Absurd anmutende Bilder aus Minsk: Diktator Aleksandr Lukaschenka traf sich zum Gespräch mit etwa zwölf politischen Häftlingen im KGB Gefängnis. Die Macht über veröffentlichte Bilder und die Inszenierung lag natürlich bei Lukaschenka.

Alexander Kordjukow weiter in Haft

Lukaschenka inszeniert Treffen mit politischen Gefangenen im KGB-Gefängnis

Absurd anmutende Bilder aus Minsk: Diktator Aleksandr Lukaschenka traf sich zum Gespräch mit etwa zwölf politischen Häftlingen im KGB Gefängnis. Die Macht über veröffentlichte Bilder und die Inszenierung lag natürlich bei Lukaschenka. Laut demvstaatsnahen belarussischen Telegram-Kanal „Pul Perwogo“ soll das Treffen viereinhalb Stunden gedauert haben. Es sei über eine Verfassungsreform gesprochen worden – deren Bedeutung hatte zuvor Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit Lukaschenka im September betont. Lukaschenka erklärte laut „Pul Perwogo“ im Gefängnis: „Unser Land lebt unter der Losung der Dialogbereitschaft.“

Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja erklärte dazu im Exil: „Einen Dialog führt man nicht in der Gefängniszelle“. Laut „Pul Perwogo“ habe Lukaschenka zu den Gefangenen auch gesagt: „Die Hälfte von Ihnen hier sind Juristen und wissen: Die Verfassung schreibt man nicht auf der Straße.“ Der bekannteste Häftling beim Treffen im KGB-Gefängnis war der Bankmanager und Politiker Viktor Babariko, der bei der Präsidentschaftswahl gegen Lukaschenka antreten wollte. Auch Babarikos verhafteter Sohn Eduard – er war sein Wahlkampfleiter – war dabei. Außerdem die verhaftete Juristin Lilija Wlassova vom oppositionellen „Koordinierungsrat“, der verhaftete Rechtsanwalt Maxim Snak und der verhaftete Politikberater Vitali Shkliarow. Nicht dabei war Maria Kalesnikava vom „Koordinierungsrat“, die man in das Gefängnis von Schodsina rund 55 km östlich von Minsk gebracht hat. Swetlana Tichanowskaja wertete den Gefängnis Besuch Lukaschenkas als Erfolg des gesellschaftlichen Drucks durch die anhaltenden Demonstrationen. Bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin hatte sie um Unterstützung Deutschlands geworben. Erstmals konnte sie mit ihrem inhaftierten Ehemann Sergei Tichanowskij telefonieren. In Berlin traf sie auch mit Belarussinnen und Belarussen zusammen, die in der deutschen Hauptstadt zahlreiche Solidaritätskundegebungen für die Demokratiebewegung abhalten.

Foto: Alexander Kordjukow, © Privat Kordjukow

Die IGFM hatte bereits auf den Fall Alexander Kordjukow hingewiesen, der Zeuge war, als sein Freund Genadij Schutow in Brest von Schüssen tödlich getroffen wurde. Kordjukow wurde laut IGFM-Gruppe Brest verhaftet, weil er Zeuge war. Es drohen ihm ein Prozess und langjährige Haft. In einer Mitteilung weißrussischer IGFM-Mitglieder heißt es: „Wir haben uns am 3. Oktober mit Marina, der Schwester von Alexander Kordjukow, getroffen. Die etwa 40-jährige erklärte sich bereit, über das Unglück in der Familie zu sprechen. Die Frau und die Mutter des Inhaftierten befinden sich in einem völlig deprimierten Zustand und Trance aufgrund seiner willkürlichen Verhaftung.“ Alexander Kordjukow sei in ein Gefängnis nach Minsk transportiert worden: „Er wartet dort auf den Prozess. Den Angehörigen wird ein persönliches Treffen verweigert (…) Gegenwärtig trägt die Familie von Alexander Kordjukow erhebliche Kosten für Anwälte … Die Weißrussen haben sehr geringe Gehälter und Renten (die Standardrente beträgt 100 Euro pro Monat, das Standardgehalt 150 Euro). Die Eltern Kordjukows sind Rentner, während seine Frau, die als Lehrerin arbeitet und auch Marina heißt, jetzt ihren 10-jährigen Sohn alleine großzieht. Seine Schwester möchte den unbekannten fürsorglichen Menschen danken, die der Familie geholfen haben, die Rechnungen für August und September zu zahlen. Als ich das Treffen verließ, setzten sich die rotverweinten Augen im hübschen Gesicht der Schwester in meinem Gedächtnis fest.“ Die IGFM hat Kontakt zu dieser und weiteren Familien, die Hilfe brauchen, weil Familienmitglieder auf unbestimmte Zeit in Haft sind. Wir bitten Sie um Ihre Spende, damit wir helfen können.

Kennwort für Ihre Spende: Belarus – Familienhilfe (36)

Foto: Maria A. Kalesnikava, © Michael Leh

Unterstützen Sie bitte Maria A. Kalesnikava – Senden Sie ihr einen Gruß und sprechen Sie ihr Mut zu.
Maria A. Kalesnikava hat lange in Stuttgart gelebt und spricht sehr gut Deutsch.

Selbst wenn ihr die Post nicht ausgehändigt werden sollte, merken die Gefängnisbeamten, dass sie bei uns nicht vergessen ist. (Portokosten: Postkarte 0,95 Euro, Standardbrief 1,10 Euro, mit Einschreiben +3,50 Euro). Die Adresse lautet:

An Maria A. Kalesnikava
Pre-trial Detention Center / Untersuchungsgefängnis
vulica Savieckaja 22 A
222 160 Žodzina
BELARUS

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