Mit einer großen Protestdemonstration reagierten die Belarussen in der deutschen Hauptstadt auf die Entführung des Ryanair-Flugzeuges mit Roman Protassewitsch und seiner Freundin Sofia Sapega durch das Lukaschenko-Regime. Fotos: Michael Leh

Demonstration in Berlin: „Freiheit für Roman Protassewitch und Sofia Sapega“

Berlin, 2. Juni 2021 – Mit einer großen Protestdemonstration am 29. Mai reagierten die Belarussen in der deutschen Hauptstadt auf die Entführung des Ryanair-Flugzeuges mit Roman Protassewitsch und seiner Freundin Sofia Sapega durch das Lukaschenko-Regime. Mit hunderten Teilnehmern zogen die Demonstrierenden vom Potsdamer Platz über die Behrenstraße bis nach Unter den Linden vor die russische Botschaft. Dort wurde die Unterstützung und Komplizenschaft Wladimir Putins mit Alexander Lukaschenko angeprangert.

„Putin, Hände weg von Belarus“

Eine Demonstrantin mit Bild von Protassewitch

Während die Europäische Union Sanktionen gegen Lukaschenko verhängte, sicherte Russlands Präsident Putin gerade erst dem belarussischen Diktator bei ihrem  Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer einen weiteren Kredit in Höhe von 500 Millionen US-Dollar zu. Die Chefredakteurin des russischen Propagandasenders Russia Today (RT), Margarita Simonjan, hatte die Entführung der Ryanair-Maschine öffentlich als „gelungene Aktion“ bejubelt.

Die Demonstranten forderten die sofortige Freilassung des Bloggers Roman Protassewitschs und Sofia Sapegas sowie aller anderen politischen Gefangenen. „Europa wach auf!“ stand auf einem der vielen Plakate. Auf einem großen Transparent waren die Gesichter von 450 politischen Gefangenen abgebildet.

Eine Demonstrantin protestiert mit einem Bild von Sofia Sapega gegen deren Gefangenschaft

Auch auf vielen Einzelplakaten wurden politische Gefangene gezeigt und an ihr Schicksal erinnert, darunter Alana Gebremariam, die Krankenschwester Yuliya Kashaverava, Maria Kalesnikava, Draya Chultsowa und Katsyryna Andreyeva oder Marfa Rabkova. „Journalismus ist kein Verbrechen“ stand auf einem Plakat, mit dem auf die vielen verhafteten Journalisten in Belarus hingewiesen wurde.

Ein Plakat zeigte den 50-jährigen Oppositionspolitiker Witold Aschurok, der am 21. Mai nach knapp fünf Monaten Haft in einem Straflager im Osten des Landes nach einem Herzstillstand starb. Nach Teilnahme an einer Demonstration gegen Lukaschenko hatte man ihn im Januar zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ein anderes Plakat zeigte den erst 18-jährigen Dmitri Stachowski, der 2020 gegen Wahlfälschungen demonstriert hatte und gegen den wegen „Beteiligung an Massenunruhen“ ermittelt wurde. Stachowski beging am 25. Mai 2021 Suizid. Die aus Minsk stammende und in Berlin lebende Ärztin Ina Wiegert verlas den erschütternden Abschiedsbrief des jungen Mannes, in dem er seine Verzweiflungstat mit den Ermittlungen gegen ihn begründete.

Auf dem Schild richten sich Demonstranten an die EU: “Europa wach auf!”

IGFM-Vorstandsmitglied Michael Leh nahm an der Demonstration der Belarussen in Berlin teil und ergriff neben anderen ebenfalls vor der russischen Botschaft das Wort. Leh rief dazu auf, immer sehr genau auf die Haftbedingungen Protassewitschs zu achten und darüber aktuell zu informieren. Protassewitsch wurde vermutlich bereits geschlagen und zu Aussagen erpresst. Leh wies auch auf das Problem einer nur geringen Zahl humanitärer Visa für Belarussen in Deutschland hin, während Berichten zufolge Polen solche Visa sehr zahlreich ausstellt. Leh bat um Erfahrungsberichte von in ihrem Land bedrohten Belarussen, die in Deutschland Schutz suchen möchten und denen dies faktisch oder rechtlich verwehrt wird.

 

 

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