, so Anastasia.

Die IGFM-Gruppe in Brest zieht die Aussagen der Polizisten in Zweifel, denn Schutow war nicht allein unterwegs. Mit ihm wurde sein Freund Aleksander Kordjukow verhaftet, der – wie die Sektion erklärt – „abgeschaltet“ worden sei. Aleksander Kordjukow sitzt seit über einem Monat im Gefängnis und wird dort nach Einschätzung der IGFM-Gruppe solange festgehalten, bis in einem Gerichtsverfahren Zeugen der Polizei für ihren Kameraden gesprochen haben und daraufhin voraussichtlich kein Strafverfahren wegen Mordes gegen ihn eingeleitet werde. Kordjukow erwarten nach Auskunft der IGFM Sektion 15 bis 25 Jahre Haft.

„Die willkürliche Inhaftierung der Demonstranten erfolgt gemäß einem Gesetz, das es den Weißrussen verbietet, ohne Erlaubnis der Behörden auf Plätze zu gehen und Versammlungen abzuhalten. Obwohl dieses Recht in der Verfassung verankert ist, ist seine Wahrnehmung in der Praxis nahezu unmöglich: Der Antrag auf eine Demonstration oder Kundgebung bei den Behörden ist mit der vorherigen Vorlage von Quittungen für diverse Dienstleistungen der Polizei, der Müllabfuhr oder für Krankenwagen verbunden. Dennoch werden 99% der Anträge abgelehnt. “, so ein Mitglied der Sektion in einem Telefonat mit der IGFM in Frankfurt.

Die IGFM hat der nun mittellosen Familie Schutow etwas Geld übergeben. Die Sektion hat Kontakt zu weiteren Familien, die Hilfe brauchen, weil ihre Ernährer auf unbestimmte Zeit inhaftiert sind. Es sind kleine Beträge, 200 – 300 €, die als Überbrückung gedacht sind. Doch die Zahl der Hilfesuchenden wächst. Wir richten uns darauf ein, dass wir vielleicht mehrere Monate helfen müssen. Bitte helfen Sie mit.

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